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Thannhausen
31.08.2021

Wie der Thannhauser Schnitzer Arnold Haiß seine Passion zum Beruf machte

Gleichsam im Schaufenster sitzt Arnold Haiß bei der Arbeit in der Werkstattecke seines Holzschnitzereien-Geschäftes.
Foto: Heinrich Lindenmayr

In der Thannhauser Bahnhofstraße gibt es ein besonderes "Schaufenstererlebnis". In der aktuellen Arbeit von Arnold Haiß steht ein Unesco-Weltkulturerbe im Mittelpunkt.

Manchem Flaneur auf der Thannhauser Bahnhofstraße bietet sich ein unerwarteter Einblick. Soeben betrachtete er noch die Auslagen der Schaufenster, jetzt schaut er in eine Werkstattecke und sieht Arnold Haiß bei der Arbeit zu. Derzeit ist das besonders interessant, denn der begeisterte Schnitzer befasst sich mit einer außergewöhnlichen Auftragsarbeit. Und dabei spielt Ägypten eine besondere Rolle.

Arnold Haiß wirkt mit an einer verkleinerten, maßstabsgetreuen Nachbildung von Abu Simbel, dem monumentalen Felsentempel in Ägypten, Weltkulturerbe der Unesco seit 1979. Die Werkstattecke nutzt Arnold Haiß in Zeiten, da keine Kunden zu bedienen sind. Das großräumige Ladengeschäft selbst bietet außergewöhnlich viel fürs Auge: Kruzifixe, geschnitzte Marien- und Heiligenfiguren, Krippen und profane Schnitzarbeiten in verschiedenen Größen und Ausführungen. Weihrauch und Spirituosen zählen zum Angebot des Geschäfts, beides findet traditionell vielfach Verwendung im Umkreis der Krippen. Und weil man zum Schnitzen ein scharfes Werkzeug braucht, gibt es im Geschäft einen Schleif- und Schärfservice.

Arnold Haiß lernte Schreiner und Zimmerer

Schon als kleiner Bub begeisterte sich Arnold Haiß für das Schnitzen. Doch Ausbildungsplätze, um solch eine Passion einmal beruflich auszuüben, gibt es in Schwaben nicht. Er lernte Schreiner und Zimmerer, ein Beruf mit Holz musste es immerhin sein. Die Lust am Schnitzen blieb und Arnold Haiß fand andere Wege, sich Kunstfertigkeiten anzueignen. Erst besuchte er Kurse für das Schnitzen von Ornamenten, dann in Oberammergau Kurse für das Figurenschnitzen.

Auch in Langeneufnach, in der Werkstatt von Ludwig Schuster, der die Marienfigur in der Fatimagrotte von Maria Vesperbild schuf, lernte er so manches hinzu. Maibaumfiguren und Feldkreuze waren die ersten Arbeiten, für die er Aufträge bekam. Das Volumen der Anfragen wuchs rasch. Es waren spezielle Wünsche von Privatleuten und Kirchenverwaltungen: Reparaturen, Ergänzungen und eigenständige Figuren, alles Arbeiten, wie sie auf dem Markt nicht zu haben sind. Viele Kunden wollen etwas ganz Individuelles, nichts „von der Stange“, und das war meine Chance, erklärt Arnold Haiß.

Die Gedanken und Wünsche der Kunden aufzunehmen und sie Gestalt werden zu lassen, das sei ihm Herausforderung und Freude zugleich. 1998 meldete er ein Nebengewerbe an. Schließlich war das Auftragsvolumen in der Freizeit nicht mehr zu bewältigen. 2003 entschied er sich zur Selbständigkeit. Heute pendelt er hin und her zwischen seiner Werkstatt zu Hause und dem Geschäft „Holzschnitzereien Haiß“ in Thannhausen.

Eine Jubiläumsgartenbank

Es ist eine vielfältige berufliche Existenz, in der das eine das andere ergänzt und stützt. Da sind die Auftragsarbeiten aus dem Bereich Figuren- und Ornamentschnitzerei, ergänzt durch den Schleifservice. Sehr abwechslungsreich und breit gestreut sind die Arbeiten: Derzeit sind es schwerpunktmäßig eine Jubiläumsgartenbank, die Mitarbeit an der Nachbildung von Abu Simbel und die Restauration von Figuren aus einer Kirchenkrippe, die Arnold Heiß auch selbst fasst. Als stimmig, dazugehörig und inspirierend empfindet er den Verkauf von Handelsware aus dem Bereich der Schnitzkunst.

Dem Einzelhandel eher schädlich ist die Corona-Pandemie. Auch Arnold Heiß erlebt sie zwiespältig. Weil er während des Lockdowns im Winter 2020 die Räume im Pilgerhaus von Maria Vesperbild nicht mehr für seine weihnachtliche Krippenausstellung nutzen konnte, mietete er die leer stehenden Räume des ehemaligen Modehauses Schrodi in Thannhausen an. Dort blieb er dann als Dauermieter, hätte aber den Lockdown nicht durchstehen können ohne das „Gloria-Wasser“. Weil er Spirituosen verkauft, die zu den Lebensmitteln zählen, konnte er sein Geschäft weiterführen. So sorgte auf Umwegen ein schwäbischer Brauch dafür, dass ein Leerstand an einer empfindlichen Stelle von Thannhausens Geschäftswelt vermieden werden konnte.

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