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Färbergassl in Dießen

08.02.2015

Aus für Müllschächte sorgt für Ärger

Die Färbergaßl-Wohnanlage in Dießen: Die Schließung der Müllschächte hat hier in den vergangenen Wochen für einigen Ärger gesorgt.
Bild:  Stephanie Millonig

Das Liegenschaftsamt verweist auf Brandschutz und Hygiene. Protestierende Mieterin wird wegen Aushängen in der Dießener Wohnanlage gerügt

 Wer in der Seniorenwohnanlage Färbergaßl in Dießen wohnt, zählt nicht zu den Begüterten. Der Landkreis hält hier 115 Wohnungen im sozialen Wohnungsbau vor. Gleichwohl liegt der in den 1970er-Jahren entstandene Komplex, der 2005 aufgestockt wurde, ideal inmitten des Ortes und die Wohnungen weisen einen guten Schnitt auf.

Anders als die Lage und die Wohnqualität lässt hingegen das Verhältnis zwischen der zuständigen Liegenschaftsverwaltung und den Bewohnern zu wünschen übrig – zumindest aus der Sicht einzelner Bewohner, zum Beispiel von Elisabeth Tschimmel. Sie wohnt seit eineinhalb Jahren hier. Seither hat sie sich mehrfach über Mängel beschwert. Jetzt wurde sie auf die Möglichkeit einer Kündigung verwiesen, wenn sie weiter „den sozialen Frieden“ im Haus störe. Anlass war ihr Protestbrief gegen die am 2. Februar erfolgte Schließung der Müllschächte. Außerdem regte sie darin an, eine Mieterversammlung abzuhalten.

Vor Weihnachten war den Bewohnern per Aushang mitgeteilt worden, dass die Schächte geschlossen werden. Eine Begründung gab es dazu zunächst nicht. Erst später wurde in einem weiteren Schreiben erläutert, dass der Müll vielfach ohne Tüte in den Schacht gekippt worden sei und dieses System darum aus hygienischen Gründen abgeschafft werden müsse. Elisabeth Tschimmel und andere Mieter führen dagegen an, dass es gerade für betagte Senioren, die mit Rollator unterwegs seien, mühsam sei, Restmüll zu den Containern in den Keller zu bringen.

Tschimmel sieht sich selbst als Sprachrohr für ältere Mitbewohner, die nicht mehr die Kraft und Fähigkeit haben, bei Problemen im Liegenschaftsamt anzurufen. Sie empört sich über die an sie gerichteten Schreiben aus Landsberg. Die Liegenschaftsverwaltung werfe ihr vor, Aushänge angebracht zu haben, so Tschimmel. Sie habe über eine Öffnungszeit für den Grüncontainer informiert, jetzt an den Müllschächten darauf verwiesen, keinen losen Müll hineinzuwerfen und einen Flyer einer Dießener Firma, die kostengünstig Reparaturen übernimmt, ausgehängt. Den Brief, in dem sie wegen der Müllschächte zu einer Mieterversammlung anregte, habe sie noch gar nicht ausgehängt gehabt. Darin äußerte sie auch die Befürchtung, dass auch Notarzteinsätze behindert werden könnten – nämlich dann, wenn vermehrt der Lift benutzt wird, um Abfall in den Keller zu bringen.

Rosemarie Kundel und Herta Wagner waren bis Herbst 2013 über zwei Jahre Haussprecherinnen. Kundel bemängelt, dass sie in dieser Funktion keine Kompetenzen gehabt und so das Amt wieder aufgegeben hätten. Sie kritisiert, dass die Schließung der Müllschächte anfangs ohne Begründung angekündigt worden war und wünscht sich „mehr Respekt“. Auch die frühere Kreisrätin Ute Lauterfeld, die sich in der Seniorenarbeit auch im Färbergaßl engagiert, ist der Meinung, dass bei einer solch einschneidenden Veränderung eine Informationsversammlung hätte angesetzt werden müssen. Sie vermisst den richtigen Umgangston mit teilweise hochbetagten Menschen. Bewohner Alexander Pöschel spricht von einem „rigiden Stil“.

„Es fehlte an Kommunikation und Fingerspitzengefühl“, meint im Hinblick auf die Müllschächte auch Susanne Plesch, die als Referentin des Kreistags für das Färbergaßl zuständig ist. Plesch sagt aber auch, das sie immer eine ausreichende Erklärung aus dem Liegenschaftsamt bekomme und sie die Sachbearbeiterin als sehr zugänglich erlebt habe. „Ich sehe meine Rolle als Vermittlerin“, so Plesch. Auch von anderen ist zu hören, dass man mit den Mitarbeitern des Liegenschaftsamtes ins Gespräch findet, wenn man einen angemessenen Ton anschlage.

Das Landratsamt bedauert in seiner Stellungnahme, dass die Schließung der Müllschächte ohne Begründung angekündigt wurde. Generelle Kritik an der Kommunikation wird jedoch zurückgewiesen. Die Liegenschaftsverwaltung nehme die Ängste betagter Personen sehr wohl ernst und versuche, vorgetragenen Problemen abzuhelfen. Es wird aber auch darauf verwiesen, dass es sich bei der Seniorenwohnanlage Färbergaßl weder um ein Seniorenwohnheim noch um ein Pflegeheim handele, sondern um normale Sozialwohnungen, die von den Mietern eigenständig bewohnt würden. Zusätzliche Unterstützungs- und Pflegeleistungen würden seitens des Vermieters nicht angeboten.

Die Liegenschaftsverwaltung sei für 466 Wohnungen verantwortlich, 278 seien Seniorenwohnungen. In den vergangen zwölf Jahren habe es bis auf wenige Fälle keine Beschwerden über die Art und Weise der Kommunikation gegeben. Elisabeth Tschimmel wurde nach den Ausführungen aus Landsberg auch nicht die Kündigung angedroht, bisher sei nicht einmal eine Abmahnung erfolgt. Sie sei nur darauf hingewiesen worden, „dass eine dauerhafte weitere Anbringung von Aushängen als Störung des Hausfriedens gewertet werden könnte und zu einer Kündigung führen kann“.

Hinsichtlich der Müllschächte wird nicht nur auf das Hygieneproblem, sondern auch den Brandschutz verwiesen: Die Müllschächte würden den heutigen brandschutztechnischen Anforderungen nicht mehr genügen.

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