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Fronleichnam

03.06.2015

Ein Blumenteppich für den Herrn

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Christine Mayer, Sophie Haberstroh, Hannelore Freischle und Erna Huber (von links) in der Pfarrei Zu den Heiligen Engeln bei der Gestaltung eines Blumenteppichs. 

Zur Prozession schmücken Ehrenamtliche die Stationen in Landsberg mit Blütenmosaiken. Was sie antreibt, ist die Eintracht im Glauben und die Freude am Gestalten

Fronleichnamsprozession in Landsberg - das ist nicht nur ein sichtbares Glaubenszeugnis der Landsberger Katholiken, sondern auch immer wieder ein prächtiges Bild. Die Fahnenabordnungen, die Geistlichkeit im vollen Ornat unter dem kostbaren Baldachin, die Kinder in Kommunionkleidern und nicht zuletzt die goldene Monstranz, die durch die Straßen getragen wird. Zu dieser Pracht tragen auch die leuchtend bunten Blumenteppiche bei, die vor jedem der als Stationen im Freien aufgebauten Altäre liegen. Gestaltet werden sie von Ehrenamtlichen aus den Pfarreien.

Wie lange in der Pfarreiengemeinschaft Heilig Engel in Landsberg schon Blumenteppiche zu Fronleichnam gelegt werden, weiß Hermann Huber auch nicht so genau. Was er aber genau weiß, ist, dass er und seine Familie, vor allem Ehefrau Erna, gemeinsam mit weiteren engagierten Familien der Gemeinde seit 1994 diese kreative und ehrenvolle Aufgabe erfüllen.

„Wir haben ganz schlicht angefangen, aber dann haben wir gesehen, wie schön die Teppiche einiger älterer Frauen in der Gedächtniskapelle waren, und haben sie uns zum Vorbild genommen“, erzählt Erna Huber. Heute kümmert sich ein Team um die beiden Teppiche, die die Gemeinde Heilig Engel legt. Es besteht aus älteren Gemeindemitgliedern, wie den Hubers oder Hannelore Freischle und ihrer Tochter Brigitte, aber auch Pastoralassistentin Christina Blosch, 28, und einige Jugendliche aus dem Kreis der Ministranten sind dabei.

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Darunter sind auch Anna Lehner, 18, und Andreas Auerbeck, 17. „Seit zwei Jahren wird die Jugend bewusst in diese Aufgabe mit einbezogen“, erklärt Christina Blosch. Und so stammen die kreativen Entwürfe seit dem letzten Jahr von dem 17-jährigen Andi Auerbeck, der eine künstlerische Ader habe, wie Anna Lehner sagt.

Die Motive der Fronleichnamsteppiche, die in Mosaiktechnik mit frischen Blüten gelegt werden, drehen sich immer um das Thema des Tages: Eucharistie und die leibliche Gegenwart Christi, dargestellt durch Symbole: Kelch, Brot, Fische, offene Hände oder eine Jesusfigur, eine Taube steht für Frieden und Heiligen Geist oder ein Lamm für Christus. Gelegt werden die beiden Teppiche von Heilig Engel am Vortag in der Katharinen-Kirche, und zwar auf Spanplatten. „Das ist praktisch, denn so kann man sie transportieren. Nach der Prozession haben wir sie früher noch immer zum Gottesdienst mit in die Kirche genommen und vor den Altar gelegt“, erinnert sich Hannelore Freischle. Gearbeitet wird nach einer selbst gefertigten Schablone. Die Blüten und Blätter für die kunstvoll gestalteten Teppiche „betteln“ sich die Beteiligten bei Nachbarn und Gemeindemitgliedern zusammen, die freilich gerne bereit sind, dafür ihre Blumen zur Verfügung zu stellen. Hermann und Erna Huber bringen dabei selbst vieles aus dem eigenen Garten ein. Gesammelt werden Pfingstrosen für die Farben Weiß, Rosa und Rot, Goldregen und Frauenmantel ergeben ein leuchtendes Gelb, Holunder und Margeriten strahlen in Weiß, Akelei ergeben ein intensives Blau. Doch Erna Huber hat auch raffinierte Tipps auf Lager: „Der verwelkte Flieder wird braun, und wenn man ihn etwas klein schneidet, ergibt er eine schöne Erdfarbe. Für Lila verwenden wir Schnittlauchköpfe.“ Den Hintergrund bildet frisch gemähtes, nicht zu langes Gras, das eine besonders intensive Farbe hat.

Am Fronleichnamstag selbst bauen Hermann Huber und Mesner Peter Kratzer von Heilig Engel schon um 5 Uhr je einen Altar auf: einen vor der Katharinen-Kirche, einen vor der Stadtverwaltung. Die beiden statten sie prächtig mit Samtbaldachinen mit Goldborten und -troddeln, silbernen Leuchtern und weißer Tischdecke aus. Um 6 Uhr rücken dann die Teppichleger an, platzieren ihr Kunstwerk und gestalten liebevoll die Übergänge zum Altar, bis alles zu einem Blumen-Kunstwerk verschmilzt.

„Das Legen der Blumenteppiche macht einfach Spaß“, erklärt Anna Lehner ihre Motivation. „Außerdem finde ich es spannend, dass Fronleichnam ein Kirchenfest ist, das auf der Vision einer Frau beruht. Wo man doch immer sagt, in der katholischen Kirche würden Frauen nicht so wichtig genommen.“

Und sie weiß alles darüber, wie Juliana von Lüttich (1192 bis 1258) in einer Erscheinung mitgeteilt wurde, dass noch ein Fest im Kirchenjahr fehle, und wie Fronleichnam auf Julianas Anregung hin durch Papst Urban IV. 1246 eingeführt wurde. „Es ist auch gut, offen zu zeigen, wie wichtig uns der Herr ist“, bekennt die 18-Jährige sich selbstbewusst zu ihrem Glauben. Erna Huber und Hannelore Freischle nicken bestätigend: „Die Fronleichnamsprozession gibt uns ein starkes Gefühl der Verbundenheit. Die schön geschmückten Altäre, die Fahnenabordnungen, die Gemeinschaft, die Jesus als ihre Mitte durch die Straßen trägt. Und das offene Bekenntnis zum Glauben.“ Mit ihren kunstvollen Blumenteppichen wollen sie zum Gelingen dieses traditionsreichen Festtags beitragen.

Wer die Kunstwerke sehen will, kann dies bei der Fronleichnamsprozession (im Anschluss an den Gottesdienst am Donnerstag in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt) tun. Danach bleiben sie noch den ganzen Fronleichnamstag vor St. Katharina liegen.

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