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Kultur

19.05.2020

„Es gibt viele Wege, Theater zu machen“

Theaterpädagogin Julia Andres leitet die Junge Bühne.
Bild: Studioline Photography

Das Coronavirus bremst auch die Junge Bühne aus. Wie Theaterpädagogin Julia Andres weiterarbeitet

Die Götter im Olymp leiden. Klimawandel und Umweltverschmutzung sind auch im Götterhimmel angekommen, doch der Einfluss der ehemals Allmächtigen ist im Laufe der Jahrhunderte immer weiter gesunken. Wie also die Menschen dazu bewegen, endlich etwas zu unternehmen, um mit der Erde auch das Paradies der Götter zu retten? Eigentlich ein hochaktuelles Stück, das sich die Jugendlichen von der Jungen Bühne des Stadttheaters unter der Leitung von Julia Andres da ausgedacht haben. Dann kam Corona und machte eine ganze Menge Jugendarbeit erst mal zunichte: Das Stadttheater ist bis auf Weiteres geschlossen, Stücke wurden abgesagt und Proben sind derzeit nicht möglich.

Doch die Theaterpädagogin Julia Andres (50) ist weiterhin voller Elan. „Jetzt ist Kreativität und Flexibilität gefordert. Wenn Plan A nicht funktioniert, dann arbeiten wir eben an Plan B oder C. Geht nicht gibt’s bei uns nicht.“ Gleich zu Beginn des Lockdowns verabredete sich Andres mit ihren Schülern zu einem Online-Meeting. Die Aufführung der Göttergeschichte war für Mitte Juli geplant. „Ich hätte mir vorstellen können, alles so umzuarbeiten, dass eine Aufführung unter Einhaltung aller Regeln möglich wäre.“ Also kürzen und ohne Pause spielen beispielsweise.

Aber die Jugendlichen, die die Idee und das Stück selbst entwickelt hatten, lehnten ab. Geplant war, die gesamte Aufführung ausschließlich mit Müll auszustatten, eine Art „Up-cycling“-Projekt. Also beschloss man, jetzt erst mal am Bühnenbild, an den Requisiten und den Kostümen zu arbeiten. Julia Andres mailte Fotostrecken mit Bastelanleitungen und Onlinezeichnungen fürs Bühnenbild. Der von jedem Einzelnen gesammelte Müll sollte sortiert werden, „das heißt, ich fahre bei jedem vorbei und sammle ein, was vor der Tür steht, sortiere zuhause um und bringe jedem wieder, was er für seinen Teil braucht.“

Mit den aktuellen Lockerungen wird es vielleicht, so hofft Andres, möglich sein, sich wenigstens in Kleingruppen zu treffen. „Basteln mit zwei Meter Abstand und Schutzmaske könnte ich mir schon vorstellen.“ Reguläre Proben sind allerdings weiterhin nicht möglich und Theater auf Distanz macht ihrer Meinung nach nur dann wirklich Sinn, wenn das Stück genau darauf ausgelegt ist. Das Theaterspielen an sich hält die ausgebildete Theaterwissenschaftlerin (sowie -Pädagogin und -Psychologin) jedoch für überaus sinnvoll, „das Theaterspielen ist wichtiger denn je, denn hier können die Jugendlichen Dinge, die sie belasten, zum Ausdruck bringen und gemeinsam bearbeiten.“

Alle ihre Schüler waren „gleich Feuer und Flamme“ als es hieß, wir machen einfach online weiter. Gerade bei den aktuellen Kontaktbeschränkungen und dem virtuellen Schulunterricht tue es den Jugendlichen gut, an einem gemeinsamen und positiv besetzten Projekt zu arbeiten. Seitdem sind kleine Videos entstanden, die sich humorvoll und aus Theaterperspektive mit der Corona-Situation auseinandersetzen (abrufbar auf der Homepage des Stadttheaters). Die Aufführung eines weiteren, für Ende Mai geplanten Stücks („Perspektive“), musste komplett abgesagt werden. Auch hier entstehen gerade weitere Videos, damit „die ganze Arbeit wenigstens nicht umsonst war.“ Und für das Stück „Die Agentur“, das für den Herbst geplant ist, arbeiten alle gerade mit Hochdruck an Werbe- und Videoclips, die auf der Bühne eingespielt werden sollen.

Julia Andres ist auch in kontaktbeschränkten Zeiten voller Energie und Ideen, dennoch vermisse sie den direkten Kontakt sehr, „ dass was in der Interaktion entsteht, die ganzen tausend Ideen, die sich spontan entwickeln, die gegenseitige Befruchtung, das fehlt schon.“ Aber: „Es gibt so viele Wege, Theater zu machen, und wenn auch das reale Theater natürlich am wirkungsvollsten ist, so ist unser Weg doch besser als gar kein Theater.“ (felt)

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