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Denklingen

30.10.2018

Als der Strom vor 100 Jahren nach Denklingen kam

Heutzutage gibt es nur noch wenige oberirdische Stromleitungen. Vor 100 Jahren war das noch ganz anders - im Jahr 1918 wurde der Ort ans Stromnetz angeschlossen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Vor 100 Jahren wurde Denklingen an das Stromnetz angeschlossen. Was heute selbstverständlich ist, war damals eine teure Sensation.

Das Jahr 2018 ist reich an wiederkehrenden Jahrestagen zur Denklinger Ortsgeschichte. Im Herbst sogar einer, der zukunftsweisend war und den Alltag angenehmer machte, wie Ortschronist Paul Jörg schreibt. Denn vor 100 Jahren wurde die Gemeinde an das Stromnetz angeschlossen.

Heute ist es selbstverständlich: Ein Tipp auf den Lichtschalter oder den Stecker in die Steckdose gesteckt – und schon fließt elektrische Energie. Elektrischer Strom dient in Alltag und Haushalt zur Energieversorgung zahlreicher elektronischer, elektrischer und elektromechanischer Geräte und Anlagen aller Größen. Bei kleinen Geräten wird er mittels Batterie direkt geliefert, bei großen über das Stromnetz. In den Industriestaaten ist das gesamte Leben von Bezug und Umformung dieser Energieform durchdrungen. Doch diesen Luxus gibt es in Denklingen erst seit 100 Jahren.

Landsberg hatte schon 30 Jahre früher Strom

In Landsberg war bereits 1886 in der Mühle von Michael Weishaupt eine Turbine installiert, von der aus Strom für zwei elektrische Bogenlampen am Hauptplatz geliefert wurde. Denklingen musste noch 30 Jahre warten, bis der erste Strom floss. Als im vierten Jahr des Ersten Weltkriegs aufgrund der immer schlechter werdenden Versorgungslage die Beschaffung von Petroleum, Kerzen und Karbid immer schwieriger wurde, entschloss sich der Gemeinderat zur Einrichtung des elektrischen Lichtes – beachtlich angesichts der damaligen nationalen Ereignisse und Versorgungsengpässe.

Als der Strom vor 100 Jahren nach Denklingen kam

Die Leitung wurde mit Holz aus dem Gemeindewald finanziert

Nach einem Vertrag vom 13. Juni 1918 leistete die Gemeinde zum Bau der Freileitung an die Lech-Elektrizitätswerke in Augsburg einen einmaligen Bauzuschuss in Höhe von 30.000 Mark. Diese Summe wurde aus dem Holzverkauf vom Gemeindewald beschafft, der sich, wie schon oft zuvor als Kapitalreserve für die Gemeinde bewährte. Im Herbst 1918 erfolgte dann die Einrichtung des Elektrischen. Nur ganz wenige Haushalte ließen sich nicht anschließen. Der Preis für die Kilowattstunde betrug 55 Pfennig für Licht und 33 Pfennig für Kraftstrom. Die Drehstromleitung hatte eine Spannung von 10.000 Volt, die für den Gebrauch auf 125 Volt transformiert war.

1920 ließ die Gemeinde die elektrische Straßenbeleuchtung mit 23 Brennstellen zum Preis von 24.900 Mark einrichten. Geldquelle war wiederum der Gemeindewald. Die Lampen wurden schon damals automatisch geschaltet und brannten vom Einbruch der Dämmerung bis 24 Uhr und morgens von 4.30 Uhr bis zum Tagesanbruch. Die Gemeinde musste dafür eine monatliche Pauschale von 68,31 Mark entrichten. 1932 wurde ein Zähler eingeschaltet.

Das Thema Elektrizität war ein gesellschaftlicher Spalter

Mit der Entdeckung des elektrodynamischen Prinzips durch Werner von Siemens 1866 begann die Erfolgsgeschichte des Stroms. Der aus dem Dynamo entwickelte Generator war in der Lage, Strom in großen Mengen zu produzieren. Energie, die vor allem im Zeichen der Industrialisierung und der Urbanisierung gebraucht wurde. Das Zeitalter der Elektrizität begann in der Stadt. Das war auch in ländlich geprägten Region um Landsberg nicht anders. Es waren Elektrizitätswerke und Kleinanlagen, wie jene in der Mühle von Michael Weishaupt in Landsberg, die den Strom lieferten, um Lampen zum Leuchten, Motoren zum Drehen und Straßenbahnen zum Fahren zu bringen. Abschreckend wirkten vor allem die hohen Kosten, die aufzubringen waren, um die entlegenen Gebiete des Landes anzuschließen.

Elektrizität war nicht unumstritten. In den 1880er-Jahren kritisierten vor allem Sozialdemokraten, die Vorteile des elektrischen Stroms kämen nur Reichen und dem Staat zugute. Doch die Menschen in ländlichen Gebieten waren begeistert, als zum ersten Mal „elektrisch“ Licht gemacht wurde. In Denklingen wird das vor 100 Jahren nicht anders gewesen sein.

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