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Region Landsberg

20.02.2018

Ein Tischchen, an dem auch Schröder saß

Besonders gelungen ist die Transponierung der „Kommandozentrale“, Buchheims Arbeitszimmer, in dem schon der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder bewirtet wurde.
Bild: Nue Ammann

Im Buchheim-Museum in Bernried gibt es ganz persönliche Dinge des ehemaligen Kunstsammlers zu sehen. Er wäre diese Woche 100 Jahre alt geworden.

Zu Lothar-Günther Buchheims 100. Geburtstag hat die neue Dauerausstellung, „Haus Buchheim. Übertragungen“, im „Museum der Phantasie“ in Bernried eröffnet. Nach seinen ersten Erfolgen als Kunsthändler und Verleger erwarb Lothar-Günther Buchheim mit seiner zweiten Ehefrau Diethild 1955 ein Landhaus in Feldafing, das er ab 1957 mithilfe des Architekten und Künstlers Rupprecht Geiger zu einem 17-räumigen Wohn- und Verlagsgebäude ausbaute.

Nach dem Tod Buchheims (2007) und dem seiner Witwe (2014) entstand der Plan einer Übertragung zentraler Elemente ins Museum nach Bernried. Durch die Auswahl und damit Verdichtung der Gegebenheiten entsteht dort ein reizvolles, wohl pointiertes Gesamtbild, das den Besucher einlädt, sich den Buchheims auf eine persönliche Art und Weise zu nähern. Die überbordende Fülle der Dinge in den Regalen, auf den Kommoden und Schränken und an den Wänden entspricht so gar nicht den gängigen Vorstellungen eines Haushalts eines millionenschweren Kunstsammlers, Autors und Verlegers.

Die Wandbemalung enthält Anspielungen zum Leben der Buchheims

Und genau darin offenbart sich das Wesen der Bewohner dieses einzigartigen Hauses, deren Leidenschaft für optisch Reizvolles, Fantastisches, Spielerisches. Man betritt zunächst den nicht allzu großen, vom Cartoonisten Hans Fischer (1929 bis 2016) bemalten Empfangsraum, das Chinesische Zimmer, „in dem unliebsame Gäste zwischen Glasblumen, Holz- und Keramikfiguren einem Telefon aus China sowie einem Glaslüster aus Murano auf Wiener Thonet-Stühlen Platz nehmen mussten“. Die in Schwarz-Weiß gehaltene Wandbemalung enthält anekdotische Anspielungen auf das Leben des Ehepaars und bietet einen pittoresken Rahmen für die dekorativen Chinoiserien.

Um die Ecke folgt die „Kommandozentrale“, der Aufbau von Buchheims Büro mit übervollen Wandregalen – er soll mehr als 50.000 Bücher besessen haben – und dessen Schreibtisch. Dieser ist „ein billiges altes Holzbrett auf einem Stahlrohrgestell, ergänzt von einem windigen Resopal-Campingtischlein, an dem bei einer Tasse Tee Bundeskanzler Gerhard Schröder oder der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber empfangen wurden“, wie die Texttafel dort verrät. Kernstück der Neuaufstelllung ist das Esszimmer, das der Legende nach 1957 in einer einzigen rauschhaften Nacht von Lothar-Günther Buchheim und dem befreundeten belgischen Comicautor Maurice Rosy mit kunterbunten Zirkusmotiven bemalt und beklebt worden sein soll.

Buchheim war Zirkusfan

Neben Buchheims einzeln präsentierten Kleiderschranktüren steht eine Kiste, die eine Auswahl an Buchheims Garderobe enthält: ausgelatschte Turnschuhe, verbeulte Hosen, zerschlissene Jacken. Der Millionär hatte Spaß an der Unterwanderung von Klischees und war als passionierter Zirkusfan immer für Clownerien zu haben.

Das man der eigenen Sammelleidenschaft irgendwann ausgeliefert ist, und der „Beglückung“ Dinge zu finden, erwerben und besitzen zwangsläufig die „Beklemmung“ folgt, wurde auch Lothar-Günther Buchheim immer deutlicher: „Ohne es recht zu wollen, wird der Mensch, der seiner Augenlust und Entdeckerfreude frönt, zum Anhäufer. Es wird eng und immer enger in seiner Behausung. (…) In seiner Zwangslage erträumt sich da einer ein Museum in den Wolken, ein Phantasiegebäude über der Sphäre der menschlichen Niederungen, eine Zuflucht seiner Träume, Erlösung aus der Drangsal.“

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