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Oberegg/Ursberg

06.08.2017

Zwei Lamas prägen das Oberegger Ortsbild

Die beiden Lamas gehören mittlerweile zum Oberegger Ortsbild. Von links Jakob, Wolfgang, Sophie und Steffi Konrad mit Lima und Emil.
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Die beiden Lamas gehören mittlerweile zum Oberegger Ortsbild. Von links Jakob, Wolfgang, Sophie und Steffi Konrad mit Lima und Emil.
Bild: Markus Landherr

Über ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk und warum es ein Glücksfall für das Ursberger Förderzentrum ist.

„Oh, sind die süß!“, war Steffi Konrads erste Reaktion, als sie auf ihrer Hochzeit plötzlich zwei Lamas gegenüberstand. Diese waren jedoch nicht Teil einer Showeinlage, sondern das Hochzeitsgeschenk ihres Trauzeugen Markus Rothermel und ihrer Freunde. „Dann habe ich gedacht, was machen wir denn mit denen?“, erinnert sie sich.

Die erste leichte Überforderung verflog jedoch sehr schnell, leben Steffi Konrad und ihr Mann Wolfgang doch in direkter Nachbarschaft von dessen elterlichem Bauernhof. „Unsere Familie hat seit 350 Jahren Erfahrung mit Tieren. Zwei Lamas fallen da nicht so ins Gewicht, Weideflächen haben wir genug“, schmunzelt Wolfgang Konrad. Wenngleich sich die Haltung von Kühen, die die Konrads auf ihrem Bio-Hof in Oberegg beherrschen, durchaus von der Lamahaltung unterscheidet.

Aus diesem Grund besuchten Wolfgang und Steffi dann auch gleich ein eintägiges „Lama-Seminar“ in München und lernten dabei allerhand über ihre neuen Mitbewohner Lima und Emil. Zum Beispiel, dass Lamas nicht zu energiereiches Futter bevorzugen und die weiblichen Tiere in der Rangordnung höher stehen als ihre männlichen Kollegen.

Zehn Jahre ist das jetzt her. Zur Familie haben sich mittlerweile der sechsjährige Jakob und die fünfjährige Sofie gesellt und auch die freuen sich über die beiden Lamas. „Jakob hat Lima und Emil schon als Einjähriger aus dem Kinderwagen geführt“, erinnert sich Steffi Konrad. Sophie und ihr Bruder gehen gerne mal eine Runde mit den beiden spazieren – an der Leine natürlich. „Lamas sind sehr gutmütige und sensible Tiere und auch für Kinder gut geeignet“, sagt Wolfgang Konrad.

Deswegen habe man sich damals auch für Lamas als ja doch eher ungewöhnliches Hochzeitsgeschenk entschieden, erinnert sich Trauzeuge Markus Rothermel: „Die Tiere sollten zu Wolfgangs Beruf passen.“ Als Sonderpädagoge begleitet dieser Kinder und Jugendliche mit Behinderung am Ursberger Förderzentrum des Dominikus-Ringeisen-Werks. Dort ist er in einer Stütz- und Fördergruppe tätig. Das heißt, seine Kollegen und er nehmen einzelne Schüler stundenweise aus dem regulären Unterricht heraus und bieten eine zusätzliche Förderung an. „Die Zielsetzung ist beispielsweise, soziale Kompetenzen zu stärken oder Aggressionen abzubauen“, sagt Konrad. Dafür seien die Lamas perfekte Partner.

Jeden Donnerstag ist „Lama-Tag“

Schulleiter Konrad Bestle musste damals nicht lange nachdenken, als Wolfgang Konrad ihm von seiner Idee erzählte, die Lamas mit in die Schule zu bringen. Und so ist jeden Donnerstag „Lama-Tag“ am Ursberger Förderzentrum. „Die Schülerinnen und Schüler lernen im Umgang mit den Tieren, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Sie lernen beispielsweise das Halftern, Striegeln oder Füttern von Lima und Emil und führen es dann zuverlässig alleine durch.“

Da Lamas ehrlich und unvoreingenommen gegenüber Menschen reagieren, können Schüler im Umgang mit ihnen ihre sozialen Kompetenzen ausbauen. Bei Kommunikationsschwierigkeiten könne das Tier auch eine Art Vermittlerrolle einnehmen, so Wolfgang Konrad.

Für die Schülerinnen und Schüler ist es natürlich ein ganz besonderer Termin, wenn Wolfgang Konrad jeden Donnerstag mit seinem Transportanhänger zur Schule kommt. Antonio und Bene übernehmen gerne die erste Schicht und helfen beim Ausladen und Striegeln der Tiere. Dann steht auch ein kleiner Spaziergang mit Lima und Emil an. Manchmal begegnen sie dabei auch staunenden Spaziergängern, die dann etwas über die aus Südamerika stammenden sogenannten „Neuweltkamele“ wissen wollen – und die Schüler können sie ein wenig aufklären.

Dass die beiden Lamas dabei „spucken“ – davor müssen sich die Schülerinnen und Schüler übrigens nicht fürchten, denn Lamas tun dies im Regelfall nur untereinander. Für die Schüler ist ein solcher Spaziergang natürlich das Highlight des Tages und „viel besser, als normaler Unterricht“.

Auch für Familie Konrad sind Lima und Emil etwas ganz Besonderes und nicht mehr wegzudenken. Und für Sohn Jakob ist klar: „Ich möchte später mal Landwirt werden und den Hof übernehmen.“ Für die Zeit bis dahin hat er schon weitere Pläne. Neben den Lamas fände er auch Ziegen spannend, sagt er schmunzelnd. Auf der Weide wäre jedenfalls noch Platz, wer weiß, vielleicht gibt es dann irgendwann auch einen Ziegentag am Ursberger Förderzentrum.

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