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Brauchtum

27.03.2015

Den Palmesel gibt es vor allem in der Familie

Wie auf unserem Foto vor dem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln werden am Sonntag vielerorts Palmbuschen geweiht.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Weihe der Buschen hat sich erhalten. Eine andere Tradition dagegen nicht

Bei den Prozessionen am Palmsonntag gibt es ihn eigentlich nicht mehr, in vielen Familien jedoch schon. Den Palmesel. Wer am Sonntag am längsten schläft, der bekommt diesen Namen. Früher war der Palmesel Bestandteil vieler Prozessionen im Landkreis. Doch nur zwei dieser stattlichen Figuren aus der Barockzeit haben sich in der Gegend erhalten – in Landsberg und in Walleshausen. Zur Tradition gehören auch die Palmzweige, die an vielen Orten geweiht werden.

Die Karwoche ist der Höhepunkt der Fastenzeit. Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem. Zum Zeichen seines Königtums soll ihm das Volk ihm zugejubelt haben und Palmzweige gestreut haben. Palmen wurden vielerorten als heilige Bäume verehrt. Die Palmweihe gehörte früher, bevor sie in vielen Gegenden auf den Palmsonntag verlegt wurde, zu den heidnischen Ostergebräuchen.

Der Einzug Jesu wurde auch in unserer Gegend über viele Jahrhunderte in Palmprozessionen nachgespielt, wie im Kreisheimatbuch „Bräuche und Feste im Jahr und im Leben“ zu lesen ist. Der Esel, der eine Jesusfigur trug, wurde häufig mitgeführt. Bis in die 1950er-Jahre waren die Palmesel fester Bestandteil der Prozessionen in der Region. Zwei Exemplare sind noch in Landsberg und Walleshausen zu sehen: der Palmesel von Lorenz Luidl aus dem Jahr 1671 in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und die Skulptur von Franz Xaver Schmädl in der Pfarrkirche in Walleshausen. Während der Walleshausener Palmesel immer noch bei den Prozessionen mitgetragen wird, wird das Landsberger Exemplar am Palmsonntag in der Stadtpfarrkirche aufgestellt. Bei der Prozession vom Roßmarkt zur Kirche ist dann ein echter Esel im Einsatz.

Auf alten Fotografien ist zu erkennen, dass in früheren Jahren am Palmsonntag einfache Sträuße aus Weidenzweigen geweiht wurden. Karl Freiherr von Leoprechting, der 1855 eine Sammlung über Bräuche im Lechrain veröffentlichte, schreibt, dass auch die Mistel Bestandteile der Palmbuschen gewesen sein soll. Heute sind bei den Prozessionen im Landkreis meist kunstvoll gefertigte Gebinde zu sehen. Mancherorts bestehen die Palmbuschen aus Weiden- und Buchszweigen. Vielfach werden die Sträuße in den Tagen vorher für einen guten Zweck verkauft. Statt der Palmbuschen hielten die Kinder früher in einigen Dörfern im südlichen Landkreis Palmbeserl in ihren Händen, zum Beispiel in Thaining und in Leeder, wie Karl Arzberger im neuen Kreisheimatbuch schreibt.

Am Palmsonntag werden die Buschen meist vor dem Gottesdienst am Vormittag geweiht. Früher wurden die Palmzweige und Palmbeserl zu Hause zum Kreuz im Herrgottswinkel gesteckt. Man schrieb ihnen eine besondere Schutz- und Segenswirkung zu. (wu)

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