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Contra-Kommentar
30.08.2020

Wegen Corona Fest-Einladungen absagen? Nein!

Wollen wir wirklich, dass unser Leben, auch unser Sozialleben, zu einem verkniffenen Hygienekonzept zusammenschrumpft?

Wer ist denn jetzt überhaupt so verrückt und veranstaltet eine Feier? Ist in Corona-Zeiten nicht jede Einladung bodenloser Leichtsinn und eine Zumutung an sich? Ja, wir leben in Zeiten, in denen zur staatsbürgerlichen Pflicht und mitmenschlichen Tugend erklärt wird, sich aus dem Weg zu gehen und auf Abstand zu bleiben. Parole Nummer Sicher wird uns ja mantrahaft eingetrichtert: Bloß nicht infizieren! Jedem und jeder und allen misstrauen – und sich selbst auch!

Dabei sind wir ja doch jeden Tag mit Situationen konfrontiert, in denen es abzuwägen gilt, was geht, was eher nicht und was gar nicht. Oft gerät man zwangsläufig und ganz alltäglich in vermeintliche „Gefahrenlagen“, zu denen man eben nicht freundlich eingeladen ist. Zugfahrten. Busfahrten. Tramfahrten. Warteschlangen. Einkäufe. Achtstundentage am Arbeitsplatz. Restaurantbesuche. Gemeinsam Finale anschauen. Auf alles verzichten? Wäre die letzte Konsequenz dann nicht, sich gleich in immerwährende Quarantäne abzumelden? Aber wollen wir wirklich, dass unser Leben, auch unser Sozialleben, zu einem verkniffenen Hygienekonzept zusammenschrumpft?

Wer Freunde einlädt, will ihnen sicher nichts Böses

Gerade private Einladungen, die ja immer auch ein Vertrauensverhältnis implizieren, sind ein Gegengift gegen zersetzende Furcht, Verunsicherung und zwanghaftes Misstrauen untereinander. Wer Freunde einlädt, will ihnen sicher nichts Böses. Wenn Gastfreundschaft und persönliche Gesten der Zuwendung jetzt reihenweise durch prophylaktische Absagen abgewürgt werden, geht etwas kaputt, das später nicht einfach so wieder zu reparieren sein wird. Wer Einladungen ausschlägt unter Verweis auf Corona, dem ist jetzt geheischtes Verständnis zwar sicher. Aber die Verlustrechnung könnte noch bitter ausfallen.

Lesen Sie dazu auch den Pro-Kommentar von Wolfgang Schütz

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