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Ausstellung

31.08.2020

Nicht mehr, aber auch nicht weniger

„Slow down“ ist der Titel einer Ausstellung in der Landsberger Zederpassage. Dort sind Werke von Gertrud von Winkler (Foto), Helmuth Hager, Anemone Rapp und Otto Scherer zu sehen.
Bild: Thorsten Jordan

Vier Künstler zeigen in der Landsberger Zedergalerie unterschiedliche Positionen

Darf’s ein bisschen mehr sein? Lange kannte die Nachkriegsgesellschaft auf diese Frage nur eine Antwort. Doch begleiteten den Konsum stets auch Stimmen der Kritik. Maßhalten als Ideal – starke Strömungen gibt und gab es in der Kunst, und das nicht erst seit dem Bauhaus mit seiner Superformel „less is more“. „Weniger“ als Gestaltungsprinzip ist nun auch das Thema einer Ausstellung in der Zederpassage in Landsberg. „Slow down“ heißt es in Anspielung auf den „Lockdown“. Und Maßhalten, so der indirekte Kommentar der Ausstellungsmacher, ist auch im Umgang mit der Krise das Maß aller Dinge: statt aufhören lieber weitermachen unter eingeschränkten Bedingungen.

Mit Helmuth Hager, Anemone Rapp, Otto Scherer und Gertrud von Winkler präsentiert der Galerieverein noch bis 26. September vier Künstler, die unter dem Leitgedanken der Reduktion, ansonsten aber mit sehr unterschiedlichen Techniken und Inhalten arbeiten. Abstrakte Malerei zwischen den Polen frei assoziativ und streng an Ordnungsprinzipien gebunden zeigt Anemone Rapp. Zum Thema werden dabei sowohl Farbe als auch Form. Wie eine Setzung etwa erscheint in einer mehrteiligen Arbeit ein wie zu einem Schild geknicktes, gleichmäßig in vier Farbfelder unterteiltes Quadrat, von dem Rapp eine Folge mehrerer ins Rechteck gebrachter Variationen ableitet.

Helmuth Hagers meist monochrom weiß, rot oder schwarze Objektbilder haben ihren Ursprung in der Begegnung des Künstlers mit der Kultur und Philosophie Japans Ende der 1990er-Jahre. Eine Entwicklung – unter anderem weg vom Figurativen –, die sich seither verfolgen lässt, findet in den jetzt gezeigten Arbeiten ihren Höhepunkt: Im Gegensatz und in der Charakterisierung eines Aspekts der Wirklichkeit durch den jeweils anderen schafft Hager deren Verbindung zu einem Ganzen. Hierzu bedient er sich unterschiedlichster und ökonomisch eingesetzter Bildmittel. Von Bedeutung sind dabei Fragen der Symmetrie und freien Anordnung, Über- und Hinterschneidung, Aufgesetztem oder Entnommenem, positiv und negativ sowie die Gegenüberstellung festumschriebener und amorpher Flächen.

Wie schon einmal an gleichem Ort mit Arbeiten aus Kartonagen aus dem Supermarkt, beeindruckt Gertrud von Winkler auch jetzt wieder mit ihrem Gespür für die besondere Beschaffenheit und Möglichkeiten ihres Materials. Doch ohne „Slow down“ wären ihre neuesten Objekte aus feingeknüpftem Drahtgeflecht nicht denkbar. In tausendfacher Biegung und Verwindung gestaltet sie als „Netzwerkerin“ Lineares um zu dreidimensional ausgreifenden filigranen Objekten. „Verknüpfungen“ in der Fläche mit sich kreuzenden, teils kumulierenden, teils sich auflösenden Linienstrukturen schafft von Winkler auch in den gezeigten Holzschnitten Net-Flux, -Link, -Scape und -Flight, allesamt Handabdrucke von suggestiver Farbwirkung.

Ein Meisterwerk reduzierter Formensprache ist Otto Scherers „Torso“. Der nur in der Mitte leicht eingezogene Zylinder gliedert sich durch die „Taillierung“ gleichsam in Ober- und Unterkörper. Mit einfacher Geste verweist die Keramik auf die Merkmale des Objekts, die es wesentlich bestimmen. Der Form muss, um sie zu erklären, nichts hinzugefügt, es darf ihr aber auch nichts genommen werden. Weitere Arbeiten von Otto Scherer zeigt die gerade eröffnete Ausstellung „Black&White“ in der Säulenhalle. (ink)

„Slow down“ in der Zederpassage bis Samstag, 26. September, ist geöffnet Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 12 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung (online) oder unter Telefon 08191/9897987.

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