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Projekt in Landsberg

23.10.2016

Mit Freude schaffen und zerstören

Am Ende des Projekts in der Lechturnhalle stand die Zerstörung der Kunstwerke.
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Am Ende des Projekts in der Lechturnhalle stand die Zerstörung der Kunstwerke.
Bild: Thorsten Jordan

Eine Woche lang wurden bei Architectus lucis Kunstwerke aus Karton gefertigt. Am Ende blieb davon nichts übrig.

Kann man ein Kunstwerk nach einer Woche harter, kreativer Arbeit einfach so zerstören? Ja, man kann. Sogar mit Freude, wie der Abschluss des Projekts „Architectus Lucis“ des Landsberger Kulturvereins „dieKunstBauStelle“ am Samstagabend zeigte. Über 140 Teilnehmer aus aller Welt hatten zuvor in der Turnhalle an der Lechstraße in Landsberg einige Tage lang gezeichnet, geschnitten und geklebt was das Zeug hält und aus Faltkarton Lichträume, Fenster mit Silhouetten und bewegliche Figuren geschaffen. Und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen.

Bei einer Parade durch die Innenstadt am Nachmittag wurden die beweglichen Kunstwerke, die in der vergangenen Woche entstanden waren, den Passanten präsentiert. Mit großen Kartons mit Flügeln an den Seiten, Stelzerinnen mit Kronen aus Pappe auf dem Kopf und lauter Musik zogen die Teilnehmer von der Turnhalle zum Vorderanger. Die Passanten reagierten mitunter begeistert, viele Menschen blieben stehen, um die Kunstwerke genauer zu betrachten und applaudierten.

Zurück in der alten Turnhalle, die für den Zeitraum des Projekts zur Werkstatt umfunktioniert worden war, warteten bereits zahlreiche Besucher auf die anschließende Ausstellung über die Lichtarchitektur Dominikus Zimmermanns. „Wir sind nicht fertig geworden, werden aber natürlich trotzdem öffnen. Das gehört schließlich mit dazu.“, sagte Projektinitiator Wolfgang Hauck. Jeder, der sich die Ausstellung ansehen wollte, musste vorher jedoch selbst noch etwas Basteln – eine Eintrittskarte sozusagen.

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Besonders die vielen Kinder waren mit Euphorie dabei. Formen wurden vorgezeichnet, mit dem Cutter ausgeschnitten und anschließend mit Heißkleber zu neuen Figuren zusammengeklebt. „Dadurch, dass Karton ein so einfaches und billiges Material ist, traut sich jeder sofort, mit dem basteln zu beginnen“, sagte Hauck. „Mit Sicherheit werden einige eine Stunde oder länger an den Tischen verbringen, bevor sie sich wieder an die Ausstellung erinnern. Auch für uns verging die Zeit während der Arbeit oft wie im Flug. Wir waren fast jeden Abend bis elf Uhr in der Werkstatt.“

Was in den vielen Stunden entstanden ist, war wirklich beeindruckend. Aus dreidimensionalen Kartonwürfeln wurden die verschiedensten Muster, Gesichter, Tiere und Landschaften ausgeschnitten. Sie wurden von hinten mit Scheinwerfern beleuchtet, um ein fantastisches Lichtspiel zu kreieren. Wolfgang Hauck zeigte sich mit dem Verlauf der Woche zufrieden. „Wir hatten wirklich eine wahnsinnige Nachfrage. Schüler sind nach der Schule oder mit ihren Eltern und Freunden vorbeigekommen, um zu zeigen, was sie gemacht haben, und auch immer mehr Flüchtlinge haben uns bei dem Projekt unterstützt.“ Alles, was geschaffen wurde, sei ganz spontan passiert. „Wir haben andere mit in das Projekt hineingenommen und als Gemeinschaft gearbeitet. Genau das ist es, was ein Kunstprojekt für mich ausmacht.“

Auch Mathijs Stegink aus den Niederlanden, ein Experte in der angewandten Methode des „Cardboard Designs“, war vom Ergebnis begeistert. „Es war eine ganz besondere Erfahrung, mit all diesen Menschen zusammenzuarbeiten. Uns ging es vor allem um Spiritualität und Gemeinschaft und das Gefühl, gemeinsam etwas Schönes zu schaffen. Ich bin wirklich glücklich über das Ergebnis.“

Der Höhepunkt war die abschließende Zerstörung der Bauwerke am Samstagabend. Einige letzte Fotos wurden aufgenommen, bevor die Arbeit der gesamten Woche mit Händen und Füßen in nur wenigen Minuten zunichtegemacht wurde. Von Trauer war keine Spur zu erkennen. Im Gegenteil: Die Freude über das Zerreißen der Kartons war riesig. „Alles hat einen Anfang und ein Ende“, sagte Hauck. Es gehe nur um den Moment des Erlebens, nicht um das Aufheben, sondern um das Austauschen und Teilen. Mathijs Stegink nannte das Ziel des Projekts: „In the end, nothing changed but our minds.“

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