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Landsberg

13.02.2017

Über den Alltag im Flüchtlingsheim

„Asyland“ ist ein Dokumentarfilm von Cagdas Yüksel. Hier ein Bild von den Dreharbeiten.

Diskussion im Stadttheater über den Film „Asyland“ und die Frage, wie Integration gelingen kann.

Alltag von Menschen in einem Flüchtlingsheim: Leben auf engstem Raum, frustrierende Behördengänge, zermürbende, weil meist erfolglose Suche nach Arbeit. Auf der anderen Seite Politiker, die sagen „Wir brauchen in Deutschland Zuwanderung“ und Integration brauche Menschen, die andere akzeptieren. „Asyland“, ein 2014 entstandener Film von Çagdas Yüksel, Student der Sozialwissenschaften, wurde in der Reihe „Filmforum“ im voll besetzten Landsberger Stadttheater gezeigt.

„Die gezeigten Situationen sind Alltag für uns alle“, erklärte Stefanie Peters vom BRK Landsberg in der sich anschließenden, von Ellen Diehl (BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung) moderierten Diskussion mit Podiumsrunde. „Die Leute sind, weil sich an ihrer Lage nichts ändert, frustriert und demotiviert.“ Erfreut ist Peters darüber, dass die Hilfsbereitschaft so lang anhält, dass sich auch eineinhalb Jahre nach der großen Flüchtlingswelle noch immer Ehrenamtliche engagieren, dass Arbeitgeber bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen. „Das Warten auf Anerkennung zermürbt“, bestätigte auch Dr. Sabine Werner, Helferkreiskoordinatorin für die Landsberger Flüchtlingsunterkunft „Hochbauamt“. Die Bürokratie sei enorm, in ihrer Gruppe gebe es beispielsweise einen, der seit einem Jahr auf das für eine Anerkennung notwendige Interview wartet, berichtete die Penzinger Helferkreiskoordinatorin Irmengard Stengele. „In einer solchen Situation können wir nichts für den Bewerber tun.“

Eines von zwei Hauptthemen in der Diskussion war Integration, wie kann sie gelingen, wie ist sie überhaupt zu stemmen. Integration müsse von beiden Seiten kommen, betonte Moderatorin Ellen Diehl. „Wir sollten den Dialog forcieren, und so versuchen, Vorurteile abzubauen“, meinte Regisseur Çagdas Yüksel. Darauf setzt auch Stefanie Peters, die die freiwilligen Helfer zusätzlich ermunterte, verstärkt die Presse mit in ihre Arbeit einzubinden. Wie aber Einheimische und Flüchtlinge zusammenbringen? „Wir haben den Schlüssel noch nicht gefunden“, sagte eine „von dem Thema gefrustete“ Dame aus dem Publikum. Bei monatlichen Treffen seien kaum Einheimische anwesend. Dabei könnten doch, wie Stengele betonte, Ängste abgebaut werden, „wenn ich Leute kennen lerne“. Diese Ängste sind nach wie vor vorhanden, wie ein weiterer Beitrag aus dem Publikum zeigte. Seine Frau traue sich abends nicht mehr auf die Straße, berichtete ein Herr, sie fürchte sich, seit so viele fremdländische Flüchtlinge hier leben. Unbegründete Ängste, wie Besucher Jost Handtrack betonte: „In Landsberg gab es in den vergangenen eineinhalb Jahren keine Übergriffe, keine einzige Straftat eines Asylbewerbers/Flüchtlings.“ Bei Berührungsängsten helfe sicher, von Helfern organisierte Treffen zu besuchen, so Sabine Werner.

Weiteres großes Thema: die Rolle der Politik. In Landsberg seien die Rahmenbedingungen schwierig, sagte Stefanie Peters. Die für eine Integration so wichtige Vermittlung von Sprache werde fast nicht mehr finanziert. „Wir haben einen Pool an Sprachvermittlern, aber kein Geld.“ Auch, so Irmengard Stengele, dauere es viel zu lang, bis es mit einem Sprachkurs klappe. Die Politik müsse sich einbringen, forderte Besucherin Hannelore Baur. Unsere Demokratie werde erschüttert durch rechtes Gedankengut, meldete sich eine weitere Besucherin zu Wort. Den Grund sieht sie in großem Erklärungsbedarf, zu lösen möglicherweise durch ein Einwanderungsgesetz. Darin sieht auch Stefanie Peters Lösungsansätze. „Eine Einwanderungsbehörde wäre wichtig“, so die Teamleiterin Flüchtlingsarbeit beim BRK Landsberg, „und zwar für beide Seiten, Einheimische wie Flüchtlinge. Wir bräuchten eine Integrationsbehörde mit eigenem Etat.“

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