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Landsberg

22.07.2019

Trinkwasser: Stadtwerke gehen in die Offensive

Stadtwerke Landsberg: Ein Vortrag mit Ulrich Heindl
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Der Landsberger Versorger sucht in Sachen Trinkwasser das Gespräch mit den Bürgern. Doch der Zuspruch des Publikums bleibt beim ersten Mal recht überschaubar.

Normalerweise arbeiten sie lieber unbemerkt im Hintergrund. „Wenn man nichts von uns hört, dann läuft alles bestens,“ sagt Helmut Maier, Planungsleiter der Stadtwerke Landsberg. Doch in jüngster Zeit stand das Telefon nicht still. Die Stadtwerke mussten viele besorgte Bürger beruhigen. Im Trinkwasser mehrerer Lechraingemeinden fanden sich Keime: Sofortige Notfallmaßnahmen, Spurensuche, Beseitigung, die Mitarbeiter hatten so einige schlaflose Nächte. Im LT wurde ausführlich über die Umstände berichtet, in den sozialen Medien sammelten sich Meinungen basierend auf viel Halbwissen, so Maier weiter. Aus diesem Grund veranstalteten die Stadtwerke am Donnerstag einen Informationsabend „Wasser – sprechen Sie mit den Fachleuten“.

Fragen der wenigen Zuschauer

Was, wenn es tatsächlich immer weniger Niederschläge und einen signifikanten Temperaturanstieg geben wird? Wenn auf ein arides, also ein trockenes Jahr wie 2018 im Alpenvorland ein weiteres folgt? Wird es dann noch genügend Wasser in den Brunnen und Hochbehältern geben? Frisches Wasser aus den Hähnen ist für uns Mitteleuropäer eine derartige Selbstverständlichkeit, da macht sich kaum einer Gedanken um den komplexen Bereitstellungsprozess, den die städtischen Wasserversorger täglich unter Kontrolle haben müssen.

Helmut Maier (Hydrogeologe, Leiter Planung und Bau), Ulrich Heindl (Agraringenieur, zuständig für die Wasserqualität), Rainer Förstl (Wassermeister) und Norbert Köhler (technischer Vorstand) berichteten ausführlich über die Arbeit der Stadtwerke, über Probleme, Maßnahmen und Prognosen und stellten sich anschließend den Fragen der indes nicht sehr zahlreich erschienenen Zuhörer.

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Die Brunnenlage

Die Lage im Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke ist folgende: Vier Vertikalbrunnen, zwei neue Weststadtbrunnen (die Anfang 2020 fertiggestellt werden), zwei Quell-fassungen an der Teufelsküche, vier Hochbehälter in vier unterschiedlichen Druckzonen, „eigentlich“, so Köhler, „sind wir in Landsberg, was die Wasserversorgung angeht, safe.“ Die Nitratproblematik aus dem letzten Jahrzehnt habe man in den Griff bekommen, jetzt arbeiten alle mit Hochdruck an dem Thema potenzielle Trockenheit. Seit Ende 2018 (dem Jahr mit der geringsten je gemessenen Niederschlagsmenge) arbeiten die Stadtwerke an der Erschließung weiterer Wassergewinnungsgebiete und der genaueren Lokalisation unterirdischer Fließrinnen für die präzise Brunnenbohrung. Momentan seien durch die vergangenen Niederschläge alle Puffer wieder optimal aufgefüllt.

Ein weiteres Thema ist die Verkeimung

Ein anderes Thema ist die Verkeimung. Wasser ist ein nicht-steriles Naturprodukt, betont Förstl. Je wärmer die Außentemperaturen, je wärmer die Leitungen, durch die das Wasser fließt, desto höher die Gefahr der Keimbildung. Hinzu kommt möglicherweise ein geringerer Durchfluss (beispielsweise durch Wassersparen). Außerdem sind die Quellfassungen (die Stellen, an denen das Wasser einfach so aus dem Boden sprudelt) naturgemäß nach einem Starkregen überschwemmt und damit keimanfällig. Insgesamt ist ein Wassersystem, das wird bei den Vorträgen deutlich, äußerst komplex und sensibel.

Hinzu kommt die Kooperation der Stadtwerke mit mehreren Zweckverbänden, wie der Oberen Singoldgruppe, der Erpftinger sowie der Pöringer Gruppe. Die neuerliche Keimbelastung ist innerhalb dieser Verbände aufgetaucht, einmal während einer (nicht den Stadtwerken zugehörigen) Baumaßnahme sowie im anderen Fall, weil eine Quellfassung in Pöringer Bereich „nicht mehr die modernste“ sei. Man habe sofort und entsprechend der gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßigen Prüfmaßnahmen reagiert und das Problem gelöst.

Das Team der Stadtwerke versicherte, das Wasser aus dem Hahn hätte im Landkreis beste Trinkwasserqualität.

Man brauche auf keinen Fall Mineralwasserkästen nach Hause schleppen, die meisten würden regelmäßig von Stiftung Warentest schlecht bewertet.

Auch in Zukunft wollen sich die Stadtwerke weiter öffnen, „wir verpflichten uns zu mehr Information, Kommunikation und Aufklärung“, hieß es.

Nur wer sieht, welche Arbeit die Ingenieure und Techniker dort leisten, davon ist man überzeugt, kann den Wert und die Qualität des Landsberger Wassers richtig (ein-)schätzen.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: Keimbefall im Trinkwasser: Es gibt noch keine Entwarnung Die Wasserkrise hat die Stadtwerke im Griff

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