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Kunstnacht

23.11.2015

Kunstmarathon und Kunstklassiker

Eröffnung der Krumbacher Kunstnacht: Unser Bild zeigt von links Karl-Heinz Rogg, Bürgermeister Hubert Fischer, Monika Schölzchen, Sigurd Rakel, Renate Gemsa, Anita Roth, Erika Demmeler, Hermine Billes, Anneliese Nagenrauft, Brigitte Schuster, Martina Rosenberger und Andreas Glogger.
Bild: Petra Nelhübel

Zahlreiche kulturelle Höhepunkte am Samstag in Krumbach

Sigurd Rakel sprach vom Weglassen und von der Reduzierung auf das Wesentliche in der Kunst. „Ich bring euch schon noch da hin“, versprach er. Dann aber machte der Maler in seiner Eröffnungsrede zur neunten Krumbacher Kunstnacht so viel Lust auf die einzelnen Künstler, dass wohl viele Besucher die ganze Fülle des Kunstnachtangebotes erleben wollten. Auch wir von den MN ließen uns dazu verführen. Aber hätte nicht Peter Herz, Kunstexperte und Kunstlehrer an der Thannhauser Realschule, einen Teil dieser Tour de Force, dieses Kunstmarathons mit 19 Veranstaltungen an einem Abend, übernommen, es wäre nur mit Mühe zu bewältigen gewesen. Bereits am Eröffnungsort der Kunstnacht, im alten Rathaus, boten die fünf Malerinnen der Künstlergemeinschaft „Ultramarin“ ein breites Spektrum des Kunstschaffens. Wer danach den Weg in die Fachakademie für Sozialpädagogik fand, wurde mit Panflötenklängen von Maximilian Bögner empfangen. Klänge, die eindrucksvoll die außergewöhnliche Kargheit des Wanderhirtenlebens in Spanien und Anatolien widerspiegelten. Fotografiert wurden die Bilder von Stefan Hämmerle. Gesichter als Lebenslandschaften luden die Besucher in der Tagespflegeeinrichtung Snehotta ein, die Schönheit des Alters zu erkennen.

Wer danach den Weg durch die winterkalte Luft nicht scheute, konnte mit einem kurzen Spaziergang durch wirbelnde Schneeflocken den Keller von Diems Biergarten erreichen. Die gebürtige Kanadierin Maria Faist gab in ihrem „Project Invisible“ mit starkem Pinselstrich Flüchtlingen ein Gesicht. Das passte gut zu den Arbeiten von Mohammad Albasiry. Der junge Syrer beschwört in seinen Werken die Versöhnung von christlicher und islamischer Religion. Im Gasthof Diem gab es ein Kunstnachtmenü.

Die aktuelle Tristesse griechischen Alltagslebens im Gegensatz zu phänomenaler Architektur und Landschaft zeigten Karin Tietz und Manfred Marquard mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen und HDR-Fotografien im Wiedemanns Keller. Von dort war es nicht weit zu den Marimbaklängen im Pavillon der Gärtnerei Kleber. Livemusik und afrikanische Bildhauerkunst erzeugten eine Partystimmung, die es den Besuchern leicht machte, zu verweilen und zu genießen.

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Dass mit Intuition, Sachverstand und Ideenreichtum auch aus ordinären Flusskieseln und anderen Fundstücken edler Schmuck entstehen kann, bewies Martina Rosenberger in ihrem offenen Meisteratelier in der Karl-Mantel-Straße. Von dort war es nur ein Katzensprung zu den großformatigen Fotoaufnahmen von Barbara Lindner im Bürgertreff „mitánand“. Bereits zwei Häuser weiter empfingen der Geruch von Maschinenöl und das Knattern unzähliger Dampfmaschinen die faszinierten Gäste. In der ehemaligen Reinigung Berger teilte Bernd Scheitter seine Begeisterung für seine selbst konstruierten Maschinen mit den Besuchern.

Gleich gegenüber, im Krumbacher Wasserschloss, zeigten Georg Sirch und Peter Nusser die Arbeiten ihrer Lehrlinge im Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg. Im Stockwerk darüber starke Eindrücke der ungewöhnlich großformatigen Bilder von Otto Schorer jun.. Besonders interessant die ausgelegten Mappen, die die Entstehungsprozesse seiner Werke dokumentierten. Leider kaum zu Fuß zu erreichen waren die Arbeiten von Peter Harder im malerischen Ambiente des Krumbades. Der Künstler widmete seine Ausstellung mit Radierungen, Holzschnitten und Schabkartonarbeiten seinem Freund und Lehrer, dem verstorbenen Alfred Hennings. Auf der Rückfahrt ins Städtchen ein Besuch in der Galerie Rakel. Frei und losgelöst von allen Zwängen präsentierte der Maler seine neuesten Arbeiten in gewohnt kraftvoller Farbigkeit.

„Kunst aufräumen“ – unter diesem vom Schweizer Künstler Ursus Wehrli ausgegebenen Motto präsentierten im Café Zott die Besucher der Tagesstätte für psychische Erkrankungen ihre teils skurrilen Werke. Farbenprächtige Batiken und Seidenmalerei im Heimatmuseum: Marianne Heller-Seitz gab persönlich Einblicke in ihr kreatives Schaffen, mit dem sie sich schon bundesweit einen Namen machte. Beim Offenen Atelier der Schule der Phantasie gab es wieder die Gelegenheit, an vielfältigen Phantasie-Kreativaktionen mitzuwirken. Neu ausgebildete Kursleiter stellten sich dem Publikum vor.

Wer jetzt Hunger bekam, war bei Hermine Billes’ Acrylmalereien und dem Kunstnachtmenü im Gasthof Munding gut aufgehoben. Wem das zu geruhsam war, konnte nur ein paar wenige Schritte weiter, in der ehemaligen Halle von Metallbau Knöpfle ins volle Partyleben eintauchen. Die jungen Wilden, Tino Baumann, Dominik Widmann, und Wabato präsentierten bei ausgelassener Livemusik das wohl innovativste Oeuvre, das Krumbach an diesem Abend zu bieten hatte. Bunt, schrill, schräg und radikal.

Wer Erholung brauchte, dem konnte man das Orgelkonzert in der Michaelskirche empfehlen. Jochen Schwarzmann an der Klarinette und Michael Dolp an der Orgel boten musikalischen Balsam für aufgewühlte Kunstnachtbesucher. Uraufgeführt wurde ein Werk von Thomas Bäurle. Die Kunstnacht – ein Kunstmarathon, mittlerweile aber auch längst ein Krumbacher Kunstklassiker. " Seite 32

Im Internet

Bilder von der Kunstnacht unter www.mittelschwaebische-nachrichten.de

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