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12.11.2020

Er schuf die Bilder zur "Heimat": Kameramann Gernot Roll gestorben

Gernot Roll im Jahr 2015 bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises.
Bild: Ursula Düren, dpa (Archiv)

Gernot Roll war einer der Großen in seinem Metier. Unvergessen ist er vor allem durch seine Arbeit für die Film-Epen von Edgar Reitz. Nun starb er mit 81 Jahren.

Die Reihe der Filme, bei denen er die Kamera führte – deutsche Filme durchweg –, ist illuster. Große Dokudramen von Heinrich Breloer etwa, „Die Manns“ und „Speer und Er“, dazu „Buddenbrooks“ und zuletzt „Brecht“. Komödienklassiker auch wie Sönke Wortmanns „Kleine Haie“ und „Der bewegte Mann“ und von Helmut Dietl die Schickeria-Farce „Rossini“. Charlotte Link natürlich, für die er bei „Jenseits der Stille“ die Kamera verantwortete, wie auch beim Oscar-Gewinner „Nirgendwo in Afrika“.

Womöglich am eindrucksvollsten aber hat Gernot Roll seine Kunst in Filmen von Edgar Reitz entfaltet, in dem vielteiligen „Heimat“-Epos. Wie Roll da in Teil 1 den Aufbruch einer archaisch-dörflich geprägten Welt in die Moderne, wie er die Erstbegegnung mit Radio, Auto und Flugzeug mal in Schwarz-Weiß, mal in Farbe visualisierte; wie er in der „Zweiten Heimat“ die Münchner Bohème so nachkriegsblass wie lebensdurstig leuchten ließ; vollends, wie er in „Die Andere Heimat“ mit seinen Totalen erneut den Hunsrück zum Sehnsuchtsort machte, den die Bewohner, perspektivlos, wie sie im 19. Jahrhundert waren, doch zurücklassen müssen: Das sind Kompositionen, die sich unauslöschlich eingeprägt haben ins Bildgedächtnis des deutschen Films.

Gernot Roll war nicht für fürs gehobene Kino zu haben

Gernot Roll war ein gebürtiger Dresdner, 1939 kam er dort zu Welt. Mitte der 50er Jahre durchlief er in der DDR eine Ausbildung zum Kameramann in den Babelsberger DEFA-Studios. 1960 ging er in den Westen und fand Arbeit in München bei der Bavaria Film, für die er in vielen Dutzend Produktionen hinter der Kamera stand. Schon bald schätzten ihn namhafte Regisseure und Regisseurinnen.

Aber Roll verstand sich nicht nur auf gehobenes Fernsehen und Kino, er konnte auch anders. Vor allem, wenn er nicht nur hinter, sondern zugleich vor der Kamera stand. So wie in „Ballermann 6“, einem Streifen mit Gags aus der untersten Schublade. Bernd Eichinger habe ihn dazu überredet, ließ Roll dazu verlauten, legte aber noch mit einer Reihe von Flachfilmen nach. Offensichtlich gehörte er zu denen, die zwischendurch mal ein Kontrastprogramm brauchten.

Das ändert nichts daran, dass Gernot Roll zu den großen Bildgestaltern – ein Begriff, den er und Reitz für die „Heimat“ wählten – des deutschen Films gehörte. Am Donnerstag ist er, den Angaben seiner Familie zufolge nach schwerer Krankheit, im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

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