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Porträt

14.01.2012

Ereignisreiche 80 Jahre

Hans-Achaz Freiherr von Lindenfels, ehemaliger OB von Marktredwitz und früherer Lions-Präsident, hat heute Geburtstag

Landsberg Was für ein ereignisreiches Leben: Er war 20 Jahre Oberbürgermeister von Marktredwitz, erlebte hautnah den Fall der DDR-Grenze mit, war in Dresden am Aufbau Ost beteiligt und setzte sich für den Wiederaufbau der Frauenkirche ein – und „nebenbei“ tat er auch noch viel Gutes, unter anderem als Präsident des Landsberger Lions Clubs. Am heutigen Samstag wird Hans-Achaz Freiherr von Lindenfels 80 Jahre alt.

Von Lindenfels wurde 1932 in Nürnberg geboren, machte in Amberg sein Abitur und studierte in München Jura, bevor er in den Staatsdienst trat und unter anderem bei der Regierung der Oberpfalz tätig war.

1970 wurde er als Parteifreier zum Oberbürgermeister der damals noch kreisfreien Stadt Marktredwitz gewählt – ein Amt, das von Lindenfels 20 Jahre lang innehatte, bis er mit der vierten Wiederwahl im Jahr 1990 scheiterte. „Die verlorene Wahl war für mich die größte persönliche Herausforderung“, gesteht er. Doch während andere solche Niederlagen nur schwer oder gar nicht wegstecken, findet der humanistisch geprägte, kunstsinnige Alt-OB zu einer neuen Aufgabe: Im Oktober 1989 hat er in Prag vor der deutschen Botschaft die Aufbruchstimmung der DDR-Flüchtlinge miterlebt, die später in die Bundesrepublik ausreisen durften. Im November stehen er und seine Frau Benita dem Ansturm von 60000 DDR-Bürgern gegenüber, die in Marktredwitz ihr Begrüßungsgeld abholen: „Rund um die Uhr leisteten wir erste Hilfe“, berichtet er.

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Und nach der OB-Zeit wird er im Osten als Berater tätig – zunächst in der Stadt Adorf in Sachsen, dann im Auftrag des Bayerischen Städtetages in Dresden und schließlich als Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Dresden, die 52000 (bis dato staatliche) Wohnungen zu privatisieren hat.

Von Lindenfels entwickelt ein Modell, mit dem die Privatisierungserlöse in die Sanierung anderer Wohnungen gesteckt und Altschulden abgebaut werden. Seine „Südost WOBA“ ist als erste derartige Gesellschaft in den neuen Bundesländern schuldenfrei, und als die Stadt Dresden 2006 ihren Wohnungsbestand verkauft, ist sie als einzige deutsche Landeshauptstadt ohne Schulden. „Ich bin sehr befriedigt, zu dieser positiven Entwicklung einen Beitrag geleistet zu haben“, sagt von Lindenfels.

In Dresden engagierte sich der Baron für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Dresdner Frauenkirche – für ihn nur eine konsequente Weiterführung von Marktredwitzer Aktivitäten, wo er an der Realisierung des britisch-deutschen Versöhnungsgobelins beteiligt war. Der symbolhafte Wandteppich, von einer Marktredwitzer Künstlerin gestaltet, hängt in der Kathedrale von Chichester. Die Weihe der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche im Jahr 2005 ist für ihn „eines meiner wichtigsten spirituellen Erlebnisse“.

Rückblickend, sagt der Jubilar, sei es für ihn richtig gewesen, Marktredwitz zu verlassen und im Osten neue Herausforderungen zu suchen. Weiterhin tätig ist von Lindenfels aber auch noch in der Stadt, in der er 20 Jahre Oberbürgermeister war. Bereits 1981 entwickelte er eine „Vision“ von einem Museum mit Werken Egerländer Künstler. Bis zum Ende seiner Amtszeit bereitet er dies auch vor, aber erst 1999 wird die „Egerländer Kunstgalerie“ in Marktredwitz eröffnet.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich Hans-Achaz von Lindenfels bereits als Rechtsanwalt („Dieser Jugendtraum ging erst im Ruhestand in Erfüllung“) in München niedergelassen und wohnt mit Ehefrau Benita, die erst im Mai vergangenen Jahres einem Krebsleiden erlag, in Landsberg. Hier engagiert er sich vor allem im Lions Club, dessen Motto „We serve – wir dienen“ von Lindenfels wörtlich nimmt. Im Jahr 2008 bereitet er als Präsident das 40. Gründungsjubiläum des Landsberger Lions Clubs vor.

Für sein berufliches und ehrenamtliches Engagement hat von Lindenfels eine Fülle von Auszeichnungen erhalten – von der Ehrenbürgerschaft in Marktredwitz bis hin zum Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und der der Bayerischen Staatsmedaille. Er ist Ehrenmitglied der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche und wurde außerdem mit dem Egerländer Kulturpreis 2008 geehrt.

Hans-Achaz Freiherr von Lindenfels wird heute 80. Foto: Thorsten Jordan

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