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Auftakt

09.11.2018

Erst Horror, dann Lachen

Das Cabinet des Dr. Caligari mit den Musikern Werner Küspert (Gitarre), Bastian Jütte (Schlagzeug), Till Martin (Saxofon) und Dietmar Fuhr (Kontrabass).
Bild: leit

„Kultur wider das Vergessen“ mit Stummfilmklassiker

Vor der Pause: Horror, Wahnsinn und Realitätsverdrehung. Nach der Pause: eine herrlich absurde Komödie voller grotesker Komik. Zwei wahre Perlen der Filmgeschichte gab es am Mittwoch im Filmforum des Stadttheaters: den Horrorklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ sowie die Komödie „Die Austernprinzessin“ von Ernst Lubitsch. Das Besondere: Beide Filme wurden live begleitet mit modernen Jazzimprovisationen des großartigen Ensembles „Küspert und Kollegen“ rund um den Komponisten und Musiker Werner Küspert. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung „Kultur wider das Vergessen“ der Bürgervereinigung „Landsberg im 20. Jahrhundert“ erinnerte deren Sprecher Stephan Albrecht daran, dass beide Filme in der Nazizeit verboten waren. Der Berliner Ernst Lubitsch war aschkenasischer Jude, wanderte bereits 1920 nach Amerika aus und wurde dort als erfolgreicher Regisseur gefeiert. Auch Regisseur Robert Wiene (Dr. Caligari) war jüdischer Herkunft und musste 1934 vor den Nazis nach Paris emigrieren.

Beide Stummfilme wurden vor rund 100 Jahren gedreht, sind jedoch aufgrund aufwendiger digitaler Restaurierungen in perfekt erneuertem Zustand. In der Stummfilmzeit der ersten Hälfte der 20er- Jahre entstand in Berlin der deutsche Film-Expressionismus. Verzerrte Kulissen mit expressionistischen Malereien, surrealistische und symbolistische Arrangements sowie betont übertriebene gestische Darstellungsweisen der Schauspieler waren die Stilmittel des Genres.

In der Frühzeit der Stummfilme wurden die Vorführungen in der Regel live von einem Klavierspieler begleitet. Eine vergleichsweise einfache Situation, so Gitarrist und Komponist Werner Küspert. Ganz anders dagegen die Improvisationen seines Ensembles. „Ich habe nicht nur komplette Stücke geschrieben, sondern auch relativ komplexe Strukturen geschaffen, innerhalb derer sich die Musiker improvisatorisch bewegen und vor allem in Interaktion zueinander treten und zudem auf die Bilder reagieren sowie Bild- und Filmsequenzen musikalisch vorbereiten.“ Seine Musiker setzten es gekonnt um: Echo-Jazzpreisträger Bastian Jütte am Schlagzeug, Dietmar Fuhr, „einer der bedeutendsten europäischen Jazzbassisten“, am Kontrabass sowie der vielfach ausgezeichnete Saxofonist und Klarinettist Till Martin (Preis der deutschen Schallplattenkritik, Neuer Deutscher Jazzpreis, Bayerischer Kulturförderpreis). (felt)

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