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Landsberg

20.02.2019

Das Baumsterben und der Kahlschlag vor dem Landsberger Mutterturm

Im Herkomer-Park vor dem Landsberger Mutterturm wurden am Mittwoch drei große Eschen gefällt. Die Bäume mussten wegen einer Erkrankung weg. Jetzt ist der Park ziemlich gelichtet.
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Im Herkomer-Park vor dem Landsberger Mutterturm wurden am Mittwoch drei große Eschen gefällt. Die Bäume mussten wegen einer Erkrankung weg. Jetzt ist der Park ziemlich gelichtet.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Warum vor einem der Landsberger Wahrzeichen eine große Abholzaktion stattfand. Schon bald könnte eine bestimmte Baumart in der Stadt aussterben.

Ein großer Autokran hebt schwere Baumteile über den Herkomer-Park. Wo daneben sonst Autos parken, liegen dicke Stämme und Äste schon fein säuberlich sortiert. Antonius Friesenegger und Siegfried Schaeufl schauen sich das Ganze von der Westseite der Kühlmannstraße aus sicherer Entfernung an und wundern sich: Hat die Fällaktion wirklich etwas mit den von der Stadt angekündigten Rodungsarbeiten für den Bau des Lady-Herkomer-Stegs zu tun?

Friesenegger und Schaeufl ahnen es – der Motorsägeneinsatz am Mittwoch hat einen anderen Grund. Wieder einmal sind es Eschen, die gefällt werden. Und die Ursache dafür ist seit einigen Jahren immer gleich: Das Eschentriebsterben, erklärt der Leiter des städtischen Forstamts, Michael Siller. Die Pilzkrankheit hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Epidemie ausgeweitet, mit erheblichen Folgen für die Sicherheit auf Wegen und Straßen: Die Eschen im Herkomer-Park seien in die höchste und zweithöchste von vier Gefahrenstufen eingeordnet worden und wurden deshalb umgeschnitten. Typische Kennzeichen der Krankheit sind im Sommer welk werdende Blätter und rotbraun verfärbte und absterbende Triebe, was zu einem besenförmigen Aussehen der Kronen führt. Gefährlich sei aber vor allem, dass durch die Krankheit große Äste abbrechen können, sagt Siller.

Die Gefahr für Spaziergänger war zu hoch

Folgen hat die Krankheit auch für das Landschaftsbild in Landsberg. In vielen Bereichen der Stadt ist die Esche bislang ein stadtbildprägender Baum gewesen. Sie mag es gerne feucht. Die wasserreichen Hänge am Lech, vor allem auf der Sandauer Halde, oder die Pössinger Au sind damit von Natur aus Standorte, die der Esche gefallen.

Wie massiv das Eschensterben voranschreitet, zeigt vor allem eine Zahl: Im vergangenen Jahr wurden in den städtischen Wäldern und Parks 2000 Kubikmeter Eschenholz geschlagen. „Das sind 1000 bis 2000 Bäume“, erklärt Siller. Zum Vergleich: Die Fichte, die insgesamt einen viel höheren Anteil im Stadtwald hat, brachte es auf 8000 Kubikmeter. Der größte Brennpunkt im Stadtgebiet ist die Pössinger Au: „95 Prozent der Bäume im zentralen Bereich sind Eschen und Fichten“, erklärt Siller. Beides seien sehr gefährdete Baumarten, die einen wegen des Triebsterbens, die anderen wegen Windwurf und Borkenkäfer.

Auch an den Lechhängen drohen kahle Stellen

Werden irgendwann an den Lechhängen und -ufern kahle Stellen entstehen, wenn immer mehr Eschen absterben? Tatsächlich müsse man damit rechnen, dass ähnlich wie die Ulmen vor Jahrzehnten auch die Eschen weitgehend aus der Landschaft verschwinden werden, meint Siller: „Die Experten streiten sich darüber, ob es 99,58 oder 99,61 Prozent sein werden.“ Wann das sein wird, sei nicht so einfach zu sagen, nach seinem Gefühl vielleicht in zehn Jahren. Das hänge von mehreren Faktoren ab: In regenreichen Jahren verlangsame sich das Sterben der Eschen. Trotz der Schäden, die der Pilz in den Wasserleitungen der Bäume verursacht, können sich die Bäume immer noch einigermaßen mit Wasser versorgen, erklärt Siller. Beschleunigen könnte das Sterben der aus Südostasien zuwandernde Eschen-Prachtkäfer, der besonders vorgeschädigte Bäume befalle.

Welche Bäume als Ersatz gepflanzt werden sollen

Wird es irgendwann gar keine Eschen mehr geben? Das wohl nicht, glaubt Siller. Ähnlich wie bei den Ulmen dürften einzelne Bäume Resistenzen ausbilden und den Pilzbefall überstehen. Junge Flatterulmen werden übrigens die im Herkomer-Park gefällten Eschen ersetzen, kündigt Siller an. Die Flatterulme ist der Baum des Jahres 2019. In der Pössinger Au lässt Siller die Eschen und Fichten mit Eichen, Linden und Nussbäumen ersetzen und mit Tannen, damit der Wald im Winter nicht ganz kahl ist. Daneben verjüngen sich die Bestände insbesondere an den Lechufern und -hängen mit Weiden, Pappeln, Erlen und Ahornen. Allerdings: Für eine gewisse Übergangszeit dürften sich in den nächsten Jahren in eschenreichen Bereichen wie am Mutterturm Lücken in der Baumkulisse auftun.

Für das Holz gibt es nicht besonders viel Geld

Bäume wegen der Verkehrssicherheit zu fällen, ist meistens eine teure Angelegenheit. Am Mutterturm kletterte ein Forstarbeiter auf die Bäume, ein Kran sicherte die einzelnen Teile, die der Mann oben abschnitt und hob sie über den Park an den Parkplatz.

Viel Geld bekommt die Stadt für die dicken Eschenstämme in der Regel nicht, denn das Triebsterben sorgt für eine Eschenholzschwemme. „Als Stammholz ist es bei den Sägewerken nicht loszubringen“, so Michael Siller. Da ist er schon froh, dass er eine Partie von 200 Kubikmetern nach Vietnam verkaufen konnte. Holz um den halben Erdball zu schippern, sei zwar ökologisch nicht so gut, aber er müsse auch betriebswirtschaftlich denken, so der Förster. Den größten Teil des Eschenholzes müsse die Stadt als Brennholz verkaufen. Auch als solches sei die Esche übrigens ein wertvolles Holz. „Es ist zwar den Leuten nicht so bekannt, aber hat ähnliche Eigenschaften wie die Buche.“

Was LT-Redakteur Gerald Modlinger zum Eschen-Sterben sagt: Fällaktion am Mutterturm: Das Eschen-Sterben ist nicht zu stoppen

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