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29.11.2017

Stromausfall im Bürgerhaus

„Toll, wie anständig sich die Leute benommen haben“.Brettspiele kommen ohne Strom aus und überzeugen mit opulenter Ausstattung in Form von reich illustrierten Spielbrettern, schönen Karten, bunten Spielsteinen – und nicht zuletzt: der Interaktion mit den Mitspielern.
Bild: Marc Hettich

Freizeit Der Brettspieletag im Krumbacher Bürgerhaus bietet etwa 200 Besuchern Raum für gemeinsames Erleben

Krumbach Begeistert zeigt der zehnjährige Philip eine Karte. „Die ist richtig stark“, stellt er fest. Während seine Hände aufgeregt gestikulieren, funkeln die Augen unter den blonden Strähnen aufgeregt und voller Freude.

Sein Papa sitzt neben ihm und trinkt eine Tasse Kaffee im Erdgeschoss. Geschäftig präsentieren die Macherinnen des Interkulturellen Frauenfrühstücks eine große Auswahl an Selbstgebackenem. Philips Bruder und seine Mama sind im Bürgerhaus unterwegs. Langweilig dürfte es den beiden nicht werden, denn beim Stromausfall-Spieletag können die Besucher aus einer Auswahl von über 100 Brett-, Karten- und Gesellschaftsspielen wählen. Aber auch selbst mitgebrachte Spiele sind willkommen. Das gilt auch für die Magic-Karten von Philip und David Maier.

Das Publikum in allen Altersklassen zockt nicht nur komplexe Fantastikspiele. Klassiker wie Malefiz oder Mensch ärgere Dich nicht – hier in einer Riesenversion – sind ebenso dabei wie Partyspiele wie etwa Activity. Eine Gruppe Kinder verrenken sich in skurrilen Posen auf dem bunten Twister-Feld. Ein kleiner Junge nutzt die überdimensional großen Domino-Steine, um daraus ein Haus zu bauen. Und an so manchem Tisch wird unnachgiebig um jede Schäfchenkarte gefeilscht.

Siedler ist seit vielen Jahren ein sehr häufiger Gast bei Spiele-Events. Das können von sich auch Christine, Dagmar, Rita und Michaela behaupten. „Wir fahren regelmäßig zu Spieletagen, beispielsweise nach Neu-Ulm oder Memmingen“, erzählt Michaela nach dem Ende ihrer zweiten Spielrunde an diesem Tag. Die Damen kennen sich aus und probieren gerne auch mal neue Spiele. „Schön, dass es so was jetzt auch in Krumbach gibt“, freut sich Michaela. „Wir kommen gerne wieder“. Rita regt an: „Warum nicht auch mal Turniere organisieren?“

Hinter dem Spieletag stecken viele Köpfe: Birgit Baumann vom Quartiersmanagement, Johanna Herold von der Vhs, Heike Feßler vom Familienstützpunkt und Marc Hettich von Subkult haben die Veranstaltung zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Helfern auf die Beine gestellt. „Die Spiele konnten wir von der Kommunalen Jugendarbeit ausleihen“, erklärt Birgit Baumann – und freut sich über die rund 200 Besucher. Während der 29-jährige Clemens, freiwilliger Helfer aus Babenhausen, einem spielefreudigen Mädchen die Regeln von „ShoppingQueen“ erklärt, stellt Johanna Herold fröhlich fest: “Ich bin heute die Polizei“. Viel zu tun hat die Stadträtin in dieser Funktion aber nicht. „Toll, wie anständig sich die Leute benommen haben“. Stattdessen fungiert sie als Vermittlerin und versucht, Gäste die alleine kommen an Spielrunden zu vermitteln. Denn der soziale Aspekt ist bei stromlosen Spielen nicht zu unterschätzen.

Die Damenrunde hat sich inzwischen ein drittes Spiel geschnappt. Die Bandbreite des Lachens am Spieltisch reicht vom amüsierten Kichern über lautes, vielstimmiges Gelächter bis zum leicht boshaften Grinsen. Spiel bedeutet geteilte Emotion.

Wer erinnert sich nicht an die diebische Freude, die schon die Kleinsten erfüllt, wenn sie bei Mensch ärger Dich nicht Papas roten Kegel kurz vor dem Ziel vom Feld schlagen? Das gespannte Atem-Anhalten beim Ziehen der nächsten Karte. Das entsetzte Stöhnen, wenn der Risiko-Mitspieler den Nichtangriffs-Pakt bricht. Und natürlich auch der schlechte Verlierer, der wütend die Würfel in die Ecke pfeffert.

Pappmaterial, liebevoll gestaltete Miniatursoldaten und aufwendig illustrierte Spielbretter bieten vielleicht weniger Spektakel als animierte Grafiken auf dem Smartphone. Aber sie lassen mehr Raum für gemeinsames Erleben. Das Bürgerhaus ist dafür wie gemacht.

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