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Kammermusik

21.04.2015

Unbekannt – bekannt

Musik im Bibliothekssaal: (von links im Bild) Kumiko Yamauchi, Birgit Seifart, Michael Meinel, Dorothea Galler und Franz Lichtenstern.
Bild: Hertha Grabmaier

Konzert im Bibliothekssaal mit besonderen Kompositionen

Der eine „Un-bekannte“, Rudolf Hindemith, der, nicht minder begabt, jedoch zeitlebens im Schatten seines berühmten Bruders Paul stand, hat eine wunderbar geistreiche und witzige Serenade für Klarinette, Streicher und Kontrabass komponiert, deren vier Sätze in Landsberg zu einer vollendeten Aufführung gelangten.

Das Streichquartett, bestehend aus zwei Violinen, hervorragend gespielt von Konzertmeisterin Kumiko Yamauchi, und der passionierten Orchestermusikerin Birgit Seifart, einer Bratsche der Mozarteum-Absolventin Dorothea Galler und dem Cello des in Landsberg bestens bekannten Franz Lichtenstern, wurde komplettiert mit der tonangebenden Klarinette von Michael Meinel und dem Kontrabass von Solistin Sophie Lücke. Für die einfallsreichen Variationen im vierten Satz verwendet Hindemith die unbezweifelbar bekannteste Melodie von Antonin Dvorák. Auffallend, wie Cello und Geigen hier variantenreich teils mit den Fingern gezupft wurden.

Ein Jahr vor seinem Tod 1947, schuf der zweite „Un-bekannte“ Komponist Reynaldo Hahn, 1874 in Caracas geboren, das wunderbare Quartett Nr. 3 G-Dur für Violine, Viola, Violoncello und Klavier mit einem Allegretto moderato zum Träumen. Entspannt, mit geschlossenen Augen lauschten da schon viele Besucher einem sensationellen Allegro assai, dem letzten Satz, bei dem der Flügel, wunderbar bespielt von der Solorepetitorin Anke Schwabe, die Streicher, Birgit Seifart, Dorothea Galler und Franz Lichtenstern etwas überlagerte.

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Im zweiten Teil nach der Pause der Übergang zum „Bekannten“, bedeutenden Komponisten Johannes Brahms, der sein Schaffen nach dem zweiten Streichquartett op. 111 bereits für beendet hielt, als er 1891 den phänomenalen, autodidaktischen Klarinettisten Richard Mühlfeld kennenlernte, der ihn zum Schreiben von vier späten Klarinetten-Werken inspirierte.

Das Quintett h-Moll für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello op.115 wurde von den bereits bei Hindemith und Hahn zum Einsatz gekommenen Kammermusikern hinreißend schön präsentiert. Der langsame Satz in dreiteiliger Liedform enthält ein Klarinetten-Geigen-Duett, das fast ländlerhaft schlicht daherkommt, getragen von einem rhythmisch in sich verschoben Klanggrund, ein Klarinettensolo über Streichersolo, das sich von Reminiszenzen ans Zigeunerleben bis zum bekenntnishaften Espressivo steigert.

Das Scherzo wurde durch eine Überleitung, wie bei Brahms späten Werken üblich, zum lodernden Presto ersetzt.

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