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Geltendorf

17.01.2020

Ein Ehepaar aus Geltendorf und sein Kampf gegen die Fettsucht

Sie fühlen sich wohl: Barbara Echter-König und Christian Echter haben seit Mai insgesamt fast 130 Kilogramm abgenommen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Christian Echter und Barbara Echter-König aus Geltendorf haben seit Mai fast 130 Kilogramm abgenommen. Mit welchen Vorurteilen Übergewichtige kämpfen müssen.

Wer einen Body Maß Index (BMI) von über 30 hat, gilt als adipös oder krankhaft übergewichtig. Christian Echters BMI lag bei 55. Damals, 2012, wog der heute 56-jährige aus Geltendorf 198 Kilogramm. Nicht viel besser sah es bei seiner Frau Barbara Echter-König aus. Die 55-Jährige hatte einen BMI von 45. Damit fielen beide in die höchste Einstufung bei Adipositas: Grad drei. Wer das Ehepaar heute sieht, kann das kaum glauben. Unserer Zeitung haben sie erzählt, wie sie so viele Kilos verloren haben.

Nach einer operativen Verkleinerung des Magens im Mai haben sie extrem abgenommen, 75 beziehungsweise 54 Kilogramm. „Ich war über 50 Jahre fett“, blickt Echter zurück und freut sich über sein neues Lebensgefühl. Dass ihr Leben nun endlich eine Kehrtwende macht nach jahrzehntelanger Leidenszeit, sowohl körperlich als auch psychisch, hat den beiden auch die Kraft gegeben, im Oktober die Adipositas Selbsthilfegruppe Amper-Lech zu gründen. Mit Erfolg: waren es anfangs acht Mitglieder, besuchten die Weihnachtsfeier 26 Menschen mit Übergewicht.

Schon als Kind wurde er gehänselt

Schon in seiner Kindheit war Echter dick – und wurde gehänselt. „Auf allen Fotos bin ich übergewichtig, und bereits in der zweiten Klasse hat der Schularzt gesagt, ich müsse abnehmen“, erinnert er sich. Auch seine Eltern waren dick, was auf den Teller kam, musste aufgegessen werden. Später brachten 30 Jahre im Außendienst viel Stress mit sich und wenig Zeit für bewusste, gesunde Mahlzeiten. Das Übergewicht summierte sich und zog zahlreiche Leiden nach sich wie Bandscheibenvorfall, Bluthochdruck und Thrombose.

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Sie war früher sportlich und schlank

Barbara Echter-König dagegen war früher schlank und sportlich. Dann wurde sie krank, musste lange Medikamente wie starke Schmerzmittel und Kortison einnehmen - und nahm stetig zu. Jahrelang wurde sowohl ihr wie auch ihrem Mann von Ärzten unterstellt, zu viel zu essen. Kohlenhydrate reduzieren, mehr Sport machen waren die gängigen Ratschläge. „Wir wurden nicht ernst genommen“, sagen die Echters heute. Auch in der Bevölkerung gelte die Auffassung, Übergewichtige seien faul und gefräßig.

Beide mussten mit anzüglichen Kommentaren und Diskriminierung leben. So wurde Echter bei einer Bewerbung mitgeteilt, dass er fachlich dem Job entspräche, aber ästhetisch nicht dem Firmenbild. Dabei haben es Dicke ohnehin schwer im Alltag: Im Biergarten wird zuerst einmal der Stuhl auf Tauglichkeit geprüft, Plastikstühle oder solche mit Lehnen scheiden ohnehin aus. Im Aufzug ist auf die Gesamtbelastung zu achten, Theatersitze sind zu eng und im Flugzeug muss nach einer Gurtverlängerung gefragt werden.

Die positiven Erfahrungen weitergeben

Durch Diskriminierung, immer wieder fehlgeschlagene Diäten und zunehmenden Krankheiten ziehen sich Übergewichtige daher oft zurück und leiden an Depressionen. Das Ehepaar Echter hat diese Leidenszeit hinter sich. Geholfen haben ihnen dabei eine auf Adipositas spezialisierte Klinik in Bogenhausen, Verhaltenstherapeuten sowie die Selbsthilfegruppen, die sie nach wie vor in München besuchen. Dadurch sind sie selbstbewusster geworden und haben sich intensiv mit ihrer Krankheit auseinandergesetzt. Ihre positiven Erfahrungen wollen sie nun an andere Menschen mit ähnlichen Problemen weitergeben und gleichzeitig Raum bieten für Geselligkeit und gemeinsames Schwimmen in privatem Rahmen in der Schulschwimmhalle in Türkenfeld.

Das Essverhalten wird kontrolliert

Auch wenn die Echters nun fast normalgewichtig sind, wissen sie: Adipositas bleibt ihre Krankheit - lebenslang. „Wir sind dünne Dicke“, sagt Christian Echter. Auch nach der Magen-OP muss das Essverhalten kontrolliert werden, sonst wird der Magen wieder ausgedehnt – und die Nachsorge ist wichtig, sonst ist die Rückfallquote hoch. Selbsthilfegruppen geben auch dabei einen wichtigen Halt.

Am Samstag, 18. Januar, von 14 bis 18 Uhr lädt die SHG Amper-Lech zum Tag der offenen Tür ins Pfarrheim in Türkenfeld mit Fachvorträgen von Ärzten, Rechtsanwälten (Medizinrecht) und Therapeuten ein.

Auch in Landsberg gibt es eine Selbsthilfegruppe: Wenn Diäten und Therapien nicht mehr weiterhelfen

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