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Vilgertshofen

19.08.2019

Stumme Prozession: Die Muttergottes verbindet

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3 Bilder
Die Stumme Prozession ist einer der Höhepunkte im Kirchenjahr für die Vilgertshofer.
Bild: Julian Leitenstorfer

1000 Gläubige kommen zur Messe in der Wallfahrtskirche Vilgertshofen und zur Stummen Prozession.  Für Frauen gelten beim Umzug eigene Regeln.

Gleich zwei wichtige kirchliche Ereignisse feierten die Vilgertshofer und ihre Gäste in dieser Woche. Am Donnerstag Mariä Himmelfahrt und am Sonntag das Titularfest der Marianischen Bruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes. Aus Sicht des emeritierten Abtprimas Dr. Notker Wolf passen die beiden Tage gut zusammen. Sowohl im Leid als auch in der Freude sei Maria Fürsprecherin, sagte er vor den rund 1000 Gläubigen in und hinter der Wallfahrtskirche. „Für uns Christen ist Maria das Zeichen der Hoffnung mitten im Leben“, sagte er in seiner Predigt. Von Pater Joaquim, dem Präses der Bruderschaft, und seinen Mitbrüdern wurde die Messe zelebriert und er richtete Grußworte an die Ketterschwanger Wallfahrer, die anwesenden kirchlichen und weltlichen Ehrengäste. In diesem Rahmen wurde auch Pater Julius offiziell verabschiedet, er verlässt die Pfarrei Vilgertshofen/Stoffen und wechselt nach Dirlewang.

Darsteller werden nebenan im Kloster hergerichtet

Während vor der Wallfahrtskirche die Messe gefeiert wurde, wuselte es in den Gängen und Räumen des angrenzenden Klosters. Die Darsteller der Stummen Prozession wurden eingekleidet, frisiert und hergerichtet. Wer fertig war, suchte sich im Garten einen Schattenplatz. Die Familien standen dort beisammen und warten darauf, dass die Prozession beginnt. Auch Familie Felbermeier war dabei.

Mutter Gabi ist in ihrer Stadler Tracht zum Fest gekommen. Sie selbst hat keine eigene Rolle mehr. Die haben ihre Töchter übernommen. Melanie lief als Vorengel des Kreuzzuges mit und Julia begleitete den Zug als Trauerengel. „Wenn man heiratet, bekommt man als Frau nur noch eine Rolle als Weinende Frau, sagte die Mutter. Die Rollen werden in den Familien weitergegeben. Kinder können ab dem dritten Lebensjahr mitmachen. Die Kleinsten laufen in Rosa, die etwas älteren Kinder in Blau, geht man zur Kommunion, trägt man Gelb und anschließend Lila. Danach dürfen die Mädchen noch als Engel teilnehmen.

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Er muss für den Schwager einspringen

Bei den Männern spielt die Heirat keine Rolle. So stellte Felbermeiers Sohn Christoph einen der Josefsbrüder dar. Der Vater Fritz ersetzte diesmal den Schwager, den „Dullabaur“. Der Verwandte wurde in der Landwirtschaft gebraucht und war mit dem Mähdrescher unterwegs. Er konnte nicht wie gewohnt die Darstellung des Ismailitischen Kaufmanns übernehmen, der den kleinen Josef seinen Brüdern abgekauft hat. Normalerweise ist Fritz Felbermeier ein „Hoher Rat“. Gabi Felbermeiers Vater und sein Bruder hatten die Rolle bereits inne. „Mir geht es wie dem Bürgermeister, ich hab mir auch einen Bart stehen lassen, weil ich mir keinen ankleben lassen will“, sagt er zum Bericht im LT und schmunzelt.

Das Vilgertshofer Fest mit Messe und Prozession zieht zwar immer noch viele Gläubige an, aber deutlich weniger als früher, sagt Rupert Holzfurtner, Schriftführer und Kassier der Bruderschaft. Knapp 3000 Festzeichen seien heuer verkauft worden. Er sagte: „Früher, als mein Vater dafür zuständig war, wurden doppelt so viel verkauft. Viele Leute kommen heute nur noch zum Markttreiben.“

Das Markttreiben hat wenig Bezug zum Fest

Am Straßenrand gibt es auffallend viel Weltliches: Essensstände, Nähgarn, Kleidung und Spielsachen, und es ist viel los. Weniger belagert wurde hingegen der Stand von Siegfried und Erika Schaitl aus Mundraching. Sie verkaufen seit etwa 30 Jahren religiöse Devotionalien. Sie boten Kreuze, Weihwasserkessel, alten bayerischen Christbaumschmuck, Heiligenfiguren und fein bemaltes Zinn an, das von der Firma Babette Schweizer aus Dießen stammt. Der 85-Jährige verkaufte zudem seine Sammlung von Kreuzen an. „Ich brauche sie nicht mehr. 70 Jahre lang habe ich gesammelt.“

Mehr Fotos von der Stummen Prozession:

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36 Bilder
Die Stumme Prozession in Vilgertshofen
Bild: Julian Leitenstorfer
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