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Hobby

12.04.2015

Von Top Rocks, Cyphers und dem Six-Step

Das Breakdance-Team aus der Tanzschule Payer (von links): Benedikt Eberle (Elbow Stand), Fabian Froitzheim (Spider Freeze), Nicolas Söhlemann (Elbow Stand).
Bild: Thorsten Jordan

Nach dem kometenhaften Aufstieg in den 1980er-Jahren geriet Breakdance zunächst wieder in Vergessenheit. Jetzt lassen einige Jugendliche den Sport wieder aufleben. Grund genug für K!ar.Text, eine Trainingseinheit zu besuchen.

Wenn sie tanzen, dreht sich meist alles um sie und die Welt scheint Kopf zu stehen. Benedikt Eberle und Nicolas Söhlemann betreiben in ihrer Freizeit Breakdance, sie sind sogenannte B-Boys. Doch dies war nicht immer so. Benedikt war zuvor als Hürdenläufer in Kaufering und Puchheim aktiv. Erst die Step-up-Filme weckten in ihm das Interesse an der aus der New Yorker Bronx stammenden Tanzform. Nicolas spielt nebenbei noch Basketball im Verein. Vor ungefähr zweieinhalb Jahren fand er zum Breakdance.

Um selbst in die Materie dieses Sports einzutauchen, besuche ich heute die Breakdance-Anfänger-Gruppe im Tanzcenter Payer. Sie ist eigentlich für Kinder ab zehn Jahren oder für blutige Anfänger wie mich und wird normalerweise von Jonas von Pritzbuer geleitet. Er ist ausgebildeter und hauptberuflicher Tanzlehrer. Aufgrund einer Erkrankung übernehmen heute aber ausnahmsweise Benedikt und Nicolas die Leitung des Trainings. Sie selbst besuchen die Fortgeschrittenen-Gruppe. Einer, der ihre Leidenschaft zum Tanz teilt, ist Günter Payer, Leiter des Tanzcenters. In den 1980er-Jahren war er selbst aktiver Breakdancer. Er erläutert, was es überhaupt mit der Bezeichnung „Breakdance“ auf sich hat: „Es ist in den Bronx als Bandenkampf entstanden und wird auf sogenannte Break-Beats getanzt“, erzählt Payer.

Als ich mit ihm eine gute Viertelstunde vor Beginn der Übungseinheit rede, eröffnet er mir, man könne innerhalb eines Jahres harten Trainings ein akzeptabler Breakdancer werden. Eine Aussage, die mir für die bevorstehende Stunde Mut macht. Nach dem Aufwärmen mit Dehnübungen und Grundschritten im Rhythmus der Musik trainieren die rund 20 Teilnehmer heute unter Beaufsichtigung individuell für sich.

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Die zwei Neulinge, Jeremy* und ich, werden separat in die hohe Kunst des B-Boying eingewiesen. Zu Beginn stehen einfache Top-Rocks auf dem Programm. Das sind Schrittmuster am Anfang einer Breakdance-Performance, um den Takt aufzunehmen. Sie werden ausschließlich im Stehen vollzogen. Nachdem die gelernten Top Rocks nach wenigen Minuten problemlos sitzen, geht es am Boden weiter.

Der Four- und der Six-Step wird von mir und Jeremy, der schon Hip-Hop tanzt, eingeübt. Sie sind Grundbewegungen, bestehend aus vier beziehungsweise sechs Einzelschritten für den Tanz am Boden im Hauptteil einer Breakdanceperformance. Die Stellungen während der Einzelschritte erinnern sehr an Verrenkungen, wie man sie von Twisterpartien kennt. Aufgrund der schnellen Positionswechsel muss man sich sehr konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren.

Der Four- und der Six-Step gehören zu den absoluten Basics im Repertoire eines jeden B-Boys und B-Girls.Jeremy ist ungefähr halb so alt wie ich, scheint aber doppelt so schnell zu lernen. Zum Abschluss der Übung versammeln sich alle in einem Kreis, „Cypher“ genannt. Es wird rhythmisch zur Musik geklatscht und jeder der Beteiligten kann in die Mitte gehen, um dort sein Können zu demonstrieren. Ein Highlight sind Head-Spins, bei denen sich der Tänzer, in diesem Fall ein Kind, auf dem Kopf dreht.Auch Jeremy wagt es, tritt in die Mitte und erntet mit seinen Hip-Hop-Fähigkeiten reichlich Applaus. Eine andere weitverbreitete Form, um seine Fertigkeiten unter Beweis zu stellen, sind die sogenannten Battles. Doch bei Payer wird nicht zwingend für Wettkämpfe trainiert. Aufführungen, beispielsweise auf Abschlussbällen, stehen häufiger in den Terminkalendern der Tänzer.

Benedikt und Nicolas sehen auch einen großen Unterschied zwischen Landsberg und der Breaking-Szene in Großstädten wie München: „Dort trainieren die wahrscheinlich vier-, fünfmal pro Woche.“ Im Gegensatz dazu wird in Landsberg einmal pro Woche und je nach Bedarf daheim geübt. „Zu Hause kann man auch nicht alles trainieren“, sagt allerdings Benedikt. Eine „Windmill“, bei der man sich auf dem Rücken dreht und je nach Variation verschiedenste Gliedmaßen von sich streckt, sei aufgrund des benötigten Platzes in den wenigsten Fällen wohnzimmertauglich.

Doch welche Vorteile bringt Nicolas und Benedikt ihr Können im Alltag? Beispielsweise am Wochenende in der Disco? Benedikt erzählt, dass er auf der Tanzfläche nicht anfängt zu breaken. Allerdings sei sein Tanzstil schon vom Breakdancetraining beeinflusst. Manchmal werde er auch darauf angesprochen, dass er gut tanze. Nur manche Bewegungen scheinen einen Teil seiner Mitmenschen eher zu irritieren als zu begeistern – zum Beispiel, wenn er tanzt und dabei seinen Brustkorb unabhängig davon bewegt.

Und was rät der Leiter des Tanzcenters, wenn man selbst mit dem Breakdancen anfangen möchte? Günter Payer sieht beständiges Training als Schlüssel zum Erfolg: „Zwar ist schon zu unterscheiden, ob jemand mehr oder weniger talentiert ist“, sagt er. „Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die, die sich nur auf ihr Talent verlassen, anfangs schneller Fortschritte machen, aber irgendwann von den fleißigeren, wenn auch nicht ganz so begabten Tänzern überholt werden.“

*Name von der Redaktion geändert

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