Orgelsommer

22.07.2013

Ein Erlebnis

Orgelsommer mit Juan de la Rubia in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Juan de la Rubia in Landsberg

Landsberg Orgelsommer am Samstagvormittag: Wer bei der jüngsten Matinee mit der Vorstellung in die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ging, er könne sich bei meditativer Orgelmusik kurz entspannen und zur Ruhe kommen – ja, leider verloren. Wer aber einen Organisten hören wollte, für den einem die Prädikate ausgehen, einen Jungspund mit überbordender Virtuosität, die er – kein Widerspruch! – innerhalb einer präzisen Akkuratesse auslebt, der aber auch die feinen Töne einer Orgel mit feiner Registrierung und lang gehaltenen Akkorden zur Geltung kommen lässt, der Besucher war bei dem Konzert hervorragend aufgehoben. Schon der Beginn, Bachs Sinfonie zur Kantate „Wir danken dir“, geriet zum Erlebnis. Der Spanier Juan de la Rubia (Jahrgang 1982), Titular Organist an der Sagrada Familia, der wohl bekanntesten Kirche in Barcelona, hat diese Komposition für Orgel transkribiert und sich damit quasi auf den Leib geschrieben, was bedeutet, dass das Stück vollgepackt war mit schnellen Läufen und von vielen Schnörkeln umspielten Tönen. Beim folgenden Stück änderte sich das. Bei der Corrente italiana, die sich der Spanier Juan Cabanilles, fast ein Zeitgenosse Bachs, ausgedacht hatte, zeigte der Organist eine andere, eine zarte Seite.

Der Bachchoral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ in der Bearbeitung von Bach selbst und zwei weiteren Komponisten war eine reizvolle Gegenüberstellung und erwies sich musikalisch als Erholung für die Zuhörer, um bereit zu sein für das, was abschließend auf sie niederprasselte. Juan de la Rubia intonierte den Pilgerchor aus Tannhäuser und die Walhallaszene aus Parsifal, beides für Orgel bearbeitet von Edwin Lemare. Wunderbar herauszuhören waren die Untermalungen der Streicher beim ruhigen Pilgerchor. Den mächtigsten Eindruck aber hinterließ die Beinarbeit bei der Walhallaszene, ein dunkles Gewolke aus gefühlt sämtlichen Pedalen. Die Musik, ein wunderbarer Wechsel zwischen forte und piano, sirenenartiges Auf und Ab an den Manualen – Begeisterung pur am Ende. (löbh)

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