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24.07.2010

"Mit selberbachanam Baurabrot, bittschöa!"

D' Kender hant früaher d' Bachhäusle au' Hexahäusla g'hoißa. Übes "bacha" berichtet Autor und Schauspieler Robert Naegele. Seine Mundartgeschichten sind als Buch "Damals in unserem schwäbischen Dorf" im Maximilian-Dietrich-Verlag Memmingen erschienen. Zeichnung: Helmut Ackermann

Krumbach/München "Diese kleinen Häuschen", voar ma alta, halbverfallana Bachhäusle hat grad dr Gockaler d'Henn g'flügalet - "sind diese Häuschen Legestellen für Hühner?", hat mi mei norddeutscher Freind Rüdiger auf'm Spaziergang dur' mei schwäbisch Hoimatdorf g'fraugat. Deam landfremda Kerle erklär i iatz, daß dia Kloine Häusla koine Hennaställ send, sondern Bachhäusla g'wea send, dia ma früaher weaga Fuierg'fauhr neabers Haus, en da Hof oder en da Gata, baut hat.

Mei Großmuatter hat emma sölla Bachhäusle - d'Kender hant dia Häusla au' Hexahäusla g'hoißa - 's Brot bacha.

Toigrescht zum Gära braucht

En Tag voar dr Bacharei, gega Mittag, hat se Toigrescht von dr letschta Bachat, dia voar u'g'fähr vier Wucha stattg'funda g'het hat, mit lauwarmem Wasser übergossa und en dr Nähe vom Kucheherd zum Gära braucht. Nach sechs bis acht Stund isch dr Sauertoig - mir hant Urhalb g'sait - ferteg g'wea. Dr Bachtrog aus Fichtaholz, der aus dr oigana Küaferwerkstatt vom Großvater g'stammt hat, isch um de gleich Zeit von dr Großmuatter halba voll mit Roggameahl g'füllt wora. Gega Aubad hat se en dös a'g'wärmat Meahl a Mulde g'höhlet, dean "Urhalb" und en Kübel lauwarm's Wasser drzua geah, da Urhalb mit em Wasser verrührt und von links und rechts Meahl beig'mischt. Dös hat ma A'säura g'hoißa. Aus deaner Prozedur isch dr Voartoig wora, en dean d' Großmuatter mit'm Dauma drei Kreuz zoha hat, daß über d' Nacht mit deam Toig koi Schada g'schieht. Dr Trog, mit ma Tuach zuadeckt, isch so über d' Nacht en dr warma Kuche g'standa.

"Mit selberbachanam Baurabrot, bittschöa!"

Am andra Morga, en aller Herrgottsfrühah, isch d'Arbat weiterganga. No a bißle Meahl, Wasser, Salz und d' G'würz: Kümmel und Fenchel drzua, hat d'Großmuatter mit'm Kneata a'g'fange. Und zwar mit boide Händ, von links nach rechts, nau wieder umg'kehrt. Zum Dure-Kneate hat se mindeschtens a Stund braucht und eascht aufg'höart, wenn koi Toig meah an de Finger babba blieba isch. En dr Wärme isch iatz dr Toig en drei Stund zum Gära g'komma.

Inzwischa hat müassa dr Bachofa sei Hitz kriaga. Wenn dr Stoaß Fichtascheit, dean dr Großvater scho voar guate oinahalb Stund em Bachofa a'zünd't g'het hat, z'sämmabrocha g'wea ischt, hat er dia Gluatstuck gleichmäßig vertoilt, und wenn dia ausglüaht g'het hant, hat'r dia an d'Seita vom Bachofa g'kehrt.

Vom fertega Toig hat iatz d'Großmuatter a Hand voll rausg'nomma, auf dr meahliga Bachschaufel flachdruckt und auf dean "Blatz" Schnattra (g'schnittane Zwiebelröahrla) mit Salz, Kümmel, saurem Rauhm, oder verklepprate Oier g'stricha. En fenf Minuta send dia oimalig guate "Blätz" bacha und von eis Kender dr Großmuatter no warm von dr Schaufel g'rissa wora.

Höchschta Zeit zom Rausbacha von de Brotloib. D' Großmuatter hat ihre Händ en a Kübale mit ma warma Wasser tauchet, und aus'm Toig de oi'zelne Loib g'formet, dia vier bis fenf Pfund g'woga hant. A Besamle ens Zuckerwasser tunket, und mit deam über d' Loib g'stricha, daumit d' Oberseita glänzeg woara ischt und koine Riß g'kriagt hat. Zom Ei'schießa von de Loib auf dr meahlige Bachschaufel en da Bachofa hat ma Ei'loiba g'sait.

A alter Aberglaube

Niamals hat ma em Ofa d' Loib zöhla solla - a alter Aberglaube -, so'scht send se vergrauta, hant Riß g'kriagt oder send it ausbacha. Nach u'g'fähr zwoi Stund hat d' Groß-muatter mit dr Bachschaufel 's feteg Brot aus'm Bachofa g'holat und em Bachhäusle auf'm Brett ausküahla lau.

Aufg'hebt hat ma dia knuschprege Brotloib em Keller. An dr Decke send G'steller g'hanget, und en dai send dia Loib senkrecht neberanand neig'stellt wora.

Ob mei Freind Großmuatters Bach-Kunscht en meiner Schwäbischa Sprauch ganz verstanda hat, woiß i it. Auf alle Fäll hat'r nach dem Verzöhla auf'm Spaziergang dur's Dorf en Appatit g'kriagt und en a Kneipe wölla. I bi mit eahm en d'Wiatschaft. Aus dr Musik-Truhe hant Schlager pläarat, em Neabazimmer de junge Buscht Elektrisch Fußball g'spielt. Zum kalta Brauta, dean i für eis b'stellt hau, hat de jung Bedienung g'fraugat: "Mit Kartoffelsalat oder mit Brot?"

"Mit selberbachanem Baurabrot, bittschöa!" - Dös hat dös jung Mädle gar it verstanda!"

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