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Dießen

11.10.2019

Das kleine Format: Die Künstler sind immer auch Erfinder

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3 Bilder
"Das kleine Format": Kuratorin Annunciata Foresti.
Bild: Oliver Gruener

Plus Zum neunten Mal bietet „das kleine Format“ im Blauen Haus Dießen große Kunst. Erstmals gibt es einen Preis des Landkreises Landsberg. Ein Interview mit Kuratorin Annunciata Foresti.

Fragen der Zukunft, der Nachhaltigkeit und der Umwelt beschäftigen verstärkt auch die Künstler. Bei der neunten Auflage des „kleinen Formats“ sind zahlreiche Arbeiten mit diesem Themenschwerpunkt zu sehen. Vom 19. Oktober bis 3. November lockt das wohl wichtigste Kunstevent der Fünf-Seen-Region nach Dießen ins Kulturforum Blaues Haus. 36 Künstler aus der Region, aus Garmisch, aus München und aus dem Norden Deutschlands präsentieren dort ihre Werke aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Installation.

Was erwartet die Besucher in diesem Jahr beim „kleinen Format“? Gibt es einen Themenschwerpunkt?

Annunciata Foresti: Was die Besucher heuer erwartet ist ein schöner Mix aus Bildern, Skulpturen und Installationen. Auch beschäftigen sich zahlreiche Künstler mit den Themen Natur, Umwelt, Zukunft und Nachhaltigkeit wie zum Beispiel Nicola von Thurn. Bei ihr geht es um ausgestorbene Tiere oder welche, die vom Aussterben bedroht sind. Wer bin ich, wo bin ich, wohin gehe ich? Das sind Fragen, die die Menschheit schon immer beschäftigt hat. Gerade jetzt ist das besonders aktuell. Der Aufbruch zu neuen Horizonten! Das kann besonders die Kunst gut. Wir Künstler sind auch Erfinder, wir können neue Wege finden.

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Von den 34 teilnehmenden Künstlern sind diesmal 26 Frauen. Ist das Zufall oder gewollt? Sind Frauen in der Kunst gerade das starke Geschlecht?

Foresti: Halb, halb! Frauen erleben gerade in der Bildenden Kunst einen Aufstieg und den zurecht. Oftmals sind Frauen in der historischen Kunstgeschichte hinter dem Mann gestanden, da konnten sie noch so gut sein. Insofern kommt mir persönlich diese Zusammensetzung nur entgegen. Und ja, sie ist auch gewollt.

Beim kleinen Format wird nicht nur Flachware präsentiert, es werden auch viele Installationen zu sehen sein? Was erwartet uns da? Warum diese Ausrichtung?

Foresti: Unter Flachware versteht man Bilder. Beim kleinen Format sind aber auch kleine Skulpturen zu sehen, in Holz und Bronze. Darüber hinaus gibt es viele Installationen. Diese sind seit Anbeginn dabei. Das Konzept hatte ich mir 2008 ausgedacht, denn bei so vielen kleinteiligen Arbeiten lockern Installationen die Kunstpräsentation auf. Die Künstler mit den Installationen, die meist unverkäuflich sind, bekommen ein kleines Stellgeld vom Verein. Gerne erinnere ich mich an unsere erste Installation „Eisbaby“ von Masayo Oda. Das war eine frei schwebende gläserne Wiege aus gewebten Glasstreifen, darin lag ein lebensgroßes Baby aus Eis, das vor sich hinschmolz. An jedem Ausstellungstag lag ein neues Baby drin und am Ende des Ausstellungstages war es weg... Ich fand es als Bild nicht nur Ausdruck des Schöpferischen, sondern auch sehr seelenberührend. Dieses Jahr haben wir großartige Installationen zum Beispiel von Franziska Ghirardo „Das Mädchen und der böse Wolf“.

Die Jury ist hochkarätig besetzt. Welche Akzente werden da gesetzt?

Foresti: Die Jury für den Fachjury-Preis, die Auszeichnung neben dem Preis des Publikums, ist hochkarätig besetzt mit Bernd Zimmer, Jan Davidoff, Werner Kroener und Kunstpreisträgerin Angelika Hoegerl. Akzente werden keine gesetzt. Die Jury arbeitet unabhängig. Ich bin als Kuratorin auch nicht dabei. Ich vertraue auf die Wahl meiner Jury-Künstlerkollegen. Erstmals vergibt der Landkreis Landsberg einen Kunstpreis, der mit 1000 Euro dotiert ist. Der Publikumspreis kommt vom Markt Dießen. Bürgermeister Herbert Kirsch, der Schirmherr ist, war von erster Stunde an ein Fan und Förderer des kleinen Formats.

Sie organisieren „Das kleine Format“, die Kreiskulturtage, setzen sich ein für die Belange der Künstler im Landkreis – bleibt da noch genug Zeit für die eigene Kunst?

Foresti: Ja, oftmals gerate ich an meine Grenzen und mein Hausarzt warnt mich schon. So komme ich in manchen Jahren nicht so recht zu meinen Arbeiten, vor allem weil ich jedes Projekt mit viel Herzblut mache. Aber was solls, ich mache die Projekte mit Freude und das ist für mich Grund genug, es zu tun. Bei den Kreiskulturtagen mache ich als Künstlerin nicht mit, beim kleinen Format hingegen schon. Das entspricht auch der Ursprungsidee: 2008 wollte ich eine Ausstellung mit meinen kleinen Formaten machen und das vor der Weihnachtszeit. Dazu hatte ich dann andere Künstler eingeladen und so wurde daraus eine Tradition: Eine Produzentenausstellung, die wir zunächst jährlich veranstalteten und seit vier Jahren als Biennale. Es sind ja meine „Babys“, ich arbeite gerne für das Gemeinwohl.

Info „das kleine Format“ vom 19. Oktober bis 3. November im Kulturforum Blaues Haus in Dießen. Freitag, Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr. Vernissage am 18. Oktober um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr.

Lesen Sie hier ein Porträt über Annunciata Foresti:„Ich habe verschiedene Heimaten“

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