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24.08.2018

Einen Grundstein will Josef Lutzenberger noch legen

Bis zum letzten Tag seiner Amtszeit als Bürgermeister will Josef Lutzenberger „Gas geben“ und sich für seine Gemeinde Utting einsetzen – auch wenn er nicht mehr alle begonnen Projekte beenden können wird.
Bild: Alois Kramer

Uttings Bürgermeister wird bei den nächsten Kommunalwahlen 2020 nicht mehr antreten. Welche Ziele er bis dahin noch verfolgt.

Schon in etwas weniger als zwei Jahren stehen im Freistaat die Kommunalwahlen an. Für viele in der Lokalpolitik tätigen Mandatsträger eine spannende Zeit. Wir unterhalten uns in loser Reihenfolge mit Bürgermeistern der Ammerseegemeinden über ihre Pläne in den Gemeinden und über deren persönliche Lebensplanungen. Diesmal steht Rede und Antwort: Josef Lutzenberger, Bürgermeister von Utting.

Gibt es ein oder mehrere Projekte, die Sie in Ihrer Amtszeit noch bis 2020 unbedingt realisieren möchten?

Josef Lutzenberger: Mit unserem ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) wollen wir den Eintritt in die Städtebauförderung erreichen. Zum Umfang soll auch der Bau eines neuen Jugendhauses gehören. Viele Bürger wünschen sich zudem einen Spielplatz im Summerpark. Im Haushalt sind die Mittel eingestellt, ein erstes Treffen mit Beteiligten und einem Spielplatz-Experten hat schon stattgefunden. Bis 2020 soll zudem der Verkauf des Grundstücks auf dem 5000 Quadratmeter großen Mentergelände im Rahmen eines Investoren-Wettbewerbs abgeschlossen sein. Das größte Projekt, das Utting derzeit angepackt hat, ist die Bebauung des Schmuckergeländes. Die wird sicher während meiner Amtszeit nicht mehr fertiggestellt, aber die Grundsteinlegung möchte ich noch als Bürgermeister erleben.

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Das heißt, Sie werden in zwei Jahren nicht mehr als Kandidat für das Amt des Bürgermeisters antreten?

Lutzenberger: Nein, das werde ich definitiv nicht mehr. Ich kandidiere nicht mehr, aber ich werde bis zum letzten Tag im Amt Gas geben, weil ich gerne Bürgermeister bin. Ich habe aber manchmal den Eindruck, dass Amtsträger sich für unersetzbar halten. Das wird mir nicht passieren.

Im neuen Baugebiet soll es Carsharing geben

Wie sieht in der Gemeinde Utting das Konzept sowohl für den öffentlichen Personennahverkehr als auch den privaten aus?

Lutzenberger: Mobilität wird bei ISEK eine große Rolle spielen. Zudem haben wir bei der Erstellung von Bebauungsplänen grundsätzlich ein Augenmerk auf die kleinen, fußläufigen Verbindungswege gelegt, auf denen man als Fußgänger schnell, abseits vom Autoverkehr und entlang schöner Gärten von A nach B kommt. Ein gutes Beispiel dafür ist die geplante Bebauung in der Bahnhofstraße. Dort werden weitere Wege geschaffen. Auf dem Schmuckerareal wird eine Carsharing-Station etabliert. Bereits realisiert haben wir einen funktionalen Radständer am Bahnhof sowie die E-Bike-Ladestation am Pavillon im Freizeitgelände. 2017 hat die Gemeinde eine Aktion für Strandbadbesucher gestartet: Wer mit dem Zug kam, hatte freien Eintritt.

Wie sehen Sie die Situation der Flüchtlinge in Ihrer Gemeinde?

Lutzenberger: Zu Spitzenzeiten lebten in Utting über 100 Flüchtlinge. Die Zahlen sind stark zurückgegangen auf 34 im Seefelderhof und zwei in Holzhausen. In fünf gemeindlichen Wohnungen leben anerkannte Asylbewerber, darunter auch Familien. Zwei Migranten haben wir auf 450-Euro-Basis im Bauhof beschäftigt. Die Zusammenarbeit läuft gut, ihre Verträge wurden um ein Jahr verlängert. Viele ehrenamtliche Helfer unterstützen nach wie vor sehr engagiert. Wertvolle Hilfe leistet zudem unsere Integrationsbeauftragte

Wie beurteilen Sie die Zukunft der Kommune in wirtschaftlicher Hinsicht?

Lutzenberger: Aufgrund von Gewerbesteuerrückzahlungen durchläuft die Gemeinde derzeit eine Durststrecke. Auf lange Sicht steht sie jedoch, unter anderem durch die Einkommensteuerbeteiligung, auf gesunden Füßen. Im geplanten Gewerbegebiet im Westen werden weitere Ausbildungs- und Arbeitsplätze entstehen.

Wie stehen Sie zur explosionsartigen Entwicklung der Bodenpreise am Ammersee?

Lutzenberger: Unser Ziel ist es, dass die soziale Mischung in Utting erhalten bleibt. Es darf nicht sein, dass Leistungsträger der Ortsgemeinschaft, wie zum Beispiel Feuerwehrleute, sich vor Ort das Bauen und Leben nicht mehr leisten können und wegziehen. Wir versuchen, die Mietpreise im Zaum zu halten, in dem wir gemeindliche Wohnungen erhalten und neue bauen. Derzeit sind 54 im Besitz der Gemeinde. Auf dem Schmuckergelände werden weitere 85 entstehen. So schaffen wir erschwinglichen Wohnraum. Die Bodenpreise unterliegen jedoch den Gesetzen des Marktes und können von der Gemeinde nicht beeinflusst werden. In Utting werden bereits 1000 Euro für einen Quadratmeter Bauland bezahlt. Wir wollen jedoch nicht, dass Utting an den Rändern immer weiter nach außen wächst. Deshalb hat sich der Gemeinderat darauf verständigt, dass wir der Nachverdichtung im Ort den Vorzug geben. So ist es auch im Flächennutzungsplan definiert.

Haben Sie das Gefühl, dass in Ihrer Kommune die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinandergeht?

Lutzenberger: Ja, eben durch die Bodenpreise. Normalverdiener können sich auf dem freien Markt kein Grundstück mehr leisten. Der Zuzug verändert das soziale Gefüge im Ort. In Utting ist die Armut nicht sichtbar, es gibt sie aber verdeckt.

Letzte Frage: Wie verbringt der Bürgermeister seinen Urlaub?

Lutzenberger: Daheim in Utting und auf dem See.

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