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Landsberg

26.11.2016

Die Stelzer verlassen Landsberg

Ludwigstraße: Die Stelzer - ein bekanntes Bild in Landsberg. Ihr Fundus wird jetzt ins Fuchstal verlegt.
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Ludwigstraße: Die Stelzer - ein bekanntes Bild in Landsberg. Ihr Fundus wird jetzt ins Fuchstal verlegt.
Foto: Thorsten Jordan

Der Fundus in der Pflugfabrik wurde aufgelöst. Neue Heimat ist Asch. Vorsitzender Wolfgang Hauck nennt die Gründe für den Wegzug und blickt in die Zukunft.

Wichtige Veränderungen stehen beim Landsberger Theaterensemble „Die Stelzer“ an. Zum einen wird der Kostümfundus, der bisher jahrelang in der Pflugfabrik beheimatet war, wegen deren Umbau bis Dezember aufgelöst. Das komplette Lager, die Werkstatt und der Fundus erhalten eine neue Bleibe auf einem ehemaligen Militärgelände in Asch. Zum anderen werden durch den Ortswechsel auch Schwerpunkte der Theaterarbeit neu ausgerichtet.

In den letzten Wochen wurden bereits die neuen Räume hergerichtet, vorbereitet und der Umzug durchgeführt. „Wir bedauern sehr, dass es keine Möglichkeit direkt in Landsberg gab, die finanzierbar war“, sagt Theaterleiter Wolfgang Hauck. Mit dem Ortswechsel ergeben sich auch Auswirkungen auf die bisherige Sparte der Jugendarbeit. Prominentes und preisgekröntes Beispiel sei das RuethenFestSpiel mit 150 Mitwirkenden „Licca Line - Eine lange Fahrt ins sagenhafte Damasia“. Es wird in der bisherigen Form nicht mehr durchführbar sein. Dies habe laut Hauck zwei Gründe. Einerseits die Problematik mit der vierjährigen Aufführungszeit – dieser Rhythmus sei mit einem zu großen Aufwand für das Nachwuchstraining gekoppelt. Etwa die Hälfte, rund zwanzig Jugendliche, so Hauck, müssen neu trainiert und ausgebildet werden, da wegen Ausbildung oder Studium die bisherigen Mitwirkenden nicht mehr zur Verfügung stünden. Dieser Wechsel in der Besetzung wäre nur denkbar, wenn „Licca Line“ oder eine kleinere Version etwa alle zwei Jahre aufgeführt werden könnte. Dazu fehlen jetzt jedoch wiederum die Räumlichkeiten und Möglichkeiten, eine regelmäßige Jugendarbeit zu finanzieren.

„Zudem hat sich der Ruethenfestverein auch für eine andere Gestaltung des ersten Wochenendes entschieden, so dass „Licca Line“ nur als gesonderte Veranstaltung durchgeführt werden müsste. „Das ist zwar denkbar, aber wir haben viele andere Anfragen von Städten oder Initiativen, die uns gerne mit im Boot hätten“, so Hauck. „Aus diesem Grunde wird die Jugendarbeit in Landsberg ohne ein großes Ziel und den fehlenden Möglichkeiten nicht mehr ausgebaut werden.“ So Hauck in seiner Stellungnahme.

Die professionelle Sparte des Theaters wird zukünftig wieder stärker auf internationaler Ebene liegen. Durch Kontaktbüros und Mitarbeiter aus Hongkong, Australien und in den USA, die derzeit zur Vorbereitung in Landsberg sind, wird die internationale Arbeit wieder in den Fokus rücken. Ein Grund dafür ist auch, dass einige Jugendliche der Nachwuchsgruppe großes Interesse an internationalen Auftrittsmöglichkeiten haben.

Als dritte Sparte im Rahmen der kulturellen Hilfsprogramme gebe es dann auch noch die internationale traumapädagogische Flüchtlingsarbeit, das „Cultural Relief Program“, das Wolfgang Hauck im Jahr 2014 entwickelt hat. Seitdem wird das Prinzip „Training der Trainer“ an der türkisch-syrischen Grenze sowie in Istanbul erfolgreich durchgeführt und soll auch auf Jordanien und den Irak ausgeweitet werden.

Auch landkreisübergreifende Projekte wie das soziokulturelle Integrationsprojekt „KIDZ Zinneberg“ werden etwa im Landkreis Ebersberg ebenfalls umgesetzt und mit den Kooperationspartnern Schulen und Fördervereine seit 2015 regelmäßig durchgeführt.

„Natürlich möchten wir auch noch im Landkreis Landsberg weiterhin mit der Sparte der Jugendprojekte präsent sein“, betont Hauck. „Jedoch erschwert der Fundus in Asch die einfache Umsetzung, allein durch Transport und Organisation.“ Eine intensive Jugendarbeit mache nur dann Sinn, wenn man auch gemeinsam auf ein langfristiges Ziel hinarbeiten kann. Ohne entsprechende Projektmaßnahmen, wie etwa Licca Line, sei das nicht zu leisten, betont Wolfgang Hauck. „Wir haben die Ausbildung und Workshops stets kostenfrei anbieten können, was auch wichtig war, um allen die Möglichkeiten zur Teilnahme zu bieten.“

Wolfgang Hauck und Peter Pruchniewitz beschränken deshalb die Jugendarbeit weitgehend auf die bisherigen Jugendlichen. „Über die Jahre sind die Beziehungen zu den Jugendlichen und deren Eltern gewachsen, das möchten wir auch erhalten. Diese Jugendlichen sind auch bei anderen kleinen Auftritten dabei. Aber es gibt keinen Raum mehr für die Ausbildung eines weiteren Nachwuchses“, betont Pruchniewitz.

„Eine kühne Vision von mir ist es, die Jugendarbeit der Stelzer für die Netzwerkbildung mit internationaler Bedeutung dauerhaft zu verankern“, so Pruchniewitz weiter. „Dazu benötigt es Lager- und Probenräume und eine Unterstützung für die Jugendarbeit. Mit einem solchen Alleinstellungsmerkmal könnte sich auch die Stadt weltweit etablieren und präsentieren. Da dies im Moment aber nicht absehbar möglich oder gewollt ist, mussten wir die schlechtere Variante außerhalb Landsbergs wählen.“

„Die Stelzer“ haben jahrzehntelang als Kulturbotschafter Landsberg in der Welt bekannt gemacht. Mit ihrem Wegzug aus Landsberg, so Hauck, „reihen sich „Die Stelzer“ sich in eine Reihe von Künstlern und Initiativen ein, die Landsberg ebenfalls verlassen haben, wie Dominikus Zimmermann, Hubert von Herkomer, die Sommerakademie Landsberg und andere“. Der formale Verwaltungssitz werde jedoch in Landsberg bleiben, so dass es immer noch heißen wird „Die Stelzer aus Landsberg am Lech“.

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