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Geltendorf

02.09.2019

Geltendorf: Dreschen, so wie es früher war

Jede Menge geboten war auch dieses Jahr beim Geltendorfer Dreschfest. Viele historische Geräte kamen zum Einsatz.
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Jede Menge geboten war auch dieses Jahr beim Geltendorfer Dreschfest. Viele historische Geräte kamen zum Einsatz.
Bild: Thorsten Jordan

Nur alle drei Jahre findet in Geltendorf das Dreschfest statt. Dort wird gezeigt, wie mühsam die Getreideernte in vergangenen Zeiten war. Doch nicht nur alte Technik ist zu sehen.

Dreschen wie anno dazumal, und nicht nur das: Ein Zimmermann arbeitet mit herkömmlichem Werkzeug, ein Schmied versorgt das Feuer auf seiner Esse über einen Blasebalg mit ausreichend Luft, ein Spinnrad wird gedreht. In der Hauptsache aber waren schon jede Menge bäuerlicher Geräte und Maschinen aus früherer Zeit zu bestaunen – beim Dreschfest in Geltendorf. Zum achten Mal organisierte die Feuerwehr Geltendorf dieses Fest, das alle drei Jahre viele Interessierte auch aus der weiteren Umgebung in den Ort lockt. Und heuer spielte im Gegensatz zu früheren Dreschfesten und gegen alle Prognosen und Vorhersagen sogar das Wetter mit.

Bei den Vorführungen brannte die Sonne beinah unbarmherzig vom Himmel, sodass die fleißigen Dreschflegelschwinger immer wieder Trinkpausen forderten. „Die Getreideernte war eine der härtesten Arbeiten auf einem Bauernhof“, erklärte der Moderator. „Alle mussten mithelfen – Jung und Alt, Männer und Frauen.“ Leichter sei es mit dem Stiftendrescher geworden. Diese um 1800 erfundene Dreschmaschine habe von zwei Männern angetrieben werden können. Beim Dreschfest übernahm diese Arbeit sehr zuverlässig ein Pferd. Die Dreschmaschine, wie sie noch lang nach dem Zweiten Weltkrieg in Benutzung war, funktionierte bereits nach dem noch heute in den modernen Riesenmähdreschern angewandten Prinzip.

Ein Besuch beim Geltendorfer Dreschfest

Volle Action beim Dreschfest in Geltendorf. Gerade werden die historischen Dreschmethoden vorgeführt. Die Megeles an der Unkel.

Gepostet von Landsberger Tagblatt am Sonntag, 1. September 2019


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An so einem Schlagleistendrescher hatten einige Personen alle Hände voll zu tun, wie die Festbesucher sehen konnten. Vom Entbinden der Garben bis zum Bündeln des ausgedroschenen Strohs waren viele Hände nötig. Danach mussten Getreide, Stroh und Spreu richtig eingelagert werden. Und davor: Da waren Frauen beispielsweise damit beschäftigt, Stricke für die Garben zu drehen. Auch dieses alte Handwerk konnte in Geltendorf bestaunt werden.

Drei junge Feuerwehrfrauen haben sich heuer zum ersten Mal an diese Arbeit gewagt. „Das hat bis zum vorletzten Dreschfest meine Oma Irmgard mit ihrer Freundin gemacht“, erzählt Julia Hartmann. Als Kind habe sie schon immer zugeschaut, aber jetzt sei es ihr richtig beigebracht worden. Sie hat gemeinsam mit ihren Freundinnen und Feuerwehrkolleginnen Sophie Rauschmayr und Nicole Metzger trockenes Seegras zu langen Schnüren und anschließend zu fast zwei Meter langen Kordeln gedreht.

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Die historischen Vorführungen der Dreschmethoden begeistern immer wieder die Leute, zumal das Fest nur alle drei Jahre stattfindet.
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Da staubt es beim Drescherfest in Geltendorf
Bild: Thorsten Jordan

Auf einem extra abgesperrten Platz geht es nicht so schweißtreibend zu wie beim Dreschen. Dort werden maßstabgetreu nachgebaute Modelltraktoren ferngesteuert – von erwachsenen Männern. Es sind Mitglieder der „Rubber Duck Modellfreunde Augsburg“. Keine dieser teilweise sehr kräftigen Traktoren und Schubraupen sind gekauft oder aus Bausätzen entstanden, erklärt ein Mitglied. „Alles ist echte Handarbeit.“

Ein Wettkampf der besonderen Art

Einer der Höhepunkte der Vorführungen war ein erstmals ausgetragener Wettkampf „Mensch gegen Maschine“. Es sollte getestet werden, wie viele Männer notwendig sind, um einem kleinen, alten Deutz Paroli zu bieten. Doch der ließ sich sehr lange bitten. Immer mehr Männer mussten an dem Seil ziehen, das am Bulldog befestigt war. Erst als der kleine Deutz leicht bergauf fahren musste und 13 Männer das zu verhindern versuchten, gab sich die Maschine geschlagen.

Das achte Dreschfest in Geltendorf hatte bereits am Vormittag mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche begonnen. Danach ging es ins Zelt auf dem Festplatz, wo für Essen und Trinken und musikalische Unterhaltung mit dem Blasorchester Geltendorf gesorgt war. Auf dem Freigelände konnten historische Geräte und Maschinen besichtigt werden.

Dafür hatten die Schlepperfreunde Moorenweis und die Oldtimerfreunde Geltendorf ihre Traktoren, etliche davon aus den 1950er-Jahren, auf Hochglanz poliert – soweit das eben möglich war.

Auch im Bürgersaal gibt es Programm

Im großen Saal des herbstlich geschmückten Bürgerhauses konnten sich Naschkatzen mit Honig eindecken und sich gleichzeitig von Franz Schröttle die Weiterentwicklung des Bienenkorbs aus mit Lehm verschlossenem Weidengeflecht hin zum für Biene und Imker praktisch konzipierten Gehäuse erklären lassen. Birgit Jäger aus Tussenhausen – sie hat die Geltendorfer Feuerwehrler bei einem Weinfest in der Pfalz kennengelernt – verspann an ihrem Spinnrad selbst geschorenes Lamahaar.

Daneben konnten sich Verfrorene mit allerlei Strickereien eindecken. Oder sich handfeste Ideen zur Plastikvermeidung mit nach Hause nehmen – Obstsäckchen aus nicht mehr benötigten Tüll-Stores beispielsweise.

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