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Krumbach

04.04.2021

Lockdown in Schottland: Ein Krumbacher berichtet

Leopold Pfeiffer vor einem der ältesten Teile des United College in seiner neuen Heimatstadt St. Andrews.
Foto: Sammlung Pfeiffer

Plus Leopold Pfeiffer studiert nun seit über einem Jahr in Schottland, um dort seinen Master in „Data Analysis“ zu machen. Wie es dem 22-jährigen Krumbacher in Zeiten von Corona im Ausland ergeht und welche Pläne er hat.

Nach seinem Bachelor an der Universität Augsburg zog es Leopold Pfeiffer ins Ausland. Umgeben von der malerischen Landschaft, dem Blick auf die Nordsee und dem viktorianischen Stadtbau lebt der Krumbacher nun in der schottischen Stadt St. Andrews nordöstlich von Edinburgh und studiert an der ältesten Universität Schottlands. Leopold Pfeiffer berichtet im digitalen Interview von seinen Erlebnissen in Schottland, dem coronabedingten etwas anderem Semester und seine Wahrnehmung des Brexits.

Wie kam es zum Studium in Schottland?

Leopold Pfeiffer: Ich war hier bereits 2019 – als Teil meines Global Business Management Bachelorstudium. Damals wollte ich nach Großbritannien wegen der Sprache. Auch sind die Universitäten dort sehr gut. Ich wäre zwar da schon gerne länger geblieben, wollte aber natürlich meinen Bachelor abschließen und habe mich dann auch gleich wieder für meinen Master hier beworben.

Gab es Schwierigkeiten mit der Sprache oder mit dem Akzent?

Pfeiffer: Englisch an sich war für mich jetzt nicht so ein großes Problem. Ich war auch während meiner Schulzeit am SKG Krumbach drei Monate in Australien und konnte da mein Englisch schon testen. Der Akzent in Schottland war am Anfang aber schon eine Herausforderung. Als ich zum ersten Mal hergeflogen bin, hatte der Pilot einen irischen Akzent und ich hatte keine Ahnung, was er sagt. Ich dachte mir schon: „Was willst du hier nur, du verstehst ja nicht mal den Piloten.“Aber es ging dann doch gut, vor allem, da die meisten Studenten in St. Andrews nicht aus Schottland kommen. Da lernt man, viele Akzente zu verstehen.

War es schwer, neue Leute kennenzulernen?

Pfeiffer: Dadurch, dass am Anfang ja alle in einem Boot sitzen und es auch so viele Studenten gibt, war es sehr einfach, neue Leute kennenzulernen. Auch organisiert die Universität viel mehr Freizeitaktivitäten als in Deutschland. Gerade am Anfang vom ersten Semester und auch für die Austauschstudenten gibt es eine ganze Woche nur Aktivitäten, wo man sich kennenlernt. Als ich in Augsburg war, bin ich nicht auf die Idee gekommen, allein in eine Bar zu gehen. Das ist hier anders. Wenn man in einen Pub geht, kann man ziemlich sicher sein, dass man entweder jemanden kennt oder das jemand Neues mit dir reden möchte. Das macht Freunde finden einfach.

Der Online-Unterricht läuft sehr gut

Was sind Ihre Erfahrungen als Student zu Pandemiezeiten?

Pfeiffer: Der Unterschied zum letzten Jahr war doch sehr groß, weil man an den ganzen Freizeitaktivitäten der Universität nicht teilnehmen konnte. Ich bin auch sehr froh, nicht allein in einem Studentenwohnheim zu leben. Gehört habe ich unter anderem, dass es wohl sehr hart war, weil man teilweise sein Zimmer nicht verlassen durfte. Ich selbst wohne zum Glück mit meiner Partnerin zusammen. Sie ist aus Amerika. Wir haben uns hier kennengelernt und sind zusammengezogen. Der Online-Unterricht läuft sehr gut. Ich bin natürlich in einem Fach, in dem es verhältnismäßig gut geht. Aber das trifft natürlich nicht auf alle Fächer zu. Auch ist es – besonders, wenn man hier noch niemanden kennt – viel schwieriger, neue Freunde zu finden. Spaß macht alles natürlich mehr in Person, aber der Situation entsprechend kann ich mich nicht beschweren.

Wie kann man die allgemeine Stimmung bezüglich des Lockdown beschreiben?

Pfeiffer: Im Herbst war die Stimmung relativ gut. Hier gab es auch mehr Lockerungen als in Deutschland und man konnte recht viel unternehmen. Inzwischen hat sich die Lage eher gedreht. Besonders, da es in St. Andrews sehr wenige Fälle gibt, war da schon etwas Frust und Unverständnis da. Im Großen und Ganzen akzeptieren die Leute aber die Regeln.

Impfung früher als in Deutschland

Fühlen Sie sich coronabedingt sicher?

Pfeiffer: Ich bin froh, hier zu sein. Ich werde wohl auch meine Impfung hier bekommen und das vermutlich früher als in Deutschland. Wie sicher man sich coronabedingt fühlt, hängt natürlich stark vom Individuum ab, aber ich fühle mich definitiv sicher.

Was ist Ihr Resümee der Lockdown- Zeit?

Pfeiffer: Es hat überraschend gut funktioniert. Dadurch, dass man sich kaum mit Freunden treffen konnte und es nur Online-Vorlesungen gab, dachte ich, der Lockdown wird schlimmer. Natürlich freue ich mich auf die geplanten Lockerungen am 5. April, um endlich mal wieder zum Friseur gehen zu können oder sich mit Freunden zum Spazierengehen zu treffen.

Wie ist die aktuelle Stimmung in Schottland bezüglich des Brexits?

Pfeiffer: Im Alltag stellt man den Brexit nicht wirklich fest. Insgesamt sind die Schotten sehr unzufrieden. Zum einen mit dem Brexit, aber auch mit England insgesamt. Zum anderen regiert in Schottland die SNP, die bereits 2014 das Referendum initiiert hat. Das ist damals ja fehlgeschlagen, doch jetzt soll es einen Neuversuch geben. Auch, wenn dann England zustimmen müsste, habe ich das Gefühl, dass aktuell derartig viele Leute in Schottland für einen Austritt stimmen würden, dass England da dann eine sehr schwierige Gegenposition hätte. Ich denke, die meisten wissen auch, dass es vielleicht aus wirtschaftlicher Sicht nicht den allermeisten Sinn macht. Aber hier spielen Emotionen eine sehr große Rolle.

Was sind Ihre Geheimtipps für eine Reise nach Schottland?

Pfeiffer: Die Highlands sind ja sehr bekannt und gehen schon etwa 100 Kilometer nördlich von hier los. Die Landschaft dort ist unglaublich. Ich habe bereits einen Roadtrip durch die Highlands gemacht und war begeistert von dieser scheinbar unendlichen Weite. Noch nie hatte ich davor so das Gefühl, in freierer Natur zu sein als da. Ansonsten kann ich in der Stadt die Pubs empfehlen, die muss man sich anschauen und den guten schottischen Whiskey probieren.

Auslandsstudium als unglaubliche Erfahrung

Sind Sie froh über Ihre Entscheidung, ins Ausland zu gehen?

Pfeiffer: Ich bin sehr froh und würde alles wieder genau so machen. So ein Auslandsstudium an sich ist eine unglaubliche Erfahrung. Das kann ich wirklich nur jedem ans Herz legen.

Wollen Sie dann nach dem Studium im Ausland bleiben?

Pfeiffer: Ich bin sehr positiv gestimmt, außerhalb von Deutschland anzufangen. Nicht, weil es mir in Deutschland nicht gefällt, aber ich glaube, es ist einfacher, im Ausland zu bleiben, als später wieder den Schritt zu machen, ins Ausland zu ziehen. Ich bin sehr offen, entweder in Schottland zu bleiben oder auch nach Amerika zu gehen.

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