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Ammersee

11.07.2020

Sind die Mücken schon im Anflug auf den Ammersee?

Werden die Stechmücken heuer wieder am Ammersee zur Plage oder bleibt eine Massenvermehrung aus?

Plus In Eching blicken die Bürger nervös auf ein mögliches Massenauftreten der Mücken. In Dießen ist die Lage halbwegs erträglich. Jetzt wird auch über eine Kartierung entschieden.

Ein Juliabend in den Seeanlagen in Dießen: angenehme Temperaturen, Abendsonne und entspannte Stimmung. Auf der Festwiese am Ammersee üben sich Jugendliche im Jonglieren, auf dem Spielplatz bei den Bootshäusern genießen Eltern mit ihren Kindern den Abend, und zwischen Dampfersteg und Seekiosk versammeln sich kleine Gruppen, um mit einem Drink in der Hand zu plaudern. In den Boxler-Anlagen sitzen Senioren auf den Bänken am Ufer und blicken über den See, und in der Soccerbox und auf dem Rasenplatz des MTV Dießen jagt man dem Ball hinterher. Von lästigen Mücken ist, anders als im vergangenen Jahr bereits Anfang Juni, an diesem Abend nicht viel zu spüren. Aber wie lange ist das heuer noch so?

Ein bisschen ungemütlich wird es erst auf dem Steg, der durchs Naturschutzgebiet Ammersee Süd zum dortigen Aussichtsturm führt – ein Brennpunkt in mückenreichen Jahren. Aber nach zwei, drei sirrenden Attacken von Stechmückenschwärmen ist der Aussichtsturm erreicht – eine Kleinigkeit für hart gesottene Anwohner des Ammersees – von Mückenpanik also noch keine Spur. Hier im Naturschutzgebiet dürfen sich im Sommer durchaus die Mückenschwärme tummeln. Ihre Larven sind schließlich Leckerbissen für Amphibien und Fische. Schwalben, Mauersegler und viele andere Vögel freuen sich über die geschlüpften Insekten.

Bürgermeister Luge hofft, dass es nicht so stark regnet

Ob die Situation allerdings so entspannt bleiben oder ob es eine Plage wie im Frühsommer 2019 geben wird, liege am Wetter, meint Bürgermeister Siegfried Luge aus Eching. In seiner Gemeinde, 17 Kilometer nördlich von Dießen gelegen, werden die Bürger bereits nervös. Insbesondere im Bereich der Kaagangerstraße, am Seeufer, sei die Situation bereits unangenehm, berichtet Luge. Mit dem Rückgang des Hochwassers schlüpfen hier bereits die Mückenschwärme. Nun hofft der Bürgermeister, dass in den nächsten Tagen keine Starkregenereignisse folgen werden, die möglicherweise auch die Amper bei Eching zum Überlaufen bringen könnten. Deren Wasser würde sich dann in die Flur und in das benachbarte Naturschutzgebiet Ampermoos ergießen. Aus Eiern, die dort im Boden schlummern, könnten dann innerhalb von wenigen Tagen Mücken werden.

„Millionen von Mücken“, wie Rainer Jünger meint. Und die hätten keinen weiten Weg in die Gärten der Ammerseegemeinde. Jünger, CSU-Gemeinderat in Schondorf, hat vor einigen Jahren den Verein „Mückenplage Nein Danke“ mitbegründet, und macht sich für den seiner Überzeugung nach umweltfreundlichen und wissenschaftlich begleiteten Einsatz von BTI zur Mückenbekämpfung stark. Bei einem Bürgerentscheid im Herbst 2019 sprachen sich die Echinger Bürger für den Einsatz des Bakteriums in Überschwemmungsflächen aus. Entlang von fließenden Gewässern und am Seeufer darf das Bakterium, das selektiv Mückenlarven abtötet, allerdings nicht ausgebracht werden.

Im vergangenen Jahr wurden viele Ammersee-Bewohner schon Anfang Juni von Mücken geplagt. Unser Archivbild zeigt (von links) Rainer Jünger, Oliver Grüner und LT-Redakteurin Stephanie Millonig (verhüllt).
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Der Gemeindeverwaltung, erzählt Luge, liege nun eine Anfrage, unterzeichnet von rund einem Dutzend Bürgern vor, die wissen möchten, wann nun mit der Kartierung der Brutgebiete auf Echinger Flur begonnen werde. Die Verwaltung, erklärt Luge, sei bereits im Gespräch mit einer Fachfirma. Ob der Auftrag für die Kartierung und das Ausbringen von BTI an diese oder eine andere Firma vergeben werden soll, möchte Luge in Kürze mit seinem Gemeinderat besprechen.

BTI könnte frühestens nächstes Jahr eingesetzt werden

Aber selbst wenn es heuer noch zu einer Mückenplage kommen sollte, mit dem Einsatz von BTI kann frühestens nächstes Jahr gerechnet werden, da dieser nach der Kartierung bei der Regierung von Oberbayern beantragt und genehmigt werden muss, erklärt der Bürgermeister. Die Gemeinden am Ammersee-Westufer, Schondorf, Utting und Dießen, hatten sich in der Vergangenheit gegen den Einsatz von BTI ausgesprochen. Doch nun, nach der Kommunalwahl 2020, könnte die Frage in den neuen Gremien erneut gestellt werden.

Ein Fischer versteht die alljährliche Aufregung nicht

Dr. Bernhard Ernst, Biologe und Fischer aus Utting, versteht die alljährliche Aufregung um das Mückenthema nicht. „Sie gehören zum Ökosystem an einem See wie dem Ammersee ganz einfach dazu. Generationen vor uns haben damit gelebt“, sagt er zum Thema. Außerdem trete das Mückenproblem nur temporär auf, nach zwei, drei Wochen sei es wieder vorbei, betont Ernst. Es gehe nicht an, nur die Vorteile einer Region genießen zu wollen. „Wir können die Natur nicht einfach für uns passend machen. Das sollten wir mittlerweile gelernt haben.“ So sieht es auch der Biologe Dr. Eberhard Sening vom Bund Naturschutz in Dießen. Sein Tipp: Am Abend auf der Terrasse einen Ventilator anschalten und die Mücken einfach wegblasen.

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