Newsticker

DIHK: 40 Prozent der Betriebe im Reise- und Gastgewerbe akut von Insolvenz bedroht
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. Ein renommierter Regisseur inszeniert in Augsburg Schwejk

Uraufführung

20.02.2020

Ein renommierter Regisseur inszeniert in Augsburg Schwejk

Armin Petras inszeniert erstmals in Augsburg.
Bild: Foto: Marijan Murat, dpa

Plus Der Regisseur Armin Petras hat einen Abend rund um die legendäre Schwejk-Figur geschaffen – mit Brecht, Jaroslav Hašek und einem neuen, eigenen Zugriff.

Gesprochen wird im Stakkato, zu erzählen gibt es einiges. Der renommierte deutsche Regisseur Armin Petras inszeniert gerade mit dem Staatstheater Augsburg und den Städtischen Bühnen Prag einen Schwejk-Abend. Wobei Schwejk-Abend so klingt, als ob es in Heinz-Rühmann-Manier ein lustiger, leicht rührseliger Schwank werden könnte. Aber Petras und die tschechische Autorin Petra Hůlová haben in Augsburg anderes im Sinn.

Zum einen – es ist der Beitrag des Staatstheaters Augsburg zum Brechtfestival – wird es an diesem Abend um Brechts Beschäftigung mit Jaroslav Hašeks „Schwejk“ gehen. „Von 1927 bis zu seinem Tod hat sich Brecht mit dieser Figur auseinandergesetzt“, sagt Petras. Aber Brecht sei es selbst nicht gelungen, ein ihn zufriedenstellendes Stück zu schreiben. Uraufgeführt wurde es erst nach seinem Tod. „Was heißt, dass Brecht selbst mit dem Ergebnis nicht zufrieden war“, sagt Petras.

„Bert Brecht war ein Edelproletarier“

Genau da setzt der Regisseur mit seiner Inszenierung an. Für ihn konnte Brecht diesen Schwejk nicht fassen, weil er mit Hašeks proletarischem Anarchismus wenig anfangen konnte. „Brecht war ein Edelproletarier, einer, der Arbeiterkleidung vom Maßschneider trug“, sagt Petras. Die Schwejk-Figur sei ihm deshalb fremd geblieben.

Ein renommierter Regisseur inszeniert in Augsburg Schwejk

Der Vorlauf für den Schwejk-Abend von Petras und Hůlová betrug gut anderthalb Jahre. Für das Staatstheater Nürnberg haben beide schon einmal – ebenfalls mit den Städtischen Bühnen Prag – zusammengearbeitet. Seitdem verfolgten sie die Idee, etwas über Hašeks Schwejk auf die Bühne zu bringen. Als André Bücker dann Petras das Angebot unterbreitete, die Brechtfestival-Inszenierung des Staatstheaters zu übernehmen, fügte sich alles.

Auch für diese Produktion arbeitet Petras in Koproduktion – mit Schauspielern aus Prag und Augsburg. Gesprochen wird auf Deutsch und Tschechisch (mit Übertiteln), geprobt wurde sowohl in Augsburg als auch in Prag. Nach der Augsburger Uraufführung geht es wieder nach Prag, um die Inszenierung für die wesentlich kleinere Bühne dort anzupassen – in einer weiteren Probenwoche.

Während der Arbeit fiel Petras erst auf, wie wenig über den Schriftsteller Jaroslav Hašek bekannt ist. Er kam im Ersten Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft, wurde danach Teil der Roten Armee. Petras und Hůlová und die an der Produktion beteiligten Dramaturgen fanden heraus, dass Hašek 1920 in Omsk ein Theaterstück „Der Kapitalismus darf nicht siegen. Kugeln über Ohio“ schrieb. Aber nirgendwo konnten sie auch nur eine Seite des Stücks finden. „In dieser Biografie gibt es viele weiße Seiten zu füllen“, so Petras. Er wünscht sich einen angehenden Slawisten, der ein paar Forschungsjahre investiert, um mehr über diesen schon im Alter von 39 Jahren gestorbenen Schriftsteller zu erfahren.

Ein Schwejk-Abendin drei Teilen

In Augsburg möchte Petras weder Brechts Stückversuch noch Hašeks Schwejk inszenieren, sondern dem Publikum Material präsentieren. Die gestalterische Idee: ein Triptychon, ein dreiteiliger Abend. Der erste Teil handelt von Brechts Beschäftigung mit dem Schwejk-Stoff, der zweite von Hašek und Schwejk – in Form von sieben Video-Essays, die in Prag für die Inszenierung gedreht wurden. Der dritte Teil stammt von Hůlová und geht der Frage nach, wie ein Schwejk heute beschaffen sein sollte. Auf die Bühne gebracht wird das in Form eines Castings, an dem zusätzlich 20 Laienschauspieler mitwirken. Damit das am Ende auch funktioniere, sei der Abend deutlich kürzer als die üblichen dreieinhalb Stunden, in denen Petras sonst seine Stoffe und Stücke auf die Bühne bringt. Die einzelnen Teile müssten so deutlich und klar sein, dass sie wechselweise auf die anderen wirken. Der ganze Abend dauere knapp eindreiviertel Stunden.

Für das Publikum hat Petras dann auch noch einen Rat parat: Hašek selbst lesen. Im Buch begegnet einem nicht nur ein volkstümelnder, sondern gleichzeitig ein anarchistischer und ein komischer Schriftsteller, einer, der einen typischen Verlierer zum Helden macht.

Mehr über das Brechtfestival 2020 lesen Sie in folgenden Artikeln:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren