Newsticker

Länder wollen Teil-Lockdown bis kurz vor Weihnachten verlängern
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Mindelzeller „Weinschwätzle“ und Brücke nach Spanien

Mindelzell

17.11.2017

Mindelzeller „Weinschwätzle“ und Brücke nach Spanien

Engelbert Schmid in seinen Weinbergen Nordspanien.
3 Bilder
Engelbert Schmid in seinen Weinbergen Nordspanien.
Bild: Sammlung Schmid

Welche Pläne der Mindelzeller Engelbert Schmid für eine „Don Angel“-Weine hat. Auch für Tochter Susanne spielt der Weinbau inzwischen eine wichtige Rolle.

Strahlend blauer Himmel, geradezu messerscharf zeichnen sich die Weinstöcke vor dem glasklaren Horizont ab. Die Bilder, die Engelbert Schmid auf seinem Laptop zeigt, stehen in einem deutlichen Kontrast zur tristen Novemberstimmung, die Mittelschwaben derzeit fest im Griff hat. Schmid lächelt und dann sprudeln die Gedanken, seine Pläne, regelrecht aus ihm heraus: Noch mehr Weinanbaufläche in Nordspanien kaufen, neue Märkte auch in der heimischen Region erschließen. Er erzählt von seiner Tochter Susanne, die inzwischen in Bordeaux/Südwestfrankreich Weinbau studiert. Der Mindelzeller Engelbert Schmid ist vielen bekannt durch seine Hornwerkstatt. Doch auch in Sachen Wein hat er inzwischen einen klangvollen Namen. In Spanien noch mehr als in Deutschland, wo sie ihn „Don Angel“ (angel = Engel) nennen. Unter dieser Bezeichnung bietet Schmid edle Weine an. Das Besondere daran ist: Die Trauben wachsen in Nordspanien, die Produktion (Ausbau und Abfüllung) findet seit 2016 in Kellerräumen in Mindelzell statt.

Mehrfach wurden Schmids Weine ausgezeichnet. 2016 wurde einer seiner 2014er-Spitzenweine bei einem der größten Wein-Wettbewerbe der Welt, der Austrian Wine Competition (AWC) als bester Tempranillo aller eingereichten Weine mit der Trophy ausgezeichnet. Schmid ließ dabei rund 400 spanische Konkurrenten hinter sich. Zum aktuellen Wettbewerb 2017 hatte Schmid acht Weine (Jahrgänge 2007 bis 2015) eingereicht. Für alle acht gab es Auszeichnungen in Silber. „Zu Gold haben in der Bewertung immer nur ein paar Zehntel gefehlt“, sagt Schmid. Aber für ihn sei dies Ansporn, seinen Weg weiterzugehen. Er ist zuversichtlich, dass am Ende wieder Gold stehen werde – und es vielleicht gar wieder einmal eine Trophy-Auszeichnung geben könnte.

Schmid hat seit 2010 30 Hektar Land nördlich von Valladolid im Bereich der kastilischen Hochebene gepachtet. Er setzt auf tiefgründige, hochwertige Rotweine, er hat aber auch einige Weiß- und Roséweine im Portfolio. Mit einem Flaschenpreis von sechs Euro hat er einige durchaus relativ günstige Weine im Angebot, im Spitzensektor findet sich beispielsweise der Angelayo 2012 für 79 Euro. Der Trophy-Wein des Wiener Wettbewerbs liegt bei einem Preis von über 100 Euro. Schmids Weinerfolge haben sich inzwischen herumgesprochen. Immer mehr Kunden kommen aus der heimischen Region, auch der Trophy-Wein werde gezielt nachgefragt, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Sein Ziel ist es, die Anbaufläche in Nordspanien deutlich zu vergrößern. Er denkt an eine Größenordnung von insgesamt etwa 100 Hektar. Derzeit produziert Schmid rund 15000 Flaschen jährlich. Möglich sei nach einer gewissen Zeit eventuell gar eine Verzehnfachung dieser Zahl. Schmid denkt an eine weitere Verfeinerung der Anbaumethoden zum Beispiel bei der Bewässerung. Seine 32-jährige Tochter Susanne, vielen auch als Hornistin bekannt, studiert Weinbau in Bordeaux. Schmid geht davon aus, dass sie dann wohl in die Betriebsleitung eines hochkarätigen Weingutes einsteigen wird. Aber über kurz oder lang ist ihre Mitwirkung im heimischen Mindelzell wohl durchaus denkbar. Schmid trägt sich auch mit dem Gedanken, eine neue Kellerei einzurichten. Aber eine konkrete Planung gebe es derzeit noch nicht.

Schmid hat wiederholt davon gesprochen, wie schwer es ist, sich auf dem hart umkämpften Weinmarkt zu behaupten. Zuletzt ist es ihm gelungen, auch in Ländern wie Großbritannien und Russland Kunden zu gewinnen. Um die Vermarktung kümmert er sich selbst. Und „ich trage mich mit dem Gedanken, mich als Webmaster ausbilden zu lassen“, sagt er.

Einmal monatlich soll im Gewölbekeller seines Schlosses in Mindelzell ein „Weinschwätzle“ stattfinden. Die Zahl der Teilnehmer sei auf 20 begrenzt. In herzlicher Atmosphäre soll dann sozusagen über Wein, Gott und die Welt gesprochen werden. Schmid hofft, dass die Marke „Don Angel“ damit vor allem auch in der Region noch bekannter wird.

Heimat und Welt: Mit seinem Wein möchte Engelbert Schmid hier gewissermaßen eine Brücke schlagen. Sein seit Jahren treuer Helfer bei der Weinproduktion, der aus Ecuador/Südamerika stammende Luis Vinicio, formuliert dies so: Ecuador, das ist „la mitad del mundo – die Mitte der Welt“. Doch in Mittelschwaben ist Luis auf seine Weise heimisch geworden. Und auch triste Novemberstimmung trübt seine gute Laune nicht.

Zur Person: Engelbert Schmid

Herkunft:

Engelbert Schmid wurde am 9. Oktober 1954 geboren, er wuchs in Mindelzell auf einem kleinen Bauernhof auf.

Ausbildung: Schmid studierte an Konservatorien in Augsburg und München (Richard-Strauss-Konservatorium). Mit 21 Jahren spielte er für das Radiosinfonieorchester Berlin. Später für die Berliner Philharmoniker und als Solohornist für das Münchner Rundfunkorchester.

Gesamtkunstwerk:  So könnte man das Lebenswerk von Engelbert Schmid wohl umschreiben. Seit 1990 hat er (zunächst in Tiefenried) eine Werkstatt für die Hornproduktion aufgebaut. Sie befindet sich seit 2005 in Mindelzell. Seit 1995 hat er sich auch als Weinproduzent (es begann mit einer Fläche auf der kanarischen Insel La Palma) einen Namen gemacht. Sein Amphitheater in Mindelzell mit 391 Sitzplätzen wurde im Jahr 2008 eröffnet. Immer wieder finden dort hochkarätige Konzerte statt. Am 2. Juni 2018 soll es zum zehnjährigen Bestehen des Mindelzeller Amphitheaters ein Jubiläumskonzert geben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren