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Konzert

08.10.2013

Ungeheurer Einfallsreichtum

Die Uraufführung eines Trompetenkonzerts, komponiert von Wolfram Seitz und eine Improvisation über „Lobe den Herren“ waren Höhepunkte eines Konzerts für Trompete (Jürgen Steber) und Orgel (Wolfram Seitz) in der Stadtpfarrkirche Thannhausen. Beim Notenumblättern Josef Seitz.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Wolfram Seitz begeisterte nicht nur mit Eigenkomposition

Thannhausen Vergleiche schärfen das Urteilsvermögen. Im Konzert von Wolfram Seitz (Orgel) und Jürgen Steber (Trompete) in der Stadtpfarrkirche von Thannhausen hatte fast jeder Programmteil sein Gegenstück. Dem einleitend eleganten „Air de Trompete“ von Telemann entsprach das finale „Cornet“ von Heron. Vergleiche regten auch die beiden Menuette von Clarke und Zöschinger an, die Trompeten-Konzerte von Albinoni und Seitz, Bachs Präludium und Fuge in a und John Rutters „Toccata in seven“. Und auch zwischen der Hirtenszene von Messaien und Zaunschirns „Meditation über ’Jesu meine Freude’“ lassen sich Beziehungen aufbauen.

Improvisation über „Lobe den Herren“

Wie ein einsamer Block ragte aus all dem Wolframs Seitz’ Improvisation über „Lobe den Herren“ heraus. Erneut beeindruckte der junge Organist mit seinem schier unbegrenzten Einfallsreichtum, der aber stets den engen Kontakt zum Thema wahrte. Mal unterfütterte Seitz das Thema mit barocker Klangfülle, mal bettete er es wie in ein schwingendes Pendel ein. Mal entwarf er ein feines Gespinst asiatisch anmutender Töne und ließ darin die Melodie langsam aufsteigen, mal war es ein warmer und weicher Klangteppich, aus dem die beschleunigte Melodie wuchs. Mal durfte die Melodie sprudelnd, dann wieder fugenhaft sich entfalten, mal übernahm sie der Cantus firmus mit aller Wucht. Es war, als würde der Aufruf, den Schöpfer zu loben, über viele Stilformen, Zeiten und Kulturen hinweg getragen und immer wieder erneuert.

Ungeheurer Einfallsreichtum

Fantasie und Können paarten sich auch in Wolfram Seitz’ „Trompetenkonzert in F“, das in diesem Konzert erstmals zu hören war. Gerade im Vergleich mit dem barocken Gegenstück von Albinoni profilierten sich die Unterschiede in der Klangsprache. Seitz nutzte geschickt die größere Bandbreite dessen, was die Moderne noch als harmonisch zu akzeptieren bereit ist. Das Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Orgel und Trompete gestaltete er frecher und freier, die Trompete schickte er in Weiten vor, wie sie die engen Melodiebögen einer barocken Komposition nicht zulassen. In der Kadenz am Ende des ersten Satzes durfte die Trompete die Melodie gleichsam in atomare Bruchstücke zerlegen. Bei aller Freude daran, mit dem zu experimentieren, was die Moderne an erweitertem Formen- und Klangrepertoire bietet, Wolfram Seitz beleidigte keines der Ohren seiner Zuhörer. Seine „Moderne“ lässt sich mit Genuss hören.

Dass in einem Konzert das entzückende Menuett des aus Burtenbach stammenden Komponisten Ludwig Zöschinger aufgeführt wurde, dieses dann in enger Nachbarschaft zur jazzigen Toccata von Rutter stand und der Hörer sich auch in die Geheimnisse der Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten, vertont von Messiaen, hineinfinden konnte, das war dem universalen Können, der phänomenalen Bandbreite und Beweglichkeit sowie dem blinden gegenseitigen Verstehen dieser beiden Musiker geschuldet. (hli)

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