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Kabarett

15.03.2019

Einfach mal den Verstand benutzen

Zu wenig Licht im Stadttheater? Alfred Dorfer brachte es gleich mit. Das Programm, das er bot, war wie immer erhellend und sehr treffend.
Bild: Julian Leitenstorfer

Alfred Dorfer wagt auszusprechen, was viele denken, auch wenn es nicht politisch korrekt ist. Einen Moment lang stockt den Zuschauern der Atem

Unter der Rubrik „Kabarett“ trat Alfred Dorfer im Landsberger Stadttheater auf, manchen noch bekannt als Koautor mit Josef Hader des Theaterstücks „Indien“. In die Wege geleitet hatte diese kleine Sensation Musikprogrammleiter Edmund Epple, der das, was Dorfer macht, seinerseits als „Lebenshilfe für Fortgeschrittene“ bezeichnete. Man könnte auch sagen, hier wagt es endlich jemand, Wahrheit auszusprechen, zu sagen, was er wirklich denkt (und viele andere auch), ohne auf die Kategorien „links“ oder „rechts“ zu achten oder auf Political Correctness. Das tut gut. Und damit sind wir schon mitten drin im Thema. Thema?

Dorfer springt in seinem scharfsichtigen, erfrischend sarkastischen Redefluss (dem man gefühlt unendlich lange zuhören könnte) von einem Thema zum anderen – stets auf der Suche nach dem Kern, der dahinter steckt. Schon sein erster Auftritt ist Satire: Vom Publikum abgewandt schlendert er Handy-telefonierend auf die Bühne, das Publikum klatscht. „Geht das a bissl leiser, ich telefonier grad.“ Er sei eben in Landsberg, ja, da wo der Hoeneß, ja, und der andere, die beiden mit „H“. Gleich geht er los auf die Handy-Junkies, die überall nur an das eine denken: Hast du Netz? Über den Verlust der Eigenverantwortung lässt er sich aus, zum Beispiel bei Speisekarten, die alle möglichen Allergene angeben müssen, anstatt dass der Betroffene sich selbst kümmert. „Ich vertrag ja auch keinen Rotwein und sauf ihn trotzdem!“

Als Österreicher stellt er zweierlei fest: Die Österreicher hegten einen Komplex gegenüber den Deutschen, die seien in allem besser als Erstere. Da die Deutschen derselben Meinung sind, „matcht si des“, passt also und verstärkt sich. Und in Österreich gebe es einen ganz eigenen Flüchtlingsstrom: den der deutschen Studenten, die den Numerus Clausus in Deutschland nicht schaffen, sagt er, die Augen voller Betroffenheitstränen. „Lauter unbegleitete Minderjährige!“

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Der Wahrheitssucher amüsiert sich über Studien, vor allem Studien aus den USA, die immer angeführt würden, wenn eine der dümmsten Fragen gestellt werde: „Ist das wissenschaftlich erwiesen?“ Eine noch dümmere Antwort weiß Dorfer auch: „Das weiß man aus der Hirnforschung!“ Darunter setzt er nur die Feststellung: „Wer viel weiß, hat noch lange nichts verstanden.“

Was ist also wahr – richtig – in unseren Augen? Der spannendste Moment im Programm von Alfred Dorfer ist die atemlose Stille, die eintritt, nachdem er – auf die europäischen Werte hinweisend – gesagt hat: „Wer Frauen nicht die Hand gibt, ist hier nicht richtig.“ Die Zuschauer erstarren. Was soll man tun? Applaudieren, auf die Gefahr hin, in die AfD-Ecke gerückt zu werden? Nicht applaudieren, und so die eigene Zustimmung unterdrücken? Dorfer hat eine einfache Antwort: „Lassen wir doch endlich diese Rechts-links-Sch… hinter uns und benutzen wir unseren Verstand!“ Aus der Schwere und Ernsthaftigkeit dieser Kant’schen Gedanken reißt Dorfer die Zuhörer mit leichter Kost: Der Mann und die Brösel in der Küche, ein ewiges Thema. Überhaupt, Männer. Männer in seinem Alter, die „in Würde dem Tod entgegengehen“ sollen. Wie das geht? Drei Punkte gelte es zu beachten: Nicht die Haare färben, kein Motorradführerschein und keine kurzen Hosen!

Über Talkshows sagt Dorfer, es traue sich ja niemand mehr, es auszusprechen, wenn jemand ganz offensichtlich Quatsch erzählt. „Interessant“ und „spannend“ lauteten hier die angesagten Reaktionen. Mit der „letzten Frage“ der Menschheit schließt der Wiener Satiriker seinen wohltuenden Rundumschlag: „Woa’s des?“ Und Gott antwortet: „Ja, des woa’s.“ Doch halt! Er kommt noch mal auf die Bühne. Setzt sich hin und schlüpft in die Rolle von Zuschauertypen, gibt Kommentare über die Vorstellung ab – ein köstliches und entlarvendes Zuckerl zum Schluss einer Vorstellung, die man als Therapie gegen die alltägliche Schizophrenie eigentlich von der Krankenkasse verschrieben bekommen sollte.

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