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Landsberg

10.01.2020

Hemdenwechsel im Landsberger Modehaus Hecht

Das Landsberger Modehaus wird von Traudl und Charly Hecht an Dominik Apostolopoulos (rechts) übergeben.
Foto: Julian Leitenstorfer

Plus Das Modehaus Hecht in Landsberg hat einen neuen Besitzer. Die Suche der ehemaligen Betreiberfamilie nach einem neuen Eigentümer war jedoch alles andere als leicht.

Nicht wenige befürchten, dass die Landsberger Innenstadt bald wie jede andere beliebige Einkaufszone in einer deutschen Stadt aussehen wird. Große Ketten eröffnen Brillen-, Hörgeräte- oder (wie demnächst im Vorderanger) Dessousfilialen, die alle auf Massenprodukte setzen. Auch Charly und Traudel Hecht hätten ihr Modehaus ohne Weiteres sofort an einen Drogeriemarkt oder andere Filialketten verkaufen können. Viel Platz auf zwei Etagen, beste Lage in der Innenstadt, „die Interessenten sind Schlange gestanden“, sagt der ehemalige Chef des seit drei Generationen in Familienhand befindlichen Herrenausstatters im Vorderanger. Aber es kommt ganz anders.

Denn den Hechts liegt nicht nur ihr Modehaus am Herzen, sondern auch das Erscheinungsbild und die Qualität der Altstadt. Bereits vor drei Jahren habe man über die brancheninterne Fachzeitschrift Textilwirtschaft einen Nachfolger gesucht. Keine einzige Antwort habe er erhalten, erzählt Charly Hecht. Das Ehepaar ist im besten Rentenalter und alle drei Töchter sind in anderen Berufen tätig. Sechs Tage die Woche arbeiten, kaum Urlaub und viel Verantwortung – vor allem für die angestellten fünf Fachkräfte – „wer will das heutzutage schon?“.

Dominik Apostolopoulos liebt den Kontakt zum Kunden

Nun haben sie mit Dominik Apostolopoulos einen Nachfolger gefunden. Der 31-Jährige ist seit Oktober zur Einarbeitung im Haus und hat dieser Tage das Ehepaar Hecht als Inhaber abgelöst. Eine kurze Nachricht an die Kunden, eine kleine interne Abschiedsfeier, ansonsten bleibt erst mal alles beim Alten. Allenfalls eine behutsame Entwicklung in Richtung jüngere, sportlichere Mode werde es geben, so Apostolopoulos. Ihm sei wichtig, dass das Modehaus Hecht auch weiterhin „Herrenmode von der Unterhose bis zum Hochzeitsanzug sowie für alle Altersstufen vom Teenager bis zum 100-Jährigen“ anbietet.

Der junge Mann ist, wie er sagt, „zum Viertel Grieche, ansonsten in München geboren und in Oberhaching aufgewachsen“. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Konen in München und anschließender Weiterbildung zum Handelsfachwirt mit Ausbilderschein durchlief Apostolopoulos die unterschiedlichen Abteilungen der Branche. Sieben Jahre war er zudem als „Area Sales Manager“ im süddeutschen Raum unterwegs. In dieser Funktion lernte er auch das Modehaus Hecht kennen. Das Geschäft mit den Einzelhändlern taugte ihm in dieser Rolle zwar sehr, „aber der Umgang mit den Kunden ist mein Lebenselixier“, sagt er.

Die Hechts kannte der Neue von unzähligen Besuchen

Als Vertreter verschiedener Marken war er des Öfteren im Landsberger Haus. Und wenn der Laden während seines Besuchs voll war, hatte er kurzerhand mitgeholfen und Kunden bedient. Diese zuvorkommende Art gefiel wohl Charly Hecht und er sprach den jungen Mann an, ob er nicht das Geschäft übernehmen wolle.

Gespräche mit der Freundin (die ebenfalls in der Modebranche arbeitet) und mit den Banken folgten. Und mit der positiven Entscheidung zog das junge Paar gleich auch privat in die Landsberger Altstadt um. Dominik Apostolopoulos ist froh, dass das Ehepaar Hecht noch oben im Haus wohnt und somit „meine Unternehmensberater ganz in der Nähe sind“.

Das Modehaus war über 80 Jahre in Familienbesitz

Traudel und Charly Hecht ihrerseits wollen dem neuen Inhaber nicht reinreden. „Da halten wir uns ab jetzt vollkommen raus“, so Traudel Hecht. „Aber komisch ist es erst mal schon. Ich habe seit 44 Jahren ohne Unterbrechung gearbeitet, seit 29 Jahren hier im Haus – ich könnte ganze Bücher mit lustigen Kunden-Anekdoten schreiben.“ Ihr Großvater Hans Hecht hatte das Modehaus im November 1938 eröffnet, 1963 haben die Eltern Hans (Junior) und Adele Hecht den hinteren Teil des Gebäudes erweitert und es 1991 an Tochter Edeltraud und ihren Mann Charly übergeben, die die Räumlichkeiten seinerzeit komplett umgebaut haben. Angefangen hatte man als „Herren- und Knabenausstatter“, später kam die Damen- und Trachtenmode hinzu, die aber im Jahr 2012 wieder verschwand.

Weil man Wert auf Qualität und kompetente Beratung legt, greift der junge Chef schnell selbst zum Maßband, bevor er das passende Hemd aus dem Regal zieht. Voll des Lobes ist er auch für das Personal, das übernommen wird, „die sind alle extrem gut ausgebildet und stehen voll und ganz hinter dem Unternehmen“, sagt Dominik Apostolopoulos. Auch Landsberg hat er in seiner kurzen Zeit hier schon schätzen gelernt: „Ich genieße es, morgens am Englischen Garten entlang des Lech zu joggen, das ist meine regelmäßige Meditation.“

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10.01.2020

Ein Teil Landsberger Geschichte ist auch, dass dort von 1927 bis 1938 die jüdische Familie Fischel ein Herrenmodehaus betrieb.

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