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13.07.2010

Schicksale, die fesseln

Krumbach Vergangenheit hautnah: Jüngst hatten die Schüler des Projektseminars Geschichte der Q 11 mit ihrer Lehrerin Monika Losher die Möglichkeit, sich Berichte von und Schicksalen von Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg anzuhören und Fragen zu stellen.

Bei den vier Gästen handelt es sich um zwei Soldaten und zwei Flüchtlinge aus dem Sudetenland, die heute in der Region ihre Heimat gefunden haben. Einer der Soldaten ist Philipp Dreher, der schon früh mit dem Nationalsozialismus in Berührung kam. Bereits in der Schule wurden die Schüler von antisemitischen Lehrplänen beeinflusst. Außerdem war er Mitglied der "Flieger-HJ" in Krumbach. Er kann sich erinnern, dass die vom NS-Regime gefärbten Nachrichten zum Kriegsbeginn meldeten, Deutschland wäre überfallen worden. Man glaubte es.

Der schwärzeste Tag

Als er 1944 als Fallschirmjäger in Belgien war, erlebte er den schwärzesten Tag seines Lebens. Im Kampf gegen die Engländer stand plötzlich ein Panzer direkt vor ihm. Doch er wurde zunächst gerettet, weil eine Panzerfaust den Panzer zerstörte. Er kehrte zum Gefechtsstand zurück, wo die Deutschen von einigen Gegnern erwartet wurden. Dreher hatte keine Chance zu entkommen und wurde mehrmals getroffen. Er lag mehrere Stunden alleine auf freiem Feld und hatte schon mit dem Leben abgeschlossen, da bemerkte ein Belgier, dass er noch lebte und holte Hilfe. Englische Sanitäter brachten ihn daraufhin ins Lazarett, wo ihm ein Bein amputiert wurde und er in britische Kriegsgefangenschaft kam.

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Eine andere militärische Karriere hat der Künstler Alfred Hennings erlebt. In Magdeburg aufgewachsen, wurde er 1939 zum Militärdienst eingezogen - fünf Tage später brach der Krieg aus. Er wurde zweimal leicht verwundet, konnte sich aber im Lazarett künstlerisch betätigen, was nicht alltäglich war. Vor Kriegsende kam er in russische Gefangenschaft.

Die beiden Schwestern Wilhelmine Bleiber und Maria Schwab wuchsen in Mährisch-Altstadt im früheren Sudetenland auf und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Tschechen vertrieben. Sie mussten alles Geld und Schmuck ablegen. Die beiden Frauen hatten Glück, denn sie schmuggelten ihr Geld im Kinderwagen der Tochter von Bleiber. Anschließend wurden sie zusammen mit 40 anderen Personen in einen Vieh-Waggon gepfercht und Richtung Deutschland abtransportiert. Auf einer achttägigen Fahrt brachte man sie über Augsburg nach Krumbach. Von dort wurden sie auf verschiedene Dörfer verteilt.

Schwab und Bleiber kamen zuerst nach Winzer, dann nach Gaismarkt. Sie wurden von den Einheimischen gut aufgenommen, lebten aber in primitiven Wohnverhältnissen. Vor allem bei den alten Leuten sei immer die Rede davon gewesen, dass man wieder zurück in die Heimat kehren würde. Doch das glaubten die beiden Frauen längst nicht mehr. Auf die Frage, wo ihre Heimat ist, sagte Schwab: "Die eine ist weg, die andere ist da." (zg)

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