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Konzepte

24.01.2015

Radweg: Jeder Meter kostet 250 Euro

Nur auf einem kurzen Stück asphaltiert ist der Wirtschaftsweg von Walleshausen Richtung Kaltenberg, der auch als Radwegeverbindung gilt. Immer wieder wird auf Bürgerversammlungen angesprochen, den Weg richtig herzurichten. Angesichts hoher Kosten, will die Gemeinde den Weg aber nicht asphaltieren.
Bild: Thorsten Jordan

Für Freizeitfahrer gibt es gutes Wegenetz, wer schnell von A nach B radeln will, der stößt auf Lücken

Der Zustand von Feldwegen wird – wie in den Bürgerversammlungen in Geltendorf geschehen (siehe Bericht rechts) – von Bürgern des öfteren thematisiert. Wie von Bürgermeister Wilhelm Lehmann angesprochen, reicht es nicht aus, einfach eine Asphaltdecke über den Schotter zu ziehen, der Unterbau muss so erstellt werden, dass der Weg auch landwirtschaftliche Gespanne aushält.

Im Landratsamt geht von Kosten im Mittel von 250 Euro pro laufendem Meter für einen 2,5 Meter breiten straßenbegleitenden Radweg aus. Das heißt, es laufen bei einer ein Kilometer langen Strecke 250000 Euro auf. „Es gibt einen staatlichen Fördertopf, der 50 Prozent der Kosten übernimmt“, erläutert Wolfgang Müller vom Landratsamt. Die restlichen 50 Prozent teilten sich Landkreis und Gemeinde.

Grundsätzlich sei es die Intention des Landkreises, den Radverkehr von den Staats- und Kreisstraßen wegzubekommen. So gibt es laut Müller auch ein landkreisinternes Förderprogramm, über welches Investitionen ins Radwegenetz bezuschusst werden können. Auch hier gilt eine 50:50 Aufteilung zwischen Gemeinde und Landkreis, wobei der Landkreis für seinen Anteil auch Gelder vom Erholungsverein Augsburg (Eva) bekommt. „Zwei Wege werden 2015 so gefördert“, so Müller: die Verbindungen Egling-Wabern und Fuchstal-Seestall. Neu erstellt worden sei vor Kurzem die Strecke Utting-Finning, die jetzt nördlich der Kreisstraße verläuft und nicht mehr über Entraching, wie zuvor. Und es werde auch darüber nachgedacht, einen Radweg von Eresing zur Firma Delo in Schöffelding zu bauen. „Ziel ist es auch, große Arbeitgeber anzubinden.“ Weniger im Fokus steht die gute Erreichbarkeit von Einkaufszentren, die doch eher mit dem Auto angesteuert würden. Freilich wäre es auch im Sinne des Klimaschutzkonzeptes, hier Radwegeverbindungen zu schaffen.

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Laut Martin Baumeister vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Kreis Landsberg, gilt es zu unterscheiden zwischen Alltagsradfahrern, die schnell von A nach B kommen wollten, und Freizeitradlern. Für Letztere sei vor Kurzem auch eine Karte neu für den Landkreis aufgelegt worden: Hier suche man Strecken fernab der Straßen, die aber nicht unbedingt asphaltiert seien. „Dieses Radroutennetz ist gut“, meint Baumeister, es sei in Zusammenarbeit des ADFC mit dem Landkreis entstanden. Für Alltagsradler fehlten freilich ausgebaute Verbindungen auf mancher Strecke, beispielsweise von Utting nach Dießen. Das Klimaschutzkonzept sehe hinsichtlich des Radverkehrs als kurzfristige Maßnahme eine Erfassung der Lücken, das heißt eine Schwachstellenanalyse vor, was noch nicht geschehen sei, so Baumeister. Mittelfristig stünden die Verbindungen zu den großen Arbeitgebern auf dem Programm und langfristig, grundsätzlich Hürden für den Radverkehr abzubauen. „Freilich ist es alles auch eine Frage der Finanzierbarkeit“, so Baumeister.

Viele Wirtschaftsweg sind Kieswege, die zumeist über die Jagdgenossenschaften gepflegt werden. Die Materialien für den Unterhalt übernimmt wie auch in anderen Gemeinden in Geltendorf die Kommune. Die Ausgaben lagen laut Robert Lampl von der Verwaltung 2014 bei 5200 Euro. Auch der Vorsitzende des Jagdgenossenschaft Walleshausen, Hans Höß, sieht grundsätzlichen Handlungsbedarf bei dem Weg, der nach Kaltenberg führt und über den schon seit über 20 Jahren geredet werde. Denn er werde viel genutzt, auch viele Autos seien dort bei jedem Wetter unterwegs, sodass vermehrt Schlaglöcher entstünden.

Die Jagdgenossenschaft will einen Lohnunternehmer engagieren, der Wege so herrichtet, dass ein stärkeres Profil entsteht. So kann Wasser besser ablaufen. „Wir testen, ob das funktioniert.“ Dies werde aber vermutlich nicht auf der Verbindung Walleshausen-Kaltenberg gemacht, da diese Strecke vor zwei Jahren abgehobelt worden sei.

Kein Streit zwischen Bauern und Radlern

Vereinzelt gebe es Kritik von Radlern, wenn das Wegematerial aufgelockert und nicht gleich gewalzt worden sei und dann noch große Steine aufliegen würden, sagt Höß. Grundsätzlich gebe es aber keine großen Konflikte zwischen Landwirtschaft und Freizeitnutzung: „In Walleshausen nimmt jeder Rücksicht“. Ähnliche Erfahrungen hat auch der Vorstand der Hausener Jagdgenossenschaft Werner Mayr: „Wenn jeder Rücksicht nimmt, gibt es kein Problem.“

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