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Interview

20.04.2019

Inselmakler Farhad Vladi verrät, was Promis wollen

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2 Bilder
Farhad Vladi arbeitet als Inselmakler.
Bild: Vladi Private Islands

Farhad Vladi verkauft Eilande an Privatleute weltweit. Er erzählt, wo man am meisten für sein Geld bekommt – und wie Richard Branson sein Geschäft ankurbelte.

Herr Vladi, wie reich muss ich sein, um mir eine eigene Insel zu kaufen?

Farhad Vladi: Gar nicht so reich. Ich hatte vor drei Jahren zum Beispiel einen Tischler als Kunden. Ich weiß zwar nicht, was er genau verdiente, aber er war bestimmt nicht wohlhabend. Er hat sich in Kanada für 50.000 Euro eine Insel gekauft und hat mit eigenen Händen ein Haus dort gebaut. Das hat noch mal etwa 30.000 gekostet. Also hat er für 80.000 Euro eine eigene Insel mit Haus erworben. Das ist schon ein Traum.

Aber das ist ja nicht die Regel, oder?

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Vladi: Meine Kunden kommen vor allem aus dem gehobenen Mittelstand oder gehören zu den Armreichen. Richtig reiche Menschen haben noch mal ganz andere Ansprüche. Meine Kunden sind alle sehr mit der Natur verbunden. Das sind eher Tiefstapler als Hochstapler. Sie wollen mit der Natur eins sein und suchen einen Rückzugsort.

Haben Sie denn schon mal Kunden abgewiesen, die eine Privatinsel gar nicht zu schätzen wissen?

Vladi: Ja. Industrielle Kunden mag ich gar nicht. Solche, die die Insel in 20 Einzelgrundstücke aufteilen und einzeln verkaufen wollen. Das ist der Tod der Insel. Ich hatte auch mal einen Interessenten, der eine Insel gesucht hat, um darauf ganz besonderen chemischen Müll zu entsorgen. Diese Leute brauche ich nicht. Nur Privatleute, die das wirklich zu schätzen wissen.

Und wie viel müssen diese Kunden dann für eine Insel zahlen?

Vladi: Die Spannweite reicht von 50.000 bis 35 Millionen Euro. 35 Millionen, das kommt vielleicht einmal in der Dekade vor. Das ist mir bisher vielleicht zwei oder drei Mal überhaupt passiert. Etwa 90 Prozent des Geschäftes spielen sich zwischen 150.000 Euro und zwei Millionen Euro ab.

Was verdienen Sie dann an einem Verkauf?

Vladi: Das läuft über ortsübliche Provisionen, wie bei jedem anderen Immobilienmakler auch. Sie liegen so zwischen drei und fünf Prozent.

Und wie groß sind dann diese Inseln?

Vladi: Unser Angebot beginnt bei etwa einem Hektar, also 10.000 Quadratmetern. Ich rate meinen Kunden: Kleinere Inseln sollte man nicht kaufen, weil man dann zu sehr exponiert ist. Nach oben reicht das Angebot bis zu 10.000 Hektar. Wenn die Insel zu groß ist, verliert man den Überblick. Ich finde, eine vernünftige Größe liegt so zwischen 25 und 1000 Hektar.

Was für Inseltypen gibt es denn?

Vladi: Ich unterscheide zwei Arten. Da gibt es einmal die Qualitätsinseln, bei denen alles stimmen muss: nicht weit vom Festland entfernt, super Vegetation, Infrastruktur, bewohnbar. Von solchen Inseln gibt es immer weniger. Sie werden aufgekauft und die Leute wollen sie ihr Leben lang behalten. Die Inseln sind ein Teil der Familie, wie ein drittes Kind. Das Letzte, was sie je verkaufen würden.

Und die anderen?

Vladi: Das sind die Abenteuerinseln. Sie sind isolierter, weiter draußen, auch wunderhübsch, juristisch alles in Ordnung. Allerdings braucht man mehr Mut dafür.

Was macht für Sie den Reiz aus, eine eigene Insel zu besitzen?

Vladi: Der Reiz ist einer, den ich selbst erlebt habe. Ich besitze seit 30 Jahren eine eigene Insel in Neuseeland. Es gibt keine Insel, die aussieht wie die andere. Sie sind sehr individuell geprägt. Von der Natur, vom Wind, von den Strömungen. Wer eine Insel kauft, möchte aus der Zivilisation heraus. Man hat keine Nachbarn mehr, nur das Wasser. Sie haben einen Kontrahenten – und das ist die Natur, der Sie sich unterordnen müssen. Das tun Sie ganz schnell und finden das auch sehr schön. Auf meiner Insel ist die Natur die Animation.

Wie viele Inseln gibt es denn auf der Welt zu kaufen?

Vladi: In meinem Büro habe ich ein Archiv mit 12.000 privaten Inseln weltweit. Die sind aber nicht alle zu verkaufen, viele davon sind bereits in Privatbesitz.

Und in Deutschland? Gibt es hier momentan ganz gefragte Inseln auf dem Markt?

Vladi: Das Problem in Deutschland ist, dass die Bundesländer oft das Vorkaufsrecht haben. Und davon haben sie in der Vergangenheit immer Gebrauch gemacht, sobald eine Insel auf dem Markt war.

Was ist denn in Europa begehrt?

Vladi: Mit Sicherheit das Mittelmeer. In Spanien und Frankreich gibt es die höchsten Preise. Und auch in der französischen Bretagne.

Kann ich überall auf der Welt eine Insel kaufen?

Vladi: Es gibt Staaten wie Russland oder China, die erlauben es nicht, dass Ausländer Inseln kaufen. Dann gibt es Länder wie Frankreich, Dänemark und Irland, da sind Sie völlig frei. Und dann gibt es Staaten wie Australien oder Neuseeland, die nachfragen, was Sie mit der Insel machen wollen. Wichtig ist vor allem, dass die Insel bewohnbar ist. Ich habe zum Beispiel ein oder zwei in Alaska im Angebot, aber die werden sehr schlecht zu verkaufen sein. Genauso wie Inseln, die schwer zu erreichen oder wo die klimatischen oder politischen Verhältnisse problematisch sind.

Kann man denn eigentlich auch Inseln mieten?

Vladi: Ja, natürlich. Ich werde nie vergessen, wie Richard Branson mich vor 20 Jahren bat, seine Insel zur Vermietung auszuschreiben. Ich dachte: Wenn ich das tue, dann kauft in der Gegend keiner mehr eine Insel. Das ist Selbstmord für mein Geschäft. Aber ich habe schnell dazugelernt und festgestellt, dass das die Inselbegeisterung nur noch mehr erhöht.

Als Inselmakler muss man sich weltweit richtig gut auskennen, oder?

Vladi: Das ist richtig. Ich kann schon sagen, dass ich die meisten Inseln in meinem Portfolio selber gesehen und fotografiert habe.

Wie viel Zeit verbringen Sie im Büro und wie viel sind Sie unterwegs?

Vladi: Eigentlich 50:50. Ich organisiere meine Termine aber anders als Immobilienmakler. Ich kann ja nicht jeden Tag einmal auf die Bahamas reisen. Und ich kann nur an einem Ort auf der Welt gleichzeitig sein.

Außerdem sind Sie zugelassener Gutachter am Obersten Gerichtshof in den USA und Kanada. Was machen Sie da genau?

Vladi: Ein Beispiel: Es gab mal einen Fall in Irland, da hatte ein Amerikaner eine Insel gekauft und die Frechheit besessen, historische Bauten und Relikte darauf abzureißen. Das war respektlos. Die Iren waren zu Recht stinksauer und haben den Amerikaner enteignet. Dafür musste der Amerikaner aber eine Ausgleichszahlung bekommen. Für dieses Wertgutachten wurde ich vom irischen Staat bestellt. Ich schätze also den aktuellen Wert der Insel ein.

Zur Person

Der 74-jährige Farhad Vladi wurde in Hamburg geboren, besitzt aber die kanadische Staatsbürgerschaft. 1971 verkaufte er seine erste Privatinsel auf den Seychellen. 1986 gründete er seine Firma Vladi Private Islands in Hamburg. Mittlerweile hat er schon mehrere Bücher mit eigenen Fotografien herausgegeben. Zum Beispiel „The World of Private Islands“ (teNeues, 220 Seiten, 49,50 Euro).

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