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Finning

07.11.2018

Die Bürger sollen entscheiden, ob ein Discounter kommt oder nicht

Auf dem Feld südlich von Finning soll ein Discounter entstehen. Die Fläche befindet sich gegenüber des bestehenden Gewerbegebiets Lerchenberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Seit drei Jahren ist die Gemeinde Finning auf der Suche nach einem Supermarktbetreiber. Jetzt will sich ein Discounter niederlassen. Aber im Ort regt sich Widerstand.

„Ein Discounter für Finning – Wer braucht ihn? Wem nützt er?“ So lautete die Überschrift eines im Ort verteilten Flugblattes, in dem Mitglieder des Bürgergremiums und weitere Finninger ihre Haltung deutlich machen. Die Diskussion um die Ansiedlung eines Discounters wurde bislang, wie Bürgermeister Siegfried Weißenbach sagte, meist „hinter vorgehaltener Hand“ geführt. Jetzt will der Gemeinderat die Fragestellung durch ein Ratsbegehren klären lassen.

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„Ab heute ist der Sachverhalt öffentlich“, sagte Weißenbach zu Beginn der jüngsten Bauausschusssitzung, bei der der Gemeinderat fast vollständig anwesend war, und lieferte den rund 50 Zuhörern Fakten: Bei dem Discounter handelt es sich um eine Filiale der Firma Netto, dessen Ansiedlung 6000 bis 7000 Quadratmeter Grund benötigen würde. Vorgesehen ist dafür eine Fläche am Staudenweg gegenüber des bestehenden Gewerbegebiets Lerchenberg an der Abzweigung der Kreisstraße LL 23. Im Westen wird das Areal von der Windach begrenzt. Derzeit wachsen dort Pflanzen zur Energiegewinnung. Der Bürgermeister teilte mit, dass es außerdem einen Interessenten gibt, der im Anschluss nach Norden hin eine Tankstelle mit Waschanlage bauen möchte. Formal ging es im Bauausschuss um die Festlegung der Umgriffsfläche für einen neu aufzustellenden Bebauungsplan „Gewerbegebiet Am Staudenweg III“.

Bislang haben alle Interessenten abgesagt

Bürgermeister Weißenbach berichtete, dass sich die Gemeinde schon über drei Jahre mit der Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Finning beschäftigt, bislang aber alle Firmen abgesagt hätten. Nun habe man einen Discounter an der Hand. Weißenbach holte zu einem beinahe schon geschichtlichen Diskurs aus und erläuterte, dass es im Jahr 1965 in Finning sechs Einzelhändler und zwei Tankstellen gab. Aus dieser Zeit ist nur noch der Einzelhändler Keicher tätig, zudem gibt es in Finning eine Bäckerei mit einer Poststelle sowie eine Metzgerei.

Die Bürger sollen entscheiden, ob ein Discounter kommt oder nicht

Um im Ort auch mittelfristig die Nahversorgung sicherzustellen, war die Gemeinde seit einiger Zeit auf der Suche. „Es wird kein Vollsortimenter kommen“, sagte Weißenbach mit Blick auf die neuen Märkte in den Nachbargemeinden. Dass es für eine Gemeinde aber auch teuer werden kann, die Nahversorgung der Bürger sicherzustellen, erläuterte der Bürgermeister am Beispiel Thaining. Dort musste die Gemeinde selbst bauen und den Dorfladen betreibt eine stille Gesellschaft mit dem Bürgermeister als Vorsitzenden.

Mit der Lage könnte die Gemeinde punkten

Wenn nun der bestehende Lebensmittelladen schließt, würde ein ähnliches Szenario auch auf Finning zukommen. Als zweites Standbein sah Wilhelm Turetschek den Discounter. Möglich sei auch, dass dazu ein Drogeriemarkt, hier nannte Weißenbach die Kette Müller, kommen könnte. Attraktiv für die Handelsketten sei die Lage an der Kreisstraße. Er führte auch aus, dass die Finninger oft nicht beim Einzelhändler vor Ort, sondern auswärtig einkaufen.

Bevor die Debatte richtig losging, preschte Johann Gall mit dem Vorschlag vor, als Gemeinde doch ein Ratsbegehren zu initiieren. Damit käme man einem Bürgerbegehren zuvor und könnte auch die Meinung der „schweigenden Mehrheit“ abfragen. Dass alle Bürger gefragt werden sollen, kam am Ratstisch durchaus positiv an.

Der bestehende kleine Markt will weitermachen

Zu Wort kamen auch Claudia Francke vom Bürgergremium und der Betreiber des Einzelhandelsgeschäfts in Finning, Peter Keicher. Er erklärte, seinen Markt weiterhin mit Unterstützung seiner Frau betreiben zu wollen. Gerade habe er investiert und um ein Café erweitert (LT berichtete). Er sei gegen einen Discounter und betonte, dass anderslautende Gerüchte nicht stimmen. Claudia Francke stellte zu den bestehenden Einkaufsmöglichkeiten im Dorf auch die Möglichkeit eines Wochenmarktes in den Raum. Ein Discounter am Ortsrand würde für mehr Verkehr durch den Ort sorgen und die tatsächliche Nahversorgung verdrängen. Weitere Gegenargumente waren der Flächenfraß und fehlende Einnahmen durch die Gewerbesteuer.

Dazu war aus der Verwaltung zu erfahren, dass bei Handelsketten die Gewerbesteuer für den Ort anteilig nach der Anzahl der Mitarbeiter der Filiale berechnet werde. Es komme daher auf den Einzelfall an, ob und in welcher Höhe Gewerbesteuer fließe.

Letztlich entschied der Bauausschuss mit 4:3 Stimmen, dass eine Entscheidung über den Umgriff des angedachten Bebauungsplanes „Gewerbegebiet am Staudenweg III“ zurückgestellt und dem Gemeinderat empfohlen werde, zunächst ein Ratsbegehren auf den Weg zu bringen.

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