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Krumbach

02.02.2019

So beschenkt Künstlerin Marianne Riß ihre Mitmenschen

Die leidenschaftliche, preisgekrönte Malerin Marianne Riß hat erst vor einigen Jahren begonnen, ihre Werke zu fotografieren. Dennoch sind schon zwei dicke Ordner voller Abbildungen entstanden, in denen auch einige der persönlich gestalteten Geburtstagswünsche für ihre Maybe-Sängerkollegen zu finden sind.
Bild: Gertrud Adlassnig

Plus Zu besonderen Geburtstagen bekommen die Chorfreunde von Marianne Riß aus Krumbach ein Kunstwerk. Mittlerweile feierte sie selbst einen runden Geburtstag.

Marianne Riß, Malerin aus Leidenschaft, beschenkt Menschen in ihrer Umgebung gern mit ihren Kunstwerken. So bekommt jedes Mitglied in ihrem geliebten Chor Maybe zum runden Geburtstag einen außergewöhnlich gestalteten Glückwunsch. Es ist keine Karte, sondern ein großformatiges Kunstwerk, einzig gestaltet für den Jubilar. „Ich kenne meine Sängerkollegen und Kolleginnen ja mittlerweile sehr gut und weiß, was wem zusagt. Und dann male ich den Glückwunsch entsprechend.“ Da gibt es Vorlieben für bestimmte Farben und auch für die unterschiedlichsten Maltechniken, die Marianne Riß in ihrem liebevollen Geschenk berücksichtigt.

Doch mit dem Bild, das sich bestens zum Rahmen und Aufhängen eignet, ist es nicht getan. „Ich suche einen Spruch, der auf die Person passt, der ihr Freude macht. Das darf nie etwas Belehrendes sein, das geht gar nicht, sondern besondere Glück- oder Segenswünsche“, die die passionierte Künstlerin in eigens dafür zugelegten Büchern findet, auf einem zweiten Blatt niederschreibt und zu einem weiteren Unikat ausgestaltet. Inzwischen haben einige der Sänger schon zwei „echte Riß“ bekommen. „Jetzt wird es allmählich schwierig, denn in den Anfängen habe ich keine Kopien der Bilder gemacht und auch nicht notiert, welchen Spruch ich ausgewählt habe. Ich muss aufpassen, dass ich keine Wiederholung produziere.“

Sie will ein persönliches Werk schaffen

Marianne Riß könnte sich die Arbeit leicht machen, wenn ein Jubiläumsgeburtstag ansteht. Sie hat einen ganzen Raum in ihrer Wohnung, der ausschließlich als Bilderarchiv und Materiallager dient. In den Schubladen und Regalen stapeln sich Gemälde, Collagen, Lithografien, Aquarelle. Die vielen kleinen „Nebenprodukte“, Kunstkarten, Gebrauchskunst, Lesezeichen, verwahrt sie im Wohnzimmer. Warum also nicht aus dem Vollen schöpfen und eines der vorhandenen Bilder hernehmen? Marianne Riß will lieber ein ganz persönliches Werk schaffen, das individuell auf den Beschenkten ausgerichtet ist. „Ich weiß, ich müsste allmählich anfangen, meine Sammlung etwas abzubauen, aber ich komme einfach nicht dazu.“

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Die mehrfach preisgekrönte Künstlerin, die sogar schon in New York ausgestellt hat und dort einen Preis abräumen konnte, hat so gar keinen Hang zur Kommerzialisierung ihrer Werke, obwohl sie gar nicht so sehr an ihnen hängt. „Wenn jemand kommt und ein Bild will, verkaufe ich es gerne, auch Bilder, die bei mir in der Wohnung hängen“, denn sie weiß, es kommen ja laufend neue hinzu, und sie alle wollen einen Platz. Da kann sie sich auch darüber freuen, wenn ihre Werke irgendwo hängen, wo sie betrachtet werden und erfreuen. Etwa in der Firma Merk in Ulm. In Kontakt mit der Firmenchefin kam sie durch eine Malerfreundin, die mit ihr die Roggenburger Malschule besuchte und bei Merk arbeitete. „So konnte ich in Ulm mehrmals Ausstellungen machen. Frau Merk kam einfach zu mir, hat Bilder ausgesucht und mit einem Transporter abholen lassen. Das war wunderbar unkompliziert. Ich habe nämlich selbst kein Auto und deshalb scheitern oftmals Teilnahmen an Ausstellungen. Im Ulm wurden dann von den Mitarbeitern zahlreiche Werke für die Firmenräume ausgewählt und vom Unternehmen angekauft.“

Ein solider Brotberuf

Solche Erfolge machen natürlich stolz und bestätigen die Künstlerin. Aber wirtschaftlich ist sie auf den Verkauf nicht angewiesen. „Obwohl ich schon als Kind gestalten wollte und kreativ war, habe ich mich für einen soliden Brotberuf entschieden. Diese Entscheidung haben meine Eltern sehr gefördert. Mein Vater war in seinem ersten Beruf Holzbildhauer, hatte sogar ein Stipendium für Oberammergau, aber das war brotlose Kunst.“ Die Krippe in der Diele erinnert an das große Talent ihres Vaters, der schließlich über mancherlei Umwege als AOK-Beamter seiner Familie wirtschaftliche Sicherheit geben konnte, denn auch die Mutter konnte mit ihrem Schneiderbetrieb trotz ungezählter Arbeitsstunden nur wenig verdienen.

Der Traum vom Kleidergestalten und das Malen besonders von Pflanzen verblich allmählich, als Marianne ans Gymnasium kam, wo sie mit der klassischen Moderne bekannt wurde und sich ihr ganz neue künstlerische Welten eröffneten. „Damals hat aber in meinem Umfeld noch niemand gewusst, wie man Künstler wird, dass man Mappen erstellen und einreichen muss.“ Marianne entschied sich für die solide Ausbildung zur Medizinischen Laborantin, wofür sie eine Schule in München besuchen und dafür auch Schulgeld zahlen musste. Zur Überbrückung, bis das Semester anfing, ging sie in die Wachsfabrik Sallinger als Kerzendesignerin. „Ich habe eine Probearbeit abgeliefert und wurde sofort genommen. Die wollten mich eigentlich auf Dauer behalten, boten mir auch an, eine Ausbildung zu machen. Aber ich habe mich dann doch für die medizinische Ausbildung entscheiden, denn bei der Kerzengestaltung war ich doch vielen wirtschaftlichen Zwängen unterworfen.“

Für die Kunst blieb zunächst wenig Zeit

Nach drei Jahren Kerzengestaltung hatte sie das Geld für ihre Münchener Ausbildung verdient. Für die Kunst blieb da nur noch wenige Zeit: Arbeit, Kind, sehr frühe Witwenschaft. „Erst mit dem Leistungskurs Kunst meiner Tochter wurde meine Leidenschaft für das Malen wieder erweckt.“ Aber erst, als sie mit ihrem späteren Lebenspartner, nach dessen Ruhestand, wieder nach Krumbach kam, fand sie Zeit, diese Leidenschaft auch zu leben. „Mein Mann hat mich in der Roggenburger Malschule angemeldet.“ Obwohl ihr Partner schon im darauffolgenden Jahr, 1986, verstarb und sie wieder Arbeiten gehen musste, hat sie sich diesen Freiraum erhalten und ihr Talent immer weiter verwirklicht.

Aus der Malschule erwuchs ein kleiner Freundeskreis, der sich regelmäßig dreimal im Jahr zu einer Intensivmalwoche in Wettenhausen trifft. Ihre Bekanntschaft zum Lithografen Josef Werner, der sie in die Kunst der Radierung einführt, ihr den Weg nach New York geöffnet hat, beschert ihr einmal im Jahr eine Kurswoche bei dem bekannten Grafiker in Prien. Die Werke, die dort entstehen, müssen zuhause sorgfältig vorbereitet werden. Das ist ziemlich stressig, verrät Marianne Riß, und auch das Malen ist körperlich anstrengend. Dennoch will sie auch mit 80 ihre Leidenschaft leben. Sie sammelt spezielle Erden auf den Äckern und ungewöhnliche Wellpappe für ihre Collagen, lässt sich Holzkisten machen, die Leinwände ersetzen, bringt mit viel Kraft und Energie Schicht um Schicht verschiedenster Materialien auf ihre Bilder auf, deren Strukturen faszinieren.

Und die Musik? „Die Musik ist mein ständiger Begleiter“ erklärt die engagierte Chorsängerin, „sie umgibt mich bei allen meinen Arbeiten. Sie ist in meinem Kopf.“

Lesen Sie hier ein Porträt über die Künstlerin:
Die Entdeckung des scheinbar Unscheinbaren

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