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Hofstetten

20.02.2021

Hofstetten: Haben Tierfreunde kranke Hühner abgeholt?

Aus einem mobilen Hühnerstall gab ein Landwirt aus Hofstetten Tiere ab, wenig später fanden sich tote Hühner in einer Kiesgrube ganz in der Nähe des Stalls. Der Vorfall ruft auch das Veterinäramt Landsberg auf den Plan
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ein Landwirt aus Hofstetten verschenkt fast 600 Hühner. Unweit des Betriebs entdecken Spaziergänger tote Tiere in einer Kiesgrube. Das Veterinäramt und der Tiergesundheitsdienst sind eingeschaltet. Was der Landwirt sagt.

Vor Kurzem sorgte ein Landwirt aus Hofstetten für Aufsehen: Aus wirtschaftlichen Gründen musste er sich von fast 600 Hühnern trennen – anstatt sie zu schlachten, gab er sie gegen eine Spende ab (LT berichtete). Über die sozialen Netzwerke hatte der Verein „Rettet das Huhn“, der „ausgediente“ Legehennen vor dem Schlachthof retten will, für die Aktion geworben. Nun gerät dieser Landwirt erneut in den Fokus: Er hat tote Hühner vorübergehend in einer Kiesgrube abgelegt. Ein Spaziergänger, der die Tiere entdeckte, schaltete das Veterinäramt ein. Was Behörde und Landwirt dazu sagen.

Am Sonntag machte ein Spaziergänger im südlichen Landkreis einen ekelhaften Fund: In einer Kiesgrube entdeckte er die Kadaver von verendeten Hühner. Der Mann machte Bilder davon und meldete den Fund beim Veterinäramt, das den Vorfall nun untersucht.

Der Landwirt entdeckt die toten Tiere am Freitagabend

Auch der Landwirt, der diesmal namentlich nicht genannt werden will, nimmt dazu Stellung gegenüber dem LT. Am Freitagabend habe er die zwölf toten Hühner in einem seiner insgesamt drei mobilen Hühnerställen entdeckt. „Da kann ich keine Tierkörperverwertung mehr informieren“, sagt er. Auch am Wochenende sei dies nicht möglich gewesen, deshalb habe er die Kadaver vorübergehend in der Kiesgrube abgelegt. Am Montagmittag wären die Tiere abgeholt worden, doch da war schon das Veterinäramt informiert worden.

Der Landwirt zog eine Expertin vom Tiergesundheitsdienst München hinzu. Dieser ist eine Selbsthilfeeinrichtung der bayerischen Landwirte. „Die Dienstleistungen stehen Landwirten und allen Personen, die in der Landwirtschaft zu tun haben, zur Verfügung“, sagt der Geschäftsführer Dr. Andreas Randt. Die Tierärztin, die in Hofstetten vor Ort war, aber nicht namentlich genannt werden möchte, meldete sich beim LT. „Die Hühner in den beiden Ställen sind mit zehn, zwölf Legemonaten schon recht alt“, so die Tierärztin.

Die Stallpflicht sorgt bei den Hühnern für Stress

Auch seien sie aufgrund der Stallpflicht sehr gestresst gewesen. Diese wurde erlassen, nachdem es im Landkreis einen Fall von Vogelgrippe gegeben hat (LT berichtete). Der Stress und das Alter machten Tiere für Krankheiten anfälliger. „Meiner Meinung nach sind sie an einer bakteriellen Infektion gestorben“, so die Expertin.

Was bedeutet das für die zuvor abgegebenen Hühner? Kann es sein, dass sich die Leute auch kranke Tiere mit nach Hause genommen haben? „Die Hühner, die gestorben sind, haben sich in einem anderen Stall befunden“, sieht die Expertin keine Gefahr. Außerdem, betont der Landwirt, habe er nur junge Hühner abgegeben. Im Übrigen habe er genau dokumentiert, wem er wie viele Hühner gegeben habe.

Ein Spaziergänger entdeckt die toten Hühner und meldet den Vorfall.
Bild: privat

Die Infektion, die die Expertin als Todesursache vermutet, sei ausschließlich für das Huhn gefährlich, nicht für den Menschen. Trotzdem würden einige Tiere auch untersucht, um die Vogelgrippe ausschließen zu können. „Aus meiner Sicht kann man die Vogelgrippe ausschließen“, so die auf Hühner spezialisierte Tierärztin, jedoch sei die Untersuchung zwingend notwendig, wenn es einen Fall von Vogelgrippe im Umkreis gegeben habe.

Das Alter macht die Tiere für Krankheiten anfälliger

Der Landwirt erklärt, er halte seine aktuell rund 1000 Hühner entgegen der üblichen Praxis für zwei Jahre. „Andere Betriebe schlachten ihre Hühner nach einem Jahr und schaffen sich neue an. Bei mir leben sie immer zwei Jahre, es sind ja auch Tiere.“ Dass dieses Alter die Tiere jedoch für Krankheiten anfälliger mache, bestätigte die Tierärztin. Inzwischen hat der Landwirt vom Tiergesundheitsdienst die Nachricht erhalten, dass die Tiere an der vermuteten bakteriellen Infektion gestorben und die Tests auf Vogelgrippe negativ ausgefallen sind.

Auch Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamts, bestätigte inzwischen, dass die vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchten Proben die Vogelgrippe ausschließen. Das Veterinäramt war mehrmals vor Ort gewesen und „wird veranlassen, dass Maßnahmen, die zur Einhaltung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung notwendig sind, umgesetzt werden“, so Müller.

Der Landwirt bekommt die Folgen zu spüren

Aufstocken will der Landwirt seinen Bestand erst wieder nach der Corona-Krise, wenn Gaststätten wieder öffnen und der Bedarf an Eiern steigt. Die Hühner, die in den durch die Abgabeaktion freien Stall eingezogen sind, gehören ihm nicht und sind dort nur vorübergehend „zur Untermiete“ untergebracht.

Aufgrund der Berichterstattung seien seine Verkaufszahlen bereits jetzt zurückgegangen. Die Edeka-Geschäfte in Hofstetten, Rott und Issing würden ihm keine Eier mehr abnehmen, so der Landwirt. Das wurde dem LT vom Geschäftsführer der Läden bestätigt. In den Geschäften würden auch Eier aus Kinsau und Seestall angeboten, die auch regional seien.

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