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Denklingen

26.05.2018

Vor 350 Jahren brannte fast das ganze Dorf nieder

Heute vor 350 Jahren breitete sich ein Feuer in Denklingen aus. Das Foto zeigt den Bestandsplan der Denklinger Kirche von 1764.
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Heute vor 350 Jahren breitete sich ein Feuer in Denklingen aus. Das Foto zeigt den Bestandsplan der Denklinger Kirche von 1764.
Bild: Paul Jörg

Am Vormittag des 26. Mai 1668 brach mitten in Denklingen ein Feuer aus. Viele Wohnhäuser, das Wirtshaus und die Kirche wurden zerstört. Ein Blick in die Geschichtsbücher.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts machte die Bevölkerung in der Region eine schwere Zeit durch. Während und nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs waren Gewalt, Pest und Seuchen, Wetterkapriolen, Missernten, Hungersnöte und elende Lebensbedingungen der Alltag. In Denklingen ereignete sich keine 20 Jahre nach dem Westfälischen Frieden ein weiteres Unheil. Am 26. Mai 1668 brach vormittags zwischen 8 und 9 Uhr in einem Bauernhaus mitten im Ort ein Feuer beim Aussieden von Schmalz aus.

Die Glocken schmolzen in der Feuersbrunst

Die Flammen breiteten sich im Haus rasend schnell aus und erfassten auch die nachbarschaftlichen Anwesen. Binnen einer Viertelstunde entwickelte sich der Brand zu einer großen Feuersbrunst. Dieser fielen neun Häuser, das Wirtshaus, die drei Schmieden am Fuße des Kirchbergs, der Pfarrhof, der sich damals südlich der Kirche, oberhalb des heutigen Pfarrheims, befand, sowie die Kirche. Sie stand damals am Hang, östlich des Turms. Da gerade die morgendliche Messe stattfand, konnte der Pfarrer wenigstens noch das Allerheiligste retten, der Mesner zwei Kelche, die Messgewänder und die Altartücher.

Nur das Chorgewölbe, die Sakristei und die Außenmauern blieben erhalten. Der massige Kirchturm überstand das Inferno einigermaßen unbeschädigt. Die Flammen hatten hauptsächlich den Dachstuhl, der erst im Jahre 1663 als Satteldach erneuert worden war, erfasst, was dazu führte, dass die darunter befindlichen vier Glocken samt Uhrwerk zerschmolzen.

Vor 350 Jahren brannte fast das ganze Dorf nieder

Irgendwann fanden die Flammen keine Nahrung mehr

Es sei ein „grausams spectacul gewesen“, wie tags darauf der Ascher Pfarrer und Dechant (Dekan) des Dekanats Schongau-Leeder, Jakob Knobel, an den Generalvikar in Augsburg von dem Großbrand berichtete. Personen seien keine zu Schaden gekommen, stellte er in seinem Bericht erleichtert fest. In dem Inferno konnte nur noch das Vieh ins Freie getrieben werden und die Leute hatten zu tun, ihr eigenes Leben und einige Habseligkeiten zu retten sowie die Flammen auf weiteren Dächern zu löschen, die durch Funkenflug und Flaudern (herumfliegende brennende Strohbüschel und glühende Schindeln) verursacht wurden.

Nach dem Brandbericht zu schließen, hatte sich das Feuer, vermutlich mit Windunterstützung, in nordöstlicher Richtung ausgebreitet. Dass der Brand nicht noch verheerendere Ausmaße annahm lag auch daran, dass der Ort damals die Struktur eines Straßendorfes hatte und die Flammen somit keine weitere Nahrung mehr fanden.

Die einzige Steinbauten waren damals Kirchen

Wie konnte es zu dieser Feuersbrunst kommen? Die Häuser auf dem Land waren zu dieser Zeit aus Holz gebaut und von einem vorspringenden, sehr flachen Stroh- oder Schindeldach abgedeckt, das mit großen Steinen beschwert wurde. Diese waren gegen Sturm und Hagel zwar dauerhaft widerstandsfähig, aber auch höchst feuergefährlich, wenn in einem Anwesen ein Feuer ausgebrochen war, wie immer wieder aus alten Brandberichten zu entnehmen ist. Durch Funkenflug, begünstigt durch Wind und Sturm oder durch Kriegseinwirkungen fremder Heere konnten sich somit schnell Großbrände entwickeln.

Kirchen waren damals die einzigen Steinbauten. In römischer Bautradition war für Kirchen Mauerwerk vorgeschrieben. Sie wurden so solide fundiert und gemauert, dass sie bis heute unbeschädigt stehen. Für Schloss- und Herrschaftsgebäude galt das Gleiche wie für die Kirchen.

Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert

Für die neuen Gebäude stellten die Grundherren oft kostenlos das Bauholz. Hatte der Zimmermann die Balken „gerichtet“, half die Dorfgemeinschaft zusammen, um sie „aufzuheben“. Die Not nach dem Dreißigjährigen Krieg erlaubte damals an der Kirche nur provisorische Wiederherstellungsarbeiten. Das führte unter anderem dazu, dass diese nach nicht einmal 100 Jahren schon wieder baufällig war. In den Jahren 1765/1766 wurde dann durch den aus Tirol stammenden Land- und Hofbaumeister des Hochstifts Augsburg, Franz Xaver Kleinhans, die jetzige Kirche westlich des Turms neu erbaut.

Der damalige Tafernwirt baute sein Wirtshaus äußerst massiv und zweistöckig neu auf, was damals auf dem Lande eine Seltenheit war.

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