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Hospitalschiff

12.05.2012

Das Krankenhaus auf dem Meer

Die Landsbergerin Cornelia Veit (links) war als Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation „Mercy Ships“ in Togo und kümmerte sich an Bord des Hospitalshiffs „Africa Mercy“ auch um Hilfe suchende Kinder.
Bild: Veit-Gruppe

Die Landsberger Geschäftsfrau Cornelia Veit ist Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation „Mercy Ships“. Jetzt besuchte sie das Hospitalschiff „Africa Mercy“ im Hafen von Togo in Afrika

Landsberg Meist liegt die „Africa Mercy“, ein Dampfer der Hilfsorganisation „Mercy Ships“ über ein halbes Jahr vor Anker – in den ärmsten Ländern Afrikas. Die Besatzung besteht aus Ärzten, Krankenschwestern, Ingenieuren, Landwirtschaftsexperten und Köchen. Für zwei Wochen war auch Cornelia Veit aus Landsberg Passagier an Bord des Hospitalschiffs. Als Vorstandsmitglied von Mercy Ships wollte sie sich das Mini-Krankenhaus auf dem Meer selbst ansehen. Das Ziel der Reise: der Hafen in Togo.

Radiodurchsagen informieren die Afrikaner, wann das Schiff in den Hafen einläuft, erklärt Cornelia Veit. Dann pilgern sie aus dem ganzen Land zum Schiff und erhoffen sich ärztliche Hilfe. Oft gebe es Durchsagen, in denen sich Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern oder Symptomen melden sollen. „Meist kommen die Leute nicht allein“, sagte Veit. Die Begleitpersonen bleiben während der gesamten Behandlung mit auf dem Schiff und schlafen auf dem Boden, unterhalb der Betten, auf denen die Patienten nach der Operation liegen. Cornelia Veit, gelernte Orthoptistin (Expertin für Fehlstellungen am Auge/Schielen) und Ehefrau von Günter Veit, Inhaber der gleichnamigen Firma in Landsberg, stand bei ihrer Reise im OP-Saal und schaute zu: „Die Hygiene ist zwar nicht ganz so wie bei uns, kommt aber sehr nah an unsere Standards heran.“ Da Cornelia Veit zusammen mit ihrem Mann acht Jahre lang in Asien gelebt hat und oft in die Dritte Welt gereist war, sei die „Wahnsinns-Armut“, wie sie sagt, kein Schock gewesen. Sie weiß, dass die Menschen kein Geld für eine OP haben, auch wenn diese umgerechnet nur 30 Euro kostet.

Freudentänze, wenn sie wieder sehen können

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Ein Mann kam mit einem Leistenbruch auf das Schiff. „Ich habe gesehen, wie die Gedärme nach unten heraushingen“, sagt Veit. Die Ärzte auf dem Schiff behandeln jeden kostenlos.

„Jeder, der auf dem Schiff arbeitet, zahlt seinen eigenen Unterhalt.“ Die meisten Ärzte bleiben zwei Wochen. Wenn sie nach Hause kommen, sagen sie oft: „Das ist erfüllender als Urlaub.“ Viele Patienten führen aus Dankbarkeit vor dem Arzt einen Freudentanz auf, wenn sie die Binde von den Augen abgenommen bekommen und wieder sehen können. Veit sah zu, wie eine Mutter Krücken zurück zum Schiff brachte und sagte: „Mein Kind kann wieder laufen.“ Veit blickte in Gesichter mit riesigen Tumoren an den Augen. Viele Menschen dort haben O-Beine, weil die Knochen zu weich seien.

Cornelia Veits Gesicht zeigt Spuren des Unbehagens, wenn sie an eine Krankheit namens Blasen-Scheidenfisteln bei Frauen denkt. „Darüber hört man bei uns gar nichts“, sagt Veit über die Krankheit, die häufig nach Komplikationen bei der Geburt eintrete. Die Frauen in Afrika würden aus ihrem Stamm verstoßen werden, wenn sie darunter litten. Dank des Hospitalschiffs treffen Betroffene auf Frauen mit gleichen Problemen. Nach der OP können sie wieder in ihren Stamm zurückkehren.

Wegen des großen Andrangs kann das ärztliche Personal auf dem Schiff nicht jedem helfen. Veit erzählt, dass die Ärzte manche Menschen heimschicken müssen und zu ihnen sagen, sie sollen in zwei Jahren wiederkommen. Die Krankheit sei noch nicht so fortgeschritten, dass man handeln müsse. Ein togolesischer Pastor kümmere sich um diese Menschen und mache ihnen Mut. Das Personal auf dem Schiff setzt sich aus nicht weniger als vierzig Nationen zusammen. Cornelia Veit schätzt, dass darunter rund zwölf Ärzte seien und viele junge Krankenschwestern, die meist ein ganzes Jahr auf dem Hospitalschiff verbringen.

Im Internet

www.mercyships.de

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