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01.07.2010

Bunte Werke und ein umstrittener Künstler

Was ist das Wahrzeichen von Utting? Das farbige Herz aus Beton im Summerpark, über das am Sonntag abgestimmt wird, oder doch ...

Utting Die Uttinger Bürger entscheiden am Sonntag über die Zukunft von Ei, Herz und Stelen-Labyrinth: Die Skulpturenausstellung von Bernd Dudek im Summerpark war 1997 für zwei Jahre angedacht gewesen und bis 2000 verlängert worden. Seitdem versucht die Gemeinde die tonnenschweren Betonteile aus dem Park am Ammersee zu bekommen und hat nun seit einem Jahr als Eigentümerin das Recht, sie einfach entfernen zu lassen.

Erste Auseinandersetzungen schon 1998

Eine Bürgerinitiative setzte jedoch den Entscheid durch. Für Initiator Joachim Pahlke ist das Herz ein von vielen lieb gewonnenes "Wahrzeichen" von Utting geworden. Alle, die seit Mitte der 1990er Jahre zugezogen seien, würden den Park nur mit Ei, Herz und Labyrinth kennen. Pahlke will, dass auch an die Bedeutung der Skulpturen erinnert wird, das Herz verkörpere beispielsweise das geteilte und wiedervereinte Deutschland. Für die CSU bedeutet das Herz ein "Alleinstellungsmerkmal" für Utting. Hochzeitspaare ließen sich hier ablichten, es sei eine Orientierungshilfe für Segler, zwischen den Stelen spielten Kinder, so weitere Argumente.

Die Gegner wollen die bunten Skulpturen aber nicht von ihrer Geschichte und den Auseinandersetzungen mit Bernd Dudek abgekoppelt wissen. Der Uttinger Architekt Wolf-Eckart Lüps erinnert daran, dass die Künstlergruppe "Die Seeer" um Bertram Graf eine Skulpturenausstellung bereits 1995 zur Eröffnung des Parks organisiert hätten. Im Park sollten immer andere Künstler ausstellen, so die damalige Intention. Auch für Lüps bedeutet Kunst eine Auseinandersetzung mit wechselnden Arbeiten. Ein dauerhafter Standort im Grünen passe für Denkmäler und Mahnmale.

Bunte Werke und ein umstrittener Künstler

Erste Diskussionen hatte es schon 1998 gegeben: Die Seeer hatten damals beantragt, den Park für andere Künstler freizumachen und Werkschauen auf drei Monate zu begrenzen. Der Gemeinderat verlängerte aber bis Frühjahr 2000. Auch zu diesem Zeitpunkt holte Dudek seine Werke aber nicht ab.

Der Künstler machte damals auch aus anderen Gründen Schlagzeilen. Er war 1996 in eine der ehemaligen Fabrikhallen auf dem Gelände des geschlossenen Betonwerks der Firma Dyckerhoff gezogen und hatte dort eine Kulturwerkstatt eröffnet, die auch andere Kreative anzog. Musiker probten dort ebenso wie die Mitglieder der Seebühne. Mit dem Verkauf und der geplanten Bebauung des Areals erhielt er jedoch die Kündigung für Mitte 2000.

Dudek reagierte, indem er die Halle zur "uttinger KULTURwerkstatt Solly Ganor Lager X KZ-Gedenkstätte" ausrief. Solly Ganor war ein jüdischer KZ-Häftling, der in der damaligen Betonfabrik auf dem Dyckerhoffgelände Zwangsarbeit geleistet hatte und darüber ein Buch schrieb. Ganor kannte Dudek und die Kulturwerkstatt und hätte ihr seinen Namen geliehen, aber nie einer Gedenkstätte, wie er damals sagte. Auch die Vereinigung der Überlebenden der KZ-Außenlager von Dachau distanzierte sich und von mehreren Uttingern wurde Dudeks Aktion als Versuch verstanden, sein eigenes Interesse, die Halle zu behalten, mit Erinnerungsarbeit an die NS-Gräuel zu verbrämen.

Der letzte Brief wurde im März geschrieben

Die Betonkunst blieb im Park und Dudek verschwand, schickte aber Briefe an Bürgermeister und Gemeinderat, zuletzt im März 2010. Die Vorstellung, einem Künstler ein Denkmal zu setzen, der sich mit jüdischen Zwangsarbeitern vergleicht, empört Miene Gruber. Er organisiert einen Tag vor dem Bürgerentscheid einen Kultur-Musik-Event im Park unter dem Titel: "Die Mauer muss weg".

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