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Luftpistole

05.10.2017

Scheuring schreibt Geschichte

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Am Wochenende startet die Scheuringer Luftpistolen-Mannschaft in die 1. Bundesliga. Im Bild von links (vorne): Philipp Ranzinger, Sebastian Heinisch und Fabian Ranzinger; hinten: Klaus Hopfensitz, Oliver Balg, Thomas Ranzinger, Alfred Franz und Werner Franz.
Bild: Julian Leitenstorfer

Am Wochenende startet die Mannschaft von Edelweiß Scheuring in der 1. Bundesliga. Das Lechrain-Team wählt seinen eigenen Weg, um die Aufgabe zu meistern

Samstag, 7. Oktober, 19 Uhr: Mit den Scheuringer Pistoleros betritt in der Dreifachturnhalle in Kelheim erstmals ein Schützenteam aus dem Landkreis die Bühne der 1. Bundesliga. Nach dem sensationellen Aufstieg im Vorjahr gibt es für die Lechrainer nur ein Ziel, den Klassenerhalt. „Mitmachen und alles geben, auch wenn es gegen Olympiasieger und Weltmeister geht“, lautet das Motto der Mannschaft, die weiterhin komplett vom „Einheimischenmodell“ geprägt ist, während mehrere Konkurrenten zumindest auf den Spitzenpositionen ausländische Topkräfte in die Punktrunde schicken.

Trotz der überraschenden Vizemeisterschaft in der 2. Bundesliga Südwest bei Punktgleichheit mit Titelgewinner Kelheim-Gmünd II wollten die Scheuringer zunächst auf die Teilnahme an den Aufstiegskämpfen verzichten.

Von der eigenen Erfolgsgeschichte regelrecht überrollt, erschien der Sprung ins deutsche Oberhaus als zu früh. Doch der DSB erteilte dem Verzicht eine klare Absage und drohte als Konsequenz mit dem Zwangsabstieg in die Bayernliga. Das ließen die Edelweißschützen nicht auf sich sitzen, sind zu den Aufstiegskämpfen angetreten und haben sich dort als Sieger auch noch einen Platz in der 1. Bundesliga gesichert.

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Im Vorjahr wollten die Edelweiß-Schützen auch in der 2. Bundesliga in erster Linie den Klassenerhalt erreichen, und sind dann sensationell Vizemeister geworden. Ein ähnliches Husarenstück darf man diesmal selbst bei einer nochmaligen Steigerung nicht erwarten.

Das zeigt ein Blick auf die Setzliste. Gegen die Großen mit ihren ausländischen Spitzenkräften wird wohl nichts zu machen sein. Da sind auf allen Positionen beim Vorjahresschnitt Unterschiede von fünf und weitaus mehr Ringen. Aber es sind auch Teams dabei, gegen die man an einem guten Tag die erhofften Punkte für den Klassenerhalt holen kann. Dazu zählen die anderen Neulinge Hambrücken und Peiting, die man bei den Aufstiegskämpfen hinter sich lassen konnte.

Der erste Wettkampf findet in Fürth statt

Der Startschuss fällt für die Lechrainer gegen Dynamit Fürth. Die Mittelfranken bezeichnen sich selbst als langgedienter Dino in der 1. Bundesliga. Im Vorjahr waren sie mit Platz sechs in der Südgruppe allerdings nicht recht zufrieden. Angeführt werden die Fürther vom Schweizer Duo Heidi Diethelm-Gerber (Vorjahresschnitt 379,00) und Steve Derriere (375,00) sowie der mehrfachen Olympia-Teilnehmerin Claudia Verdicchio-Krause (378,00).

Den wohl größten Brocken überhaupt bekommt das Scheuringer Quintett am Sonntag mit Kelheim-Gmünd vorgesetzt. Die Gastgeber, mit vier ausländischen Stars vorneweg, sind amtierender deutscher Meister, haben in der vergangenen Saison vor dem punktgleichen Waldkirch Rang eins in der Südgruppe belegt und bei der gesamtdeutschen Endrunde auch noch das Finale gegen den Nordvertreter Kriftel mit 4:1 gewonnen.

Ob ein Scheuringer ein Duell mit Monika Karsch bestreiten darf, bleibt abzuwarten. Die Olympiazweite und Europameisterin mit der Sportpistole ist mit der Luftpistole auf der vereinsinternen Setzliste nur auf Rang sieben platziert.

Unter Druck setzen muss sich das Scheuringer Quintett auf keinen Fall. Mannschaftsführer Sebastian Heinisch nennt als realistisches Wunschziel für beide Partien, wenigstens einen Einzelpunkt. Die Gegner in Reichweite kommen in den nächsten Runden.

Die Liga ist in zwei Gruppen eingeteilt

Zum Glück ist die 1. Bundesliga der Schützen in eine Nord- und eine Südgruppe geteilt. Damit bleiben den Lechrainern ähnliche Fahrten wie den Kauferinger Floorballern. In der Südgruppe sind sechs Mannschaften aus Bayern und sieben aus Baden-Württemberg vertreten. Aber auch hier gibt es weite Strecken zurückzulegen, wie etwa nach Weil am Rhein nahe Basel. Da zudem fast ausschließlich zwei Wettkampftage pro Wochenende anstehen, müssen die Scheuringer fünf Mal auswärts übernachten.

Hört man 1. Bundesliga, denkt man automatisch an dicke Einnahmen für die Vereine und die Aktiven. Bei den Schützen herrscht da Fehlanzeige. Die Scheuringer Auswahl verdient sich nicht einmal ein bescheidenes Taschengeld – für den Verein gibt es auf jeden Fall ein Minus. Er übernimmt die Kosten für Unterbringung und Fahrten der Mannschaft.

Darüber hinaus entstehen auch für die Durchführung des einzigen Heimkampfes am 18. November Auslagen. Die gesamten Aufwendungen bestreiten die Lechrainer aus ihren Rücklagen. „Das diesjährige Gauschießen hat uns einen guten Überschuss gebracht. Darum gehen wir nicht schon wieder bei unseren Sponsoren betteln“, erklärt Schützenmeister Franz Berghofer.

Scheuring bleibt dem Einheimischenmodell treu

Deutlicher, als bei der Paarung zwischen Kelheim-Gmünd und Scheuring lässt sich die unterschiedliche Ausrichtung der Bundesligisten nicht zeigen. Da messen sich die Lechrainer mit fast ausschließlich Eigengewächsen mit dem deutschen Meister, dessen Setzliste vom Serben Damir Mikec (Vorjahresschnitt 389,50), dem Spanier Pablo Carrera (386,00), dem Tschechen Jindrich Dubovy (385,00) und dem japanischen Doppelweltmeister Tomoyuki Matsuda (382,00) angeführt wird. Und selbst Philipp Grimm (380,70) als Nummer fünf ist kein Oberpfälzer – er wohnt in Ludwigsburg. Auch bei fast allen anderen Konkurrenten kommen die Spitzenkräfte aus dem Ausland, von Griechenland über Island bis hin aus der USA.

Scheuring vertraut dagegen weiter mit Stolz auf sein „Einheimischenmodell“. Fast alle Starter sind im Verein groß geworden oder seit vielen Jahren eng mit ihm verbunden. Das gilt auch für Klaus Hopfensitz, der aus Aichach die weiteste Anfahrt hat. Die Mannschaft steht dazu: „Wir wollen bei unseren Wurzeln bleiben, und nicht den Spaß verlieren, der uns den Erfolg der letzten Jahre erst gebracht hat“, ist man sich einig.

Die Aufstellung

Position 1: Thomas Ranzinger, 52 Jahre, Wohnort Scheuring, Beruf: Technischer Angestellter; Vorjahresschnitt 371,91/Bestes Rundenwettkampfergebnis 384

Position 2: Oliver Balg, 47, Weil, Maschinenbautechniker, 371,36/390;

Position 3: Philipp Ranzinger, 21, Obermeitingen, Schüler, 370,91/380;

Position 4: Sebastian Heinisch, 37, Dettenschwang, Schreiner, 365,70/374;

Position 5: Klaus Hopfensitz, 47, Gallenbach, NC-Fräser, 364,00/380

Auf der „Bank“ sitzen Fabian Ranzinger, 21, Obermeitingen, Auszubildender, 368,50/376; Alfred Franz, 55, Beuerbach, Technischer Angestellter, 363,22/ 376; Werner Franz, 51, Scheuring, Forstwirtschaftsmeister, 368,90/ 385.

Ohne ausländische Verstärkung tritt neben Scheuring nur noch Mitaufsteiger Hambrücken an. Auch der dritte Neuling Peiting setzt überwiegend auf das Umfeld. Zum Kader gehören auch vier Schützinnen aus dem Landkreis: Steffi Böhm (Dießen), Michaela Brosselt-Guggemos (Ludenhausen) sowie die Rotter Schwestern Franziska Menhart-Kemser und Veronika Kemser.

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