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Zedergalerie

25.05.2019

Unwiderstehlich gute Laune

Wie man künstlerisch und auf überzeugende Weise für „Good Vibrations“ sorgt. Helle Ausstellungsräume, sehenswerte Kunst

Die Vernissage des Galerievereins Landsberg bei der Wiedereröffnung der Zedergalerie zeigte auf so nonchalante wie überzeugende Weise, dass nicht nur der legendäre gleichnamige Song der Beach Boys für „Good Vibrations“ sorgt. Denn die aktuell unter eben diesem Titel präsentierten Arbeiten der vier renommierten Künstler Harald Ferner, Michael Jastram, Gotlind Timmermanns und Bernd Zimmer verbreiten auf Anhieb unwiderstehlich gute Laune.

Für eine erste Überraschung sorgen bereits die neu gestalteten, farblich abgestuften und hellen Ausstellungsräume der Galerie, die in erster Linie dem großen Format Raum und Luft zum Atmen lassen. Wie geschaffen also für die überwiegend großformatigen Arbeiten, die gerade zu sehen sind.

So beispielsweise ein frühes Bild aus den 1980er-Jahren des international anerkannten Malers und Musikers Harald Ferner, das nicht nur durch seine bildnerische Vielfalt für sich einnimmt, sondern in der Tat einen musikalischen Unterton zu haben scheint. Das zweite Bild des Künstlers, welches auch die Ausstellung bewirbt, ist von einer Wucht, die instinktiv Auge und Körper nach Halt suchen lässt. Die leuchtenden Farbtöne der Leinwand vibrieren nicht nur, sie scheinen regelrecht zu pulsieren und sind von einer Vitalität und Musikalität, die schwer fassbar, aber gerade daher umso ergreifender sind. Manchmal jahrelang arbeitet Harald Ferner an diesen großen Formaten, bevor das Bild in seinen Augen gelungen und reif für ein Publikum ist. Dabei verweigert er seinen Bildern buchstäblich jegliche Beschreibung, liegt seine künstlerische Intention doch darin, dass nicht er, sondern seine Bilder zum Betrachter sprechen mögen. Und der sollte sich dafür Zeit nehmen, denn ein jahrelanger Schaffensprozess lässt sich nicht in wenigen Augenblicken erfassen, diese „Good Vibrations“ wollen erobert und gewürdigt werden.

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Auch das „Geheime Leben der Sterne“ von Bernd Zimmer kommt im großen Format daher. Der Maler und Grafiker, der in Serien arbeitet, ist daneben mit Holzschnitten der Serie „Wassermusik“ zu entdecken. Dass das eine ohne das andere kaum zu verstehen ist, wird deutlich, wenn der Künstler vom Himmel mit seinen Sternen, der sich im Wasser spiegelt, von dessen Oberfläche der Blick wieder nach oben an das Firmament wandert, erzählt. Und sollte die Physik auch in Zukunft noch so viele Entdeckungen machen, immer wird sich das entscheidende Etwas dem menschlichen Verständnis des Alls entziehen – Bernd Zimmer hat seine eigene Vorstellung davon und macht sie sichtbar.

Als hätten sie sich abgesprochen, steht vor einem der Bilder der Kosmosserie von Bernd Zimmer die „Stairway to Heaven“ des gebürtigen Berliner Bildhauers Michael Jastram. Die Bronzeplastik bildet einen spannenden Kontrast zu der Vision des Malers, ihr archaischer Reiz ist atemberaubend. Im Fokus der Arbeiten von Michael Jastram stehen unsichtbare Grenzen einerseits und deren Überwindung andererseits. Wo sich Stillstand lähmend und hemmend auf jegliches menschliche Agieren auszuwirken scheint, findet sich immer auch ein Momentum, welches als Symbol des Aufbruchs gelesen werden kann. Gerade das „Berliner Haus“ mit seinen Rissen und verwirrend verschachtelten Treppen zeigt eindrücklich die letztlich immer lohnende Mühsal der Überwindung von Grenzen, ohne die entstandenen Wunden zu verleugnen.

Ebenfalls großformatig sind die in kräftigen Rot- und Silbertönen gehaltenen, expressiven Bilder von Gotlind Timmermanns. Ihre Pigmente scheinen direkt aus der Leinwand heraus zu explodieren, und auch hier ist ein unterschwelliges Vibrieren spürbar, das wie die anderen Arbeiten für, genau, „good vibrations“ sorgt.

Ohne zu übertreiben, ist dem Galerieverein ein fulminanter Auftakt mit überaus sehenswerten Arbeiten von teils international renommierten Künstlern geglückt. Die Messlatte für die künftigen Veranstaltungen liegt damit hoch, was auf eine weitere Bereicherung des kulturellen Lebens in Landsberg hoffen lässt.

Wer sich von den „Good Vibrations“ anstecken lassen möchte, kann dies bis zum 25. August jeweils Dienstag, Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung tun. Informationen zu allen Veranstaltungen des Galerievereins sind über den Link www.galerieverein.de zu finden.

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