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Porträt

18.06.2018

Gabalier am Gipfel

Und wieder war das riesige Oval des Münchner Olympiastadions am Samstagabend beim Volks-Rock’n’Roller mit 70000 Zuschauern ausverkauft.
Bild: Martin Hangen

Was lange unvorstellbar schien, gelingt ihm nun in Serie: Im dritten Jahr schon feiert ein ausverkauftes

Natürlich ist das auch Koketterie. Aber als Andreas Gabalier am Tag vor der dritten Auflage seiner „größten Volks-Rock-’n’-Roll-Show der Welt“ im Münchner Olympiastadion vor die Presse tritt, zieht er den Vergleich doch. Wie in den beiden Vorjahren ist das riesige Oval ausverkauft, und zwar seit vielen Monaten – wenn der 33-Jährige aus der Steiermark so weitermacht, wird er schon in absehbarer Zeit zu den Rekordhaltern aufschließen, zu: den Rolling Stones. 2024 könnte es so weit sein – im bisherigen Rhythmus – mit Nummer neun, wenn alles so weitergeht. Aber wird es das?

Nun wird es mal nicht wenige geben, bei denen diese potenzielle Augenhöhe zwischen dem „Steirer Bergbauernbuam“ und den globalen Rockikonen Unwohlsein auslöst. Aber mit der Marke des Volks-Rock’n’Roll, Hits wie „I sing a Liad für di“ und „Hulapalu“ und dem Bekenntnis zu Lederhose und Rot-weiß-Karo, Dirndl und Dahoam hat Gabalier unleugbar einen solchen Erfolg, dass er zumindest die deutsche Poplandschaft verändert hat.

Während es wieder 70000 Zuschauer sind, die an diesem Samstag ins Münchner Stadion strömen, steht sein neues Album bereits die zweite Woche auf Platz eins der Hitparade. Abertausende Karten für die Hallentournee im Winter sind bereits verkauft. Längst nicht mehr nur die bunten Blättchen sind gierig auf solche Meldungen: dass Gabalier aus seinem Glauben Kraft schöpft, zu seiner inzwischen fünf Jahre währenden Beziehung steht, aber noch nicht bereit für Kinder ist, dass er als seine Vorbilder genauso Arnold Schwarzenegger mit dessen diszipliniert erarbeitetem Erfolg wie seine Oma mit ihren traditionellen Werten ansieht. Und auch der Vorverkauf für 2019 hat bereits begonnen: Da feiert der Volks-Rock’n’Roller zehnjähriges Karrierejubiläum und wird dabei ganze acht Riesenarenen in Deutschland bespielen – natürlich auch wieder München, ganz sicher ausverkauft, Nummer vier.

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Und so nimmt die Koketterie denn auch ihren Lauf, als der Steirer an diesem Abend auf die Bühne tritt und auf den Videowänden der berühmteste Hügelzug der Welt erscheint, ihn statt des Schriftzugs „Hollywood“ jedoch in Großbuchstaben „Gabalier“ ziert. Tatsächlich aber folgt die Masse diesem volkstümlichen Popstar in den dann folgenden knapp drei Stunden Programm beglückt in jede Stimmung.

Es herrscht Enthusiasmus, wenn er seine größten Hits auch zweimal spielt – und „Hulapalu“ dann noch (statt „hodi-hodi-hodi-hoooodi-he“ mit „Jogi-Jogi-Jogi-Joooogi-Löw!“) in einer Promo-Aktion vor Live-Publikum als Glücksgruß an die deutschen Fußballer bei der WM präsentiert; und da reiht sich dann ebenso der neue Stimmungskracher nahtlos ein, mag er auch so originell sein wie sein Titel, „Hallihallo“. Es herrscht Oktoberfest-taugliche Ausgelassenheit, wenn er mit Songs wie „Zuckerpuppen“ oder auch „Kaiserjodler“ samt irrwitziger Reime („Kawumm-Dideldum“) zum Trachtentanz auffordert. Es herrscht Rührung, wenn er in „Horizont“ an die vor eineinhalb Jahren gestorbene Oma und in „Amoi seg’ ma uns wieder“ an die durch Selbstmord verlorenen Familienmitglieder erinnert. Also Zweifel, dass das so weitergehen könnte, keine?

Doch, und interessanterweise kommen die von Andreas Gabalier selbst. Der nämlich sagt mitten hinein in diesen für ein solches Konzert perfekten Sommerabend, dass er nun „an dem Punkt in einer Karriere stehe, wo man sich fragt, wie’s weitergehen soll“. Beim Bergbauernbuam sei der Vergleich gestattet: Wenn sich einer hier – spätestens mit der Aussicht auf den Riesenauftrieb zum Zehnjährigen – auf dem Gipfel angekommen fühlt, kann es von da an eigentlich nicht nur noch bergab gehen? Also: Was soll noch kommen? Während die Zuschauer mit ihren Reaktionen immer mehr vom immer gleichen fordern, wird Gabalier von seinem Kumpel Schwarzenegger diese Weisheit übers Unterhaltungsgeschäft kennen: Oben zu bleiben ist schwieriger als hoch zu kommen – auch weil die Arbeit daran, das Abarbeiten an den eigenen Erwartungen und denen der anderen mühsamer ist.

Wie die Selbstverherrlichung, scheint jedenfalls auch der Zweifel nicht bloß Koketterie zu sein. Gegen Ende des Konzerts gesteht der Sänger, der in der Showmitte strahlend in die Kameras sprach, ihm seien „Freude und Geselligkeit ins Gesicht geschrieben“, dass er den ganzen Abend mit Schmerzen kämpfen musste, nachdem er sich vor vier Wochen bei einem Werbetermin am Kopf verletzt hatte. Und überhaupt, wie er am Tag vor dem Konzert auch schon eingesteht: Das alles koste „sehr viel Energie und Kraft“. So stößt Gabalier zwar außen noch an keine Grenzen, auch Neuerungen wie der so gar nicht mehr volkstümliche Titelsong des neuen Albums stoßen auf Begeisterung. Aber innen bekommt er sie zu spüren. Und deutet bereits jetzt eine Pause für das Jahr 2020 an. Dann könnte er frühestens 2025 mit den Rolling Stones gleichziehen.

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