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Landsberg

03.10.2019

100 Jahre in Landsberg: So feiert der Gesangverein Frohsinn

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2 Bilder
Ein Foto aus alten Zeiten zeigt den gemischten Chor des Gesangvereins Frohsinn aus Landsberg im September 1949 bei einem Sängertreffen in Schongau.
Bild: Christian Schmid

Plus Der Gesangverein Frohsinn Landsberg wurde in politisch bewegten Zeiten gegründet. Was zum Jubiläum geplant ist.

„Für mich ist der Verein ein Stück Heimat“, sagt Rudolf Weigel, der seit 1996 Mitglied im Gesangverein Frohsinn Landsberg ist. Mittlerweile ist es 100 Jahre her, dass der Verein gegründet wurde. Zur Feier des Jubiläums findet am Samstag, 5. Oktober, ein Konzert im Pfarrsaal Mariä Himmelfahrt in Landsberg statt. Dort blicken die Mitglieder auf eine spannende, von Höhen und Tiefen durchzogene Vereinsgeschichte zurück.

Der Gesangverein Frohsinn wurde 1919 als Arbeitergesangverein gegründet, erzählt Weigel, der auch „Jubiläumsbeauftragter“ ist. Und der Verein sei ein Ergebnis der revolutionären Umwälzungen am Ende des Ersten Weltkriegs: Der Männerchor Gemütlichkeit, der 1872 gegründet wurde, habe keine Arbeiter aufgenommen, die somit eine andere Gelegenheit zum Singen gesucht hätten. „Der Verein Frohsinn wurde auch der rote Verein genannt“, sagt Weigel. Die Fahne wurde 1925 eingeweiht. Drei Jahre später hatte der Gesangverein einen Auftritt im Stadttheater. Laut der Vereinschronik kam der Auftritt gut beim Publikum an. Es sei der „kulturelle Durchbruch“ des Vereins gewesen, sagt Weigel.

Erst 1986 durften Frauen und Männer endgültig zusammen singen

War der Gesangverein Frohsinn zu Beginn noch ein reiner Männerchor, wurde er 1926 zum gemischten Chor erklärt – es mangelte an Sängern. Zwei Jahre später wurde aus dem Verein jedoch wieder ein Männerchor. Bis im Gesangverein ab 1986 endgültig Frauen und Männer wieder zusammen singen durften, habe sich diese Prozedur noch zweimal wiederholt. Und das, obwohl es immer weniger Männer als Frauen im Verein gegeben hat, was auch heute noch so ist, wie der 76-Jährige erzählt.

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In der Zeit des Nationalsozialismus musste der „rote Verein“ seine Aktivitäten vorübergehend einstellen, bis er 1946 von der Militärregierung wieder zugelassen wurde. Auch von 1959 und 1964 sei im Verein nicht gesungen worden, da zu wenige Mitglieder aktiv waren.

Ludmilla Wachs ist die aktuelle Dirigentin

Weigel erzählt weiter, dass der Gesangverein heute 35 aktive Mitglieder hat. 2013 seien es etwa 18 aktive Sänger gewesen. Angela Stauber, die im selben Jahr Dirigentin des Vereins wurde, habe neue Akzente gesetzt und damit auch neue Sänger angelockt. So waren es im Jahr 2016, als Angela Stauber verstarb, 25 aktive Sänger. Ludmilla Wachs, die bis heute den Gesangverein dirigiert, habe die positive Entwicklung fortgesetzt.

Der Verein habe jedoch ein Problem: „Die Jugendlichen bekommt man zurzeit nicht in einen klassischen Verein“, sagt Weigel. Das jüngste aktive Mitglied sei aktuell seine Tochter mit 36 Jahren, die älteste Sängerin im Verein sei 82. Die meisten Mitglieder seien zwischen 70 und 80 Jahre alt.

Jeden Montag trifft man sich zur Probe

Vom Nachwuchsproblem lassen sich die Vereinsmitglieder aber nicht aufhalten: Jeden Montag treffen sich die Sänger und Sängerinnen zur Probe. Auftritte gibt es in der Advents- und Weihnachtszeit, wie beispielsweise ein Adventssingen im Caritas-Seniorenheim und auch beim Frühjahrs- oder Herbstsingen des Sängerkreises Landsberg. Außerdem werde jedes Jahr ein Grillfest im Garten von Rudolf und Hannelore Weigel gefeiert: „Da singen wir dann für die Nachbarschaft.“

Der Name ist Programm

Gesellig werde es auch jedes Jahr beim gemeinsamen Ausflug. Dieses Jahr habe es die Vereinsmitglieder vier Tage lang ins Erzgebirge geführt. Wenn es die Räumlichkeiten der Unterkunft erlaubten, gebe es während der Ausflüge oftmals einen sogenannten „Bunten Abend“. „Da singen wir dann gemeinsam lustige Lieder. Es ist einfach ein netter Haufen“, sagt Weigel. Der Name des Vereins sei Programm: „Der Frohsinn wird bei uns ausgeübt, bei den Ausflügen, beim Grillen im Garten und beim geselligen Zusammensitzen nach der Probe.“ Bei all der Geselligkeit darf laut Rudolf Weigel jedoch auch nicht die musikalische Leistung vernachlässigt werden: „Mir gefallen die Lieder, die den Sänger fordern.“

So werde sich der Gesangverein am 5. Oktober beim Konzert im Pfarrsaal Mariä Himmelfahrt quer durch die Chorliteratur singen: vom christlichen Pastorallied bis zu modernen, anspruchsvollen Liedern. Im Anschluss gibt es eine Brotzeit mit der Gelegenheit zum Gespräch.

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