1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Warum Schüler den Verkehr in Dießen beobachten

Dießen

09.10.2019

Warum Schüler den Verkehr in Dießen beobachten

Zwei Tage lang wurde der Verkehr in Dießen genau von Schülern gezählt. Stichprobenartig wurden die Verkehrsteilnehmer auch befragt, wo sie hinfahren und warum – anonym natürlich.
Bild: Uschi Nagl

Plus Viele Autofahrer haben sich zwei Tage lang in Dießen gewundert, warum Schüler den Verkehr genau unter die Lupe nehmen. Das ist der Grund für die Zählung und die Umfragen.

Es ist Hauptverkehrszeit in Dießen. An der Prinz-Ludwig-Straße, gegenüber vom Rathaus, stehen vier Zehntklässlervom Ammersee-Gymnasium. Sie müssen den Straßenverkehr, der aus vier Richtungen auf die zentrale Kreuzung einströmt, genau im Auge behalten. Jede Fahrzeugbewegung wird notiert. Das ist der Grund dafür.

Polizei und Feuerwehr halten den Verkehr an

Nur wenige Schritte entfernt, an der Einfahrt zur Fischerei, stehen zwei Schülerinnen aus der 11. Klasse. Sie befragen Auto- und Motorradfahrer, die von Polizeihauptkommissar Boris Netschajew mit einer Polizeikelle an die Seite gewunken wurden. Der Grund: Die Gemeinde ließ am Dienstag und am Mittwoch im Rahmen einer Studie Autofahrer zu deren Mobilitätsverhalten befragen.

„Woher kommen Sie, wohin fahren Sie und zu welchem Zweck unternehmen Sie diese Fahrt“, lauteten einige der insgesamt vier verschiedenen Fragenkomplexe der Schüler, die am Dienstag und am Mittwoch im Einsatz waren. Vom einem Planungsbüro, das den Markt Dießen betreut, war der Vorschlag gekommen, doch mit Schulen zusammenzuarbeiten, sagt Geschäftsstellenleiter Karl Heinz Springer. Daher habe man bei der Liebfrauenschule und dem Ammersee-Gymnasium nachgefragt. Dort sei man bei den Schulleitungen auf offene Ohren gestoßen. Insgesamt beteiligten sich rund 80 Helfer, verteilt auf mehrere Schichten. Sie waren jeweils sieben Stunden lang im Einsatz – am Mittwoch zeitweise auch im Dauerregen. Unterstützt wurden die Schüler dabei von Beamten der Polizeiinspektion Dießen und Aktiven der Feuerwehr Dießen. Karl Heinz Springer: „Polizei und Feuerwehr organisierten den Verkehr und hielten die Fahrzeuge zur Befragung an.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Einige Autofahrer wundern sich

„Das sind ganz schön viele Autos hier. Und in den meisten sitzt nur eine Person,“ wunderte sich Valentin, einer der jungen Verkehrszähler. Das bestätigt auch Polizeihauptkommissar Boris Netschajew. Er hofft nun, dass man aus den konkreten Ergebnissen der Zählung auch sinnvolle Verkehrsstrategien ableiten kann, zum Beispiel, ob es eventuell Sinn machen würde, die Mühlstraße in eine Einbahnstraße umzuwandeln.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“ Diesen Satz hörte man oft von den Fahrzeuglenkern, die zum Beispiel von Netschajew an die Seite gewunken wurden. Doch die freundlichen Schülerinnen Maja und Theresa konnten die Fahrer in diesem Fall schnell beruhigen: „Es handelt sich lediglich um eine anonyme Verkehrsbefragung“, erklärten sie, und bekamen meist bereitwillig Auskunft.

Lob und Anerkennung bekamen die Schüler immer wieder von Passanten. „Es ist toll, wenn sich junge Leute für etwas Sinnvolles engagieren“, betonte ein Fußgänger. Auch die Schüler selbst befanden ihre Tätigkeit durchaus als sinnvoll – und freuten sich natürlich über einen Tag schulfrei und über das Taschengeld, das sie sich verdienen konnten.

Die Verkehrszählung wurde ganz bewusst nicht angekündigt

Ergebnisse aus der Verkehrszählung erwartet sich Geschäftsstellenleiter Karl Heinz Springer nach Auswertung der Zählung und Befragung durch das Planungsbüro etwa gegen Ende des Jahres. Gezählt wurde übrigens an insgesamt 16 Knotenpunkten, an vier im Ortszentrum fand außerdem jeweils eine Befragungen statt.

Dass der Termin der Verkehrszählung seitens der Gemeinde Dießen nicht angekündigt worden war, hatte übrigens einen guten Grund: Laut Verwaltungsleiter Karl Heinz Springer sollte so verhindert werden, dass die Verkehrsteilnehmer in Dießen ihr sonst gewohntes Fahrverhalten kurzfristig während der Erhebung ändern.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren